Neues Vatikan-Dokument: Klare Absage an Trans- und Posthumanismus

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Mit einem Grundsatzpapier unter dem Titel „Quo vadis humanitas?“ hat der Vatikan deutliche Grenzen gegenüber Zukunftsvisionen gezogen. die die Würde der menschlichen Person gefährden. Das am Mittwoch in Rom veröffentlichte Dokument erklärt zentrale Ideen des Transhumanismus und Posthumanismus für „unvereinbar mit dem christlichen Glauben“ bzw. dem Menschenbild des Naturrechts. Gebilligt wurde der Text von Papst Leo XIV..

Erarbeitet wurde das Papier von acht Mitgliedern der Internationalen Theologenkommission, die das vatikanische Glaubensdikasterium berät. Auch wenn es noch nicht Teil des verbindlichen Lehramts ist, gelten Texte der Kommission häufig als theologische Wegmarken für spätere offizielle Stellungnahmen.

Technik als Heilsversprechen?

Die Autoren beobachten, dass die Idee einer technischen Selbstüberwindung des Menschen „derzeit in der Gesellschaft sehr einflussreich“ sei. Sie unterscheiden zwischen einem „optimistischen Transhumanismus“, der eine „Perfektionierung des Menschen“ anstrebe, und einem „eher pessimistischen“ Posthumanismus. Letzterer vertrete die Auffassung, „die Menschheit werde bald eine überholte Gattung sein“, an deren Stelle „technische Geschöpfe oder eine alles regierende Künstliche Intelligenz“ träten.

Beiden Strömungen sei gemeinsam, dass sie „Widersprüche und Begrenztheiten der menschlichen Existenz nicht akzeptieren“. Während Transhumanisten versuchten, diese Grenzen „auf technologisch-medizinischem Weg zu überwinden“, verabsolutiere der Posthumanismus „die Mängel des Menschseins“ und erkläre die Menschheit deshalb für überholt.

Demgegenüber strebe das christliche Denken „eine Synthese der tiefen Spannungen“ an, die das menschliche Leben prägten. Diese würden „nicht technisch überwunden oder ersetzt“, sondern seien „im Sterben und in der Auferstehung Jesu aufgehoben“.

Warnung vor „Allgemeiner Künstlicher Intelligenz“

Das Dokument enthält zudem Warnungen vor den Gefahren sozialer Netzwerke sowie vor einer möglichen „Allgemeinen Künstlichen Intelligenz“, die nach „Kontrolle der Menschheit“ streben könnte. Technischer Fortschritt dürfe nicht dazu führen, dass der Mensch seine Verantwortung und Freiheit aus der Hand gebe.

Besonders deutlich wird die Kommission beim Thema körperliche Optimierung. Kritisiert wird die Vorstellung, der menschliche Körper sei ein „biologisches Material, das man potenzieren, transformieren und nach Belieben umbauen will, verbunden mit dem Traum, Schmerz, Altern und Tod zu vermeiden“.

Dieser Vision stehe die christliche Überzeugung entgegen, „dass der Mensch seine leibliche Existenz als Geschenk und als Berufung empfängt“. Der Körper sei nicht Rohstoff, sondern Ausdruck personaler Würde.

Deutliche Worte zur Geschlechtsidentität

Auch zur Gender-Debatte äußert sich das Papier klar. „Die derzeitige Tendenz, den natürlichen Unterschied der Geschlechter zu negieren oder zu übergehen und ihn durch jede vom menschlichen Verstand ausdenkbare Möglichkeit zu ersetzen, wird zu einer gefährlichen Weise, die reale körperliche Identität auszulöschen“, heißt es wörtlich.

In der heutigen Kultur sei es „eine der größten Herausforderungen, den eigenen Körper in seiner Geschlechtlichkeit anzunehmen und ihn als Geschenk anzusehen – und nicht als ein Gefängnis, das mich daran hindert, ich selbst zu sein, oder als biologisches Material, das man verändern sollte“.

Mit „Quo vadis humanitas?“ positioniert sich der Vatikan damit deutlich gegen technologische Heilsversprechen, die eine radikale Neudefinition des Menschen anstreben. Statt Selbstoptimierung um jeden Preis betont das Dokument die Annahme menschlicher Endlichkeit – und versteht gerade darin den Kern christlicher Hoffnung. Wieder einmal zeigt sich der Vatikan mit seinem Plädoyer für das christliche Menschenbild und das Naturrecht als Kämpfer für die Würde der menschlichen Person.

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