Wie grün-rote Apokalyptik den Infrastruktur-Terror vorbereitet. Gastbeitrag von Frank-Christian Hansel.
Der Anschlag auf die Berliner Stromversorgung war kein Betriebsunfall, keine bloße Randerscheinung und erst recht kein politisch neutrales Ereignis. Er war ein Menetekel. Wer ihn ausschließlich als sicherheitstechnisches Problem behandelt, verfehlt seine eigentliche Bedeutung. Denn solche Taten entstehen nicht im luftleeren Raum. Sie sind das Endprodukt einer Ideologisierung, die seit Jahren von Teilen der politischen Klasse befördert wird – vor allem im grün-linken Milieu.
Dabei geht es ausdrücklich nicht um strafrechtliche Schuldzuweisungen. Niemand behauptet, Grüne oder Linkspartei hätten diesen Anschlag geplant oder gebilligt. Aber Politik ist mehr als Täterschaft. Politik erzeugt Deutungsrahmen, moralische Legitimationen, Sprachmuster – kurz: ein geistiges Klima. Und genau dieses Klima ist es, in dem aus Aktivismus Fanatismus und aus Fanatismus Sabotage wird.
Der Angriff zielte nicht auf Symbole, sondern auf Versorgung. Auf Strom, Wärme, Kommunikation, Alltagssicherheit. Wer kritische Infrastruktur angreift, greift nicht „den Staat“ im Abstrakten an, sondern Millionen Bürger ganz konkret: Familien, Pflegebedürftige, Betriebe, Krankenhäuser, ganze Stadtteile. Infrastruktur-Terror ist deshalb die radikalste Form der Politikverachtung. Er trifft nicht Entscheidungsträger, sondern die Abhängigkeiten moderner Gesellschaften.
Dass genau diese Form der Eskalation nun sichtbar wird, ist kein Zufall. Infrastruktur ist das Nervensystem der Moderne. Wer die Moderne selbst zum Feind erklärt, landet zwangsläufig dort. Kabel statt Kanzleien. Netze statt Parlamente. Es ist die Logik einer Ideologie, die Politik nicht mehr als Aushandlung begreift, sondern als Kampf gegen ein als illegitim erklärtes System.
Der entscheidende Hintergrund ist die seit Jahren betriebene Apokalyptisierung der Klimafrage. Wo Politik nicht mehr mit Zielkonflikten, Kosten, Technologien und Abwägungen operiert, sondern mit Untergangsszenarien, entsteht ein permanenter Ausnahmezustand. Und Ausnahmezustände suspendieren Normen.
Wer täglich erklärt, „uns bleiben nur noch wenige Jahre“, oder, „der Kipppunkt ist längst überschritten“, und damit ein moralisches Endgericht inszeniert, darf sich nicht wundern, wenn Einzelne zu dem Schluss kommen, dass nun jedes Mittel erlaubt sei. In dieser Logik wird Sabotage zur „Notwehr“. Gewalt erscheint nicht als Verbrechen, sondern als moralische Pflicht.
Besonders perfide ist dabei die Verschiebung von personaler zu struktureller Gewalt. Man greift nicht Menschen an, sondern „Strukturen“. Nicht Bürger, sondern „Netze“. Nicht Leben, sondern „Systeme“. Diese technokratische Sprache dient der Entlastung des Gewissens. Sie ist das moderne Pendant zur alten Terrorlogik: keine Opfer, nur Ziele.
Bezeichnend ist der politische Reflex nach der Tat. Statt eine offene Debatte über linke Radikalisierung, über ideologische Anschlussfähigkeit, über Verantwortung von Sprache und Narrativen zu führen, setzte sofort das bekannte Muster ein: Abwehr, Relativierung, Umdeutung: „Das ist nicht links“, „Das hat mit uns nichts zu tun“, „Man darf jetzt nicht über die Täter sprechen.“
Diese Argumentationsfigur ist keine Verteidigung, sie ist eine Selbstimmunisierung. Sie folgt einem simplen, aber gefährlichen Denkmuster: Was zu meinem Lager gehört, ist per Definition gut. Was schlecht ist, kann nicht zu meinem Lager gehören. Dieses Denken verhindert Selbstkritik – und genau deshalb begünstigt es Wiederholung.
