Gastbeitrag von Peter Helmes (conservo)

Vorbemerkung des Philosophia-Perennis-Machers: Als ich Peter Helmes anfragte, ob ich den Brief, den er mir am Silvesterabend zugeschickt hatte, auch öffentlich machen darf, hat er mir sofort zugesagt. Er schreibt: „Reden wir mehr miteinander statt gegeneinander!

„Oder deutlicher: Auch ein homosexueller Konservativer ist ein Konservativer!“

Und weiter: „Ich sehe jetzt zwar die Gänsehaut bei meinen konservativen Freunden, aber das sollten sie endlich verstehen. Meine Öffnung Ihrer Art gegenüber verdanke ich Ihnen, lieber Herr Dr. Berger! Sie haben mich bei  diesem Thema zum ersten Mal zum gründlichen Nachdenken gebracht. Davor standen nur meine „gesunden“ Vorurteile. Selbst wenn ich einige konservative Freunde jetzt verprelle: Sie können diese meine Meinung gerne veröffentlichen. Mein Weg dazu war schwierig – aber jetzt finde ich ihn richtig!“

Das mutige wie kluge Statement Helmes ist ein besonders schönes Beispiel für eine jüngere Entwicklung, in der die neuen Männer, die neben vielen weiteren Eigenschaften, politischen Ausrichtungen und verschiedensten Berufen, eben auch homosexuell sind, und Konservative, die sich – im Unterschied zu den Linksgrünen – verstärkt für die Überlebenswünsche schwuler Männer angesichts der Islamisierung stark machen. Deshalb läuft sein Beitrag auch unter „Mann des Monats“. (David Berger)

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Lieber Herr Dr. Berger,

Ihre beste Entscheidung – das schreiben Sie ja selbst in Ihrem Jahresrückblick – war es, raus aus der Ecke der Homos zu kommen und völlig normal aufzutreten. Das hat auch mich bewogen, einmal gründlicher über meine „Betonhaltung“ nachzudenken.

Und außerdem habe ich gute Menge Gründe, meine Reserven gegen „die Warmen“ – wie das in meiner Jugendzeit noch hieß – zurückzunehmen.

Ich war dreimal in meinem Leben in einer existenziell äußerst schwierigen Situation. Jedesmal hat mir ein Homosexueller – unabhängig voneinander – geholfen, die Krise zu überwinden. Niemand von ihnen hatte zuvor gefragt, ob auch ich „Homo“ sei. Diese Erfahrung hat mir geholfen, meine sehr konservative Erziehung zu überwinden.

Ich schreibe Ihnen, Herr Berger, das ganz offen, weil ich glaube, daß auch Sie ihre Vorurteile überwunden haben. Danke.

Als erzkatholisch erzogener Konservativer hatte ich immer eine Abneigung gegen alles Homosexuelle. Das werde ich in meinem Alter wohl kaum noch ändern, aber ich werde jetzt damit leben können. Deshalb habe ich bis vor Kurzem Ihre (brillanten) Artikel (Bergers) nie zur Kenntnis genommen (sie aber heimlich bewundert).

Aber inzwischen habe ich gelernt, zwei Dinge zu unterscheiden: Die Person von der Sache.

Sie, lieber Herr Dr. Berger, machen inzwischen keinen Kult mehr um ihre Homosexualität, sondern stützen sich ausschließlich auf Ihre Arbeit. Diese aber, das haben Sie ja auch erwähnt, verdient besondere Beachtung.

Ich bin wirklich mit „gekräuselten Nackenhaaren“ an die Personalie Berger herangegangen. Doch irgendwann siegte mein Verstand über mein Gefühl. Sie, Herr Dr. Berger, sind eine absolute, konservative Ausnahmepersönlichkeit. Ohne eine Spur von Neid darf ich gestehen, daß Ihre Beiträge zu den Besten unserer „politischen Ecke“ gehören. Da soll noch einer sagen, „der Geist steht links“!

Vor einigen Wochen habe ich mich deshalb „überwunden“, Sie, Herr Dr. Berger, um „gelegentliche“ Übernahme Ihrer Beiträge für „conservo“ zu bitten. Ihre Antwort kennzeichnet wohl am besten Ihren Charakter: „Ich lese conservo regelmäßig. Sie können jederzeit meine Artikel übernehmen…“ In einer Branche, in der der eine dem anderen das tägliche Brot nicht gönnt, eine bemerkenswerte Einstellung!

Meine wordpress-Statistik meldet mir täglich, wie viele mich (conservo) besuchen und vor allem, woher die Besucher kommen. Und da steht Ihre „philosophia-perennsis“ inzwischen an der Spitze!

Fazit: Wir Konservativen müssen unsere Kräfte bündeln, um etwas erreichen zu können. Deshalb braucht niemand von uns seine schriftstellerische oder persönliche Identität aufzugeben. „Nur gemeinsam werden wir es schaffen…“ (Rainer Candidus Barzel).

Ein herzliches Glückauf auch im neuen Jahr
wünscht Ihnen und Ihrem Mann
Ihr Peter Helmes

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Foto: Gegen einen echten Dialog – Bei den Gegendemonstrationen zum Besuch Papst Benedikts XVI. 2011 in Berlin waren Homosexuelle ganz vorne mit dabei. Die Finanzierung der Proteste kam v.a. aus homosexuellen Kreisen (c) dielinke-sachsen (flickr) [CC BY 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)%5D, via Wikimedia Commons

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Zum Autor des Briefes: Peter Helmes ist eine über die Grenzen des Rheinlandes hinaus bekannte Persönlichkeit der katholischen Welt. Er war 40 Jahre ehrenamtlich und 25 Jahre hauptberuflich in der Politik auf Landes-, Bundes- und internationaler Ebene tätig. Er ist ein katholischer, sehr fröhlicher Rheinländer, arbeitet seit 19 Jahren als selbständiger Politikberater und war 21  J. freiberuflicher Universitäts-Dozent (Lobbying, Medien).

Er ist Publizist von bisher 36 Büchern und Broschüren, die hohe Auflagen erreichten, und veröffentlicht regelmäßig „Konservative Kommentare“ auf verschiedenen Internet-Foren. Vor allem: Er ist auch Europäer, für ein Europa der Vaterländer – auf christlich-abendländischem Fundament. Helmes war auch Mitbegründer (neben Franz Josef Strauß, Gerhard Löwenthal, Joachim Siegerist u.a., 1980)  der Deutschen Konservativen e.V., Hamburg. Er publiziert derzeit viel Tagesaktuelles und die dazu gehörigen Hintergründe auf seinem  ⇒ Blog CONSERVO.