Der Berliner Parteitag von Bündnis90/Die Grünen zwischen KIKA Kanal, Bundesgartenschau und Dr. Hannibal Lecter. Ein Gastbeitrag von Carsten Kimmel.

Sie kennen den Film ‚das Schweigen der Lämmer’? in dem der zu diesem Zeitpunkt gefangene Kannibale ‚Dr. Hannibal Lecter’ seinen Gefängnisaufsehern (bevor er sie massakriert) auf die Frage ‚Sind Sie bereit, Dr. Lecter?’ antwortet ‚bereit, wenn Sie es sind’. Minuten später sind beide Aufseher wahlweise von ihm gekreuzigt oder der Gesichtshaut beraubt.

Ungeschicklichkeit in der Inszenierung

Nun stellt sich natürlich die Frage, wie dieser nur leicht abgewandelte, aber doch hinlänglich in die sprachliche filmische Ikonographie eingegangene Satz zum Leitspruch (Leidspruch?) des grünen Parteitags avancieren konnte. Freud? Die vielgepriesene Medienaffinität der Grünen konnte es schon mal nicht sein, der grüne Parteitag verwies in vielerlei Hinsicht auf Ungeschicklichkeit in der Inszenierung, das praktische Komplettfehlen jeglichen Rhetoriktalents der Wahlkämpfer, gepaart mit gähnender Langeweile vor ebenso leerem, dafür großem Plenum.

Die an die Bundesgartenschau erinnernde Bühne, mit Getreide, Blumen und einer übergroßen Sonnenblume (Überbleibsel der letzten Loveparade 2010?) wirkte fatal kindlich und als ob man in einer ideologischen grünen Belehrungssendung aus dem KIKA Kanal zum Thema ‚Unsere Erde und wir’ unfreiwillig teilnehmen muss.

Wie eine geplatzte gymnasiale Abschlussparty

Da viele grüne Parteimitglieder den Parteitag von zu Hause aus verfolgten, wirkte die dafür viel zu groß angemietete Halle oft leer und insgesamt wie eine geplatzte gymnasiale Abschlussparty. Es sah so aus, als ob sich letztlich niemand für die Veranstaltung interessiere.

Auf der Bühne wurde es nicht besser: quasi jede vermeintliche  Minderheit hatte einen öffentlich begleitenden medialen Auftritt. Den Grünen sei gesagt: schon die evangelische Kirche scheiterte damit, nur die Gestrauchelten anzusprechen. Dafür fehlte aber jegliche Intelligenzia, jeglicher philosophische Überbau, kulminierend in der Performance der beiden Parteivorsitzenden Habeck und Baerbock.

Während ersterer noch halbwegs ohne schriftliches Konzept frei stammeln konnte (von ‚reden’ wäre wirklich zuviel gesagt) war es Baerbock unmöglich, IHRE Inhalte eloquent zu präsentieren. Sie las ab, verlas sich, machte den (freudschen?) Versprecher vom ‚liberalen Gegner’, und ist der Meinung, ihre Hochstapeleien, die in der freien Wirtschaft sofort als Betrug zur fristlosen Kündigung des Arbeitsverhältnisses führen würde, sind ‚Fehler(n) die wir gemacht haben’ (?). Wer ist dieses ‚wir’?

So eine Rede ist immer auch eine Chance: mitzureißen, das Feuer zu übertragen. Macron hat das die Staatspräsidentschaft gebracht. Nicht so Frau Baerbock: defensiv, sich verhaspelnd, ohne jede Verve, Kampfesmut oder gar Humor. Sie langweilt. Ihre Themen langweilen – vermutlich sogar sie selbst.

Nur Tina fehlte noch…

Am Ende hätte nur gefehlt, dass irgendwelcher Angestelltenpop (Whitney Houston, Mariah Carey, Tina Turner) abgenudelt worden wäre und Habeck und Baerbock dazu getanzt hätten. Vor leerem Haus. Das Thema grüne Kanzlerschaft subtil abgehakt.

Nicht falsch verstehen: die Grünen waren einmal sehr notwendig, sie haben – und dafür gebührt ihnen Respekt und eine Erwähnung in der bundesdeutschen Geschichte – vielen wichtigen politischen und sozialen gesellschaftlichen Themen zur Wichtigkeit verholfen: Mülltrennung, Umweltschutz, Ausstieg aus der Atomkraft (von dem Teile der Grünen bereits wieder abspringen), Gleichbehandlung. Diese Themen haben andere übernommen und sie umgesetzt, oft auch mit grüner Beteiligung.

Das Thema ‚Klima’, welches durchaus diskursiv behandelt werden müsste, behandeln die Grünen wie eine Erweckungssekte, nur ohne die brennende Rhetorik der eloquenten Redner derselbigen.

Grün wird – wie geschehen – plötzlich sehr uncool, hässlich und grau. Und wir wissen, was die grauen Herren in Michael Endes ‚Momo’ tun: sie stehlen anderen die Zeit.

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