In anderen politischen Zusammenhängen wird der Begriff des „Nährbodens“ bereitwillig verwendet. Hier soll er plötzlich illegitim sein. Dieser Doppelstandard ist nicht nur analytisch unredlich, er ist politisch verantwortungslos.
Der Begriff „Klima-(G)RAF“, Grün-Rote Armee-Fraktion, ist keine Gleichsetzung, sondern eine Warnung. Er beschreibt keine identische Organisation, sondern eine Eskalationslogik. Auch die rote RAF der 1970er Jahre entstand nicht über Nacht. Ihr voraus gingen intellektuelle Rechtfertigungen, moralische Überhöhungen, eine zunehmende Entfremdung vom demokratischen Prozess. Gewalt wurde nicht als Bruch, sondern als Konsequenz empfunden.
Heute sehen wir eine neue Konstellation: grüne apokalyptische Klimarhetorik, radikale Modernitätskritik, Delegitimierung parlamentarischer Verfahren. Der Übergang von Blockaden zu Sabotage ist dabei keine qualitative Zäsur, sondern eine logische Steigerung. Wer glaubt, das System sei illegitim und stehe kurz vor dem Kollaps, wird sich irgendwann nicht mehr mit symbolischem Protest begnügen.
Lange wurde jede Form des Regelbruchs unter dem Etikett des „zivilen Ungehorsams“ moralisch aufgewertet. Doch ziviler Ungehorsam setzt Öffentlichkeit, Verantwortungsübernahme und Begrenzung voraus. Wer anonym agiert, kritische Infrastruktur zerstört und das Leid Unbeteiligter in Kauf nimmt, verlässt diesen Rahmen. Dann geht es nicht mehr um Protest, sondern um Erpressung.
Diese Grenze systematisch zu verwischen, war ein zentraler Fehler der letzten Jahre. Er hat dazu beigetragen, dass sich radikale Akteure als Vollstrecker eines vermeintlich höheren Auftrags verstehen konnten.
Das eigentliche Versagen liegt nicht nur in Sicherheitslücken, sondern in der Weigerung, diese Zusammenhänge zu benennen. Wer nach einem Angriff auf kritische Infrastruktur zuerst an Kommunikationsstrategien denkt und nicht an politische Ursachenanalyse, zeigt, dass ihm Deutungshoheit wichtiger ist als Ordnung. Eine demokratische Gesellschaft lebt davon, dass Konflikte politisch, nicht apokalyptisch geführt werden. Sie lebt von Sprache, die differenziert statt dämonisiert. Von Politikern, die Verantwortung übernehmen – auch für die Nebenwirkungen ihrer eigenen Rhetorik.
Wer weitere Eskalation verhindern will, muss den ideologischen Resonanzraum austrocknen:
Schluss mit Endzeitnarrativen als Regierungsstil und mit der Verharmlosung grün-linken Extremismus als Aktivismus mit Übertreibung.
Schluss mit dem Doppelstandard in der Bewertung politischer Gewalt.
Die Klima-GRAF beginnt nicht mit Sprengstoff. Sie beginnt mit Sprache, die die Welt zum Feind erklärt. Wer das nach Berlin noch immer nicht sehen will, arbeitet – ob bewusst oder nicht – an der nächsten Eskalationsstufe. Nicht aus Bosheit, sondern aus ideologischer Blindheit.
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Frank-Christian Hansel ist Fachpolitischer Sprecher der AfD im Berliner Abgeordnetenhaus für Wirtschaft, Energie, Klima, Flughafen.
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