Von den Hoffnungen bei »Maria2.0« und warum sie nicht in Erfüllung gehen können. Ein Gastbeitrag von Bettina und Philipp Tropf

Anhängerinnen der katholischen Reformbewegung »Maria 2.0« haben am Wochenende Thesen über eine lebendige Kirche an Dom- und Kirchentüren in Deutschland gehängt. Mit der Aktion wollte die Bewegung auf Missstände in der Katholischen Kirche hinweisen und untermauerte damit ihre Forderungen nach Reformen hin zu einer zukunftsfähigen Kirche.

Dafür tritt die Reformbewegung Maria 2.0 ein

Wir wissen, dass es Frauen waren, die als erstes die Auferstehung bezeugt haben. Wir wissen ebenfalls, dass nicht nur Männer zum Jüngerkreis Jesu gehörten. Wir kennen auch die sogenannten »apokryphen« Evangelien, in denen sowohl die Bedeutung der Maria Magdalena im Leben Jesu als auch für dessen Lebenswerk eingehend dargelegt wird. Dass diese Evangelien von der Kirche verboten wurden, versteht sich von selbst.

Angemahnt wird von »Maria2.0« der Zugang für Frauen zu kirchlichen Weiheämtern, sowie die konsequente Aufklärung, Verfolgung und Bekämpfung von Missbrauchsfällen durch Priester. Darüber hinaus wird die Aufhebung des Pflichtzölibats gefordert. Papst Franziskus macht den wütenden Katholikinnen andauernd Hoffnung. Er tut so, als rüttele er am Zölibat. Er prüft medienwirksam, ob es die Möglichkeiten der Schaffung des Frauendiakonates gibt. Er erhebt Maria Magdalena zur Apostelin – und weiß doch, dass genau dies alles unredlich ist, denn Frauen werden in dieser Kirche niemals eine substantielle Rolle spielen! Nicht als Priestergattinnen und nicht als Priesterinnen. Substantiell ist für die katholische Kirche ohnehin nur das Weiheamt, alles andere ist weltlicher Verwaltungskram.

Eine Änderung der Kirche ist unmöglich

Die katholische Kirche behauptet nämlich in ihrer – von ihr selbst ein für alle Mal felsenfest niedergeschriebenen – Lehre, dass Christus das Weihesakrament den zwölf Aposteln verliehen hat, die allesamt Männer waren, und dass diese es dann ihrerseits nur Männern übertragen hätten. Deshalb schließt sie es aus, das Priestertum Frauen anvertrauen zu dürfen, da sie unwiderruflich und für immer an diese »Entscheidung des Herrn« gebunden sei. Papst Johannes Paul II. lehrte dazu in dem Apostolischen Schreiben Ordinatio sacerdotalis vom 22. Mai 1994:

»Damit also jeder Zweifel bezüglich der bedeutenden Angelegenheit, die die göttliche Verfassung der Kirche selbst betrifft, beseitigt wird, erkläre ich kraft meines Amtes, die Brüder zu stärken (vgl. Lk 22,32), dass die Kirche keinerlei Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden, und dass sich alle Gläubigen der Kirche endgültig an diese Entscheidung zu halten haben.«

Papst Franziskus hat ebenfalls zu dieser Frage Stellung genommen. In seinem Apostolischen Schreiben Evangelii gaudium unterstrich er:

»Das den Männern vorbehaltene Priestertum als Zeichen Christi, des Bräutigams, der sich in der Eucharistie hingibt, ist eine Frage, die nicht zur Diskussion steht.« Und in einer Pressekonferenz während des Rückflugs von der Apostolischen Reise nach Schweden am 1. November 2016 betonte Papst Franziskus: »Hinsichtlich der Weihe von Frauen in der katholischen Kirche hat der heilige Johannes Paul II. das letzte klare Wort gesprochen, und das bleibt.«

Ist das wirklich so überraschend?

Verwunderlich ist nur, dass Laien wie Experten, Beobachter wie Akteure immer wieder überrascht sind, dass sich nichts ändert. Dabei reicht das einfache Verständnis der katholischen Dogmatik, um diese Ergebnisse jedes Mal vorherzusehen. Zwar sind all diese Signale der Aussichtslosigkeit immer wieder aktuell, doch sie stehen 150 Jahre nach dem I. Vatikanischen Konzil in stringenter Tradition des dort beschlossenen Unfehlbarkeitsdogmas.

