(David Berger) Als der Fall des entführten und kaltblütig ermordeten Jaden Schlagzeilen machte und der nur einige Jahre ältere Täter, Marcel Heße in ganz Deutschland gesucht wurde, fiel mir eine Reaktion auf, die es in diesem Ausmaß – solange ich mich erinnern kann – so noch nie gegeben hat. Tausende, darunter mir sonst selbst als besonnen bekannte Personen riefen auf einmal zur Selbstjustiz auf. Selbst sadistische Gewaltphantasien waren an der Tagesordnung.Wie aufgeheizt die Stimmung war, bemerkte ich, dass ich bei nur wenigen Lesern auf Verständnis stieß, als ich Besonnenheit und Verzicht auf Selbstjustiz oder Aufrufe dazu anmahnte.

Natürlich hat es solche Tendenzen zu brutaler Selbstjustiz immer in der Folge schlimmer Kriminalfälle gegeben. Aber auch wenn man in Rechnung stellt, dass diese sich nun durch die sozialen Netzwerke schneller und erfolgreicher verbreiten, muss man doch sagen: dieses Ausmaß gab es bislang noch nicht!

Immer wieder wurde im Zusammenhang mit den Aufforderungen zur Selbstjustiz das Versagen der eigentlichen Justiz angemahnt, sehr häufig auch mit einem Hinweis auf den in Deutschland offensichtlich nicht mehr vorhandene Gerechtigkeitssinn und die „Blindheit“ der Justiz, wenn es darum geht, dass vor dem Gesetz alle gleich zu behandeln sind.

Dabei kam immer wieder der Hinweis darauf, dass Asylbewerber auch nach schweren Sexualdelikten recht schnell wieder auf freien Fuß gesetzt werden, während man zum Beispiel Menschen, die sich hartnäckig weigern, ihre Zwangsrundfunkgebüren zu bezahlen, erbarmungslos verhaftet und ins Gefängnis steckt.

Nun gibt es erneut einen Fall, der das ohnehin schon kräftig lädierte Vertrauen in unsere Justiz weiter schwächen wird.

Vergangenen Freitag war es in den frühen Morgenstunden an der S-Bahnhaltestelle Dresden Zschachwitz zu einer unfassbaren Gewalttat gekommen: Zwei Asylbewerber aus Marokko (23) und Libyen (27) hatten einen vierzigjährigen Mann aus Dresden um Feuer für ihre Zigaretten gebeten. Der hatte es eilig, weil er pünktlich zur Arbeit musste und konnte so den beiden kein feuer geben.

Daraufhin entrissen sie ihm sein Fahrrad, warfen es auf ihn – sodass er vom Bahnsteig auf die Gleise stürzte. Obwohl die S-Bahn bereits am Einfahren war, hinderte einer der beiden Asylbewerber den Mann mit Fußtritten wieder aus dem Gleisbett zu kommen.

Allein der schnellen Reaktion des Lokführers, der sofort notbremste, ist es zu verdanken, dass der Mann nur leicht verletzt und nicht getötet wurde.

Die Täter flohen zunächst, aber wurden schnell von der Polizei , bei der sie bereits bekannt waren, geschnappt.

Noch am selben Tag ließ der Staatsanwaltdie beiden brutalen Täter wieder laufen. Schließlich handelte es sich „nur“ um „gefährlicher Körperverletzung und einen „gefährlichen Eingriff in den Bahnverkehr“.

Wer kann dem bekannten Dresdner Politiker und Juristen Dr. Maximilian Krah verübeln, wenn er da auf Twitter scheibt:

Auch wenn mir jede Selbstjustiz nach wie vor fremd ist, kann ich inzwischen die Menschen besser verstehen, die in ihrer Verzweiflung keinen anderen Weg mehr wissen als danach zu rufen.

Nach den Medien („4. Gewalt“) und der Politik wankt nun eine weitere Säule unseres Rechtsstaates (Justiz) ganz gewaltig.

Wie lange kann so etwas noch gut gehen?

Update 21.03.2017, 17:20

krah täter sbahn