Papst Pius XII.: Hitlers Papst?

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(David Berger) Das heute in deutscher Sprache erscheinende Buch von Johan Ickx ist eine Sensation! Es liegt inzwischen in zwölf Sprachen vor, und weitere Übersetzungen sind in Vorbereitung. Ickx widerlegt die Irreführungen, die sich seit sechs Jahrzehnten in den Köpfen vieler Menschen festsetzen konnte: Pius XII. sei ein Vasall Hitlers gewesen, den das Schicksal der Juden nicht interessiert habe.

Mit seinem Buch „Pius XII. und die Juden – Das Büro des Papstes“ legt Johan Ickx eine ebenso umfangreiche wie brisante und brillante Studie vor, die sich einem der umstrittensten Kapitel der Kirchengeschichte widmet: der Rolle von Papst Pius XII. während des Zweiten Weltkriegs und insbesondere im Angesicht der Judenverfolgung durch das NS-Regime.

Ickx, langjähriger Mitarbeiter im vatikanischen Staatssekretariat, stützt sich auf bislang kaum ausgewertete Archivbestände – insbesondere aus dem sogenannten „Büro“, einer internen Stelle, die sich mit Hilfsgesuchen aus ganz Europa befasste. Der Vatikan war weltweit der einzige Staat, der eigens ein Büro zur Rettung von Juden eingerichtet hatte, in welchem akribisch jeder Hilferuf und jeder Bericht über Judendeportation und Vernichtungslager untersucht wurde.

Im Zentrum steht dabei weniger eine klassische Biografie des Papstes als vielmehr eine detailreiche Rekonstruktion konkreter Einzelschicksale: Hunderte, ja Tausende von Bittbriefen, die verzweifelte Menschen an den Vatikan richteten, werden sichtbar gemacht. Der Autor zeigt, wie kirchliche Netzwerke, diplomatische Kanäle und persönliche Interventionen genutzt wurden, um Verfolgten zu helfen. Die erst seit 2020 der Öffentlichkeit zugänglichen Dokumente des Vatikanischen Archives belegen aber zudem die zahlreichen Proteste des Papstes gegenüber den Diplomatischen Vertretungen der jeweiligen Staaten, Interventionen bei deren zuständigen Ministern sowie Beschwerden bei Regierungschefs.

Möglichst vielen Menschen helfen

Ickx tritt geistreich und überzeugend der seit Jahrzehnten geführten Kritik entgegen, Pius XII. habe angesichts des Holocaust geschwiegen oder zu zögerlich gehandelt. Stattdessen zeichnet er das Bild eines Papstes, der im Verborgenen agierte, um größere Schäden zu vermeiden und möglichst vielen Menschen konkret zu helfen. Diese „Diplomatie der Stille“ ist alles andere als moralisches Versagen, sondern bewusste Strategie.

Besonders eindrücklich sind die zahlreichen dokumentierten Fälle, in denen Interventionen aus dem Vatikan tatsächlich Leben retteten. Ickx kann zeigen, dass die Kirche – anders als oft behauptet – keineswegs untätig gewesen sei, sondern im Rahmen ihrer Möglichkeiten gehandelt habe. Gerade die minutiöse Archivarbeit verleiht dieser Argumentation Gewicht: Das Buch ist reich an Namen, Daten und Abläufen, die die abstrakte Debatte mit Leben füllen und die Lektüre spannend machen.

Pastor Angelicus

Ickx gewährt uns anhand des historischen Materials einen spannenden Einblick in das Innerste des Vatikans und belegt auf eindrückliche Weise die verdienten Forschungen Michael Feldkamps im deutschen Sprachraum: „Das hattest Du doch längst auch schon herausgefunden!“ wendet ein Fan von Feldkamp ein, der ihm entgegnet: „Ja! Aber jetzt haben wir tausende Belege…“ Feldkamp ist es auch, der das Buch übersetzt hat. Ein Muss für alle, die sich für diesen großen Papst und die Rolle der katholischen Kirche im Nationalsozialismus interessieren und das das ungerechte und falsche Bild, das viele noch immer von Papst Pius XII., den man nicht zu Unrecht den Pastor Angelicus (engelgleichen Hirten) nannte, verändern wird.

Das Büro des Papstes: Pius XII. und die Juden (Propyläen des christlichen Abendlandes) Taschenbuch – 26. März 2026, 412 Seiten, ISBN-10: ‎3864171946 von Johan Ickx (Autor), Michael F. Feldkamp (Übersetzer).


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