Deshalb haben wir es mit dem, was Franziskus und Teile der Deutschen Bischofkonferenz hier suggerieren, keinesfalls mit kleinen akademischen Unredlichkeiten zu tun, wie sie sich Politiker bisweilen im Wahlkampf erlauben. Es ist vielmehr eine unverfrorene Kirchen-Volks-Verdummung: Derselbe Papst Franziskus, der fortwährend Hoffnung auf Veränderungen macht, weiß nicht nur, dass ihre Erfüllung unmöglich ist, sondern er muss die Entscheidungen seiner Vorgänger immer weiter tradieren. Es ist schlicht und ergreifend naiv, anzunehmen, dass sich die Kirche – unter welchem Papst auch immer – je aus ihrer Felsenstarre lösen könnte.

Heroischer, aber aussichtsloser Kampf um Reformen

So sehr also Millionen von Christen in Deutschland auch hoffen, kämpfen und leiden – es wird sich niemals etwas ändern! »Wir sind Kirche«, »Kirche von unten«, »Vereinigung katholischer Priester und ihrer Frauen« oder eben »Maria 2.0«: Ihr Engagement ist mit Recht als authentisch und mutig – ja sogar als heroisch zu bezeichnen! Aber sie müssen sich vorkommen wie einst Sisyphos, da sie sich vollkommen aussichtslos abarbeiten: Eher ginge der Papst seines Amtes verlustig und würde selbst – ipso facto – exkommuniziert, als dass nur ein Dogma zurücknehmbar wäre.

Die Kirche kann sich nicht ändern, selbst wenn sie es wollte. Und: Die Kirche will sich nicht ändern, selbst wenn sie es könnte. Sie existiert seit 2000 Jahren – auch ohne zeitgemäße Reformen. Das merken auch zunehmend die Gläubigen: Die katholische Kirche steht in den kommenden Jahren vor einem eklatanten Schwund ihrer Mitglieder. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie – die von der Kirche selbst in Auftrag gegeben wurde – bereits 2019. Da hieß es, die Zahl der Katholiken werde sich in den nächsten 30 Jahren halbieren.

Durch die Coronakrise und die mit ihr noch schneller nachlassende Bindewirkung der Kirche müssen diese Zahlen mittlerweile dramatisch nach oben korrigiert werden: Allein im Jahr 2020 sind in Deutschland nochmal rund 1 Million Menschen aus den Kirchen ausgetreten. Insbesondere Frauen, die bisher in den Pfarreien engagiert mitgearbeitet haben, zogen zunehmend die Konsequenzen aus einer fehlenden Bereitschaft der Kirche zur Veränderung. Der aktuelle „Woelki-Skandal“ wird der Kirche von Deutschland den Rest geben: Sie erstickt an ihrer eigenen Unredlichkeit – TODESURSACHE: UNFEHLBARKEIT!

Über die Autoren: Bettina und Philipp Tropf wohnen bei Aschaffenburg und führen gemeinsam das Unternehmen Bephitro. 2020 haben sie das Buch „Todesursache: Unfehlbarkeit!: Eine Kirche nimmt Abschied von dieser Welt“ veröffentlicht und innerhalb von 3 Monaten 1.000 Exemplare verkauft. Dr. theol. Philipp Tropf promovierte 2009 im Fach Kirchengeschichte. In Würzburg empfing er die Priesterweihe. Ende 2017 wurde er durch die Amtskirche mit Berufsverbot belegt, nachdem er sich offen zu seiner Frau Bettina bekannt hatte. Seit November 2020 ist Philipp Tropf auch Bundesgeschäftsführer der WerteUnion.

Bettina und Philipp Tropf, TODESURSACHE: UNFEHLBARKEIT!, Taschenbuch, 160 Seiten. ISBN 978-3-9821832-5-1. verlag@bephitro.de www.bephitro.de, 14,99 € (D), 15,50 € (A)

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