Sonntag, 18. Januar 2026

„Schisma in Berlin“: Wird Papst Leo in Deutschland eingreifen?

(David Berger) In der katholischen Welt wächst die Besorgnis über einen möglichen Bruch zwischen der Kirche in Deutschland und dem Heiligen Stuhl in Rom. Im Mittelpunkt dieses Konflikts steht Papst Leo XIV, der eine heikle Situation erben muss, die bereits unter seinem Vorgänger begonnen hat.

Unter der Aufsehen erregenden Schlagzeile „Scisma a Berlino“ (Schisma in Berlin) spricht Nico Spuntoni in Il Giornale eines der brennendsten Probleme an, die Papst Leo von seinem Vorgänger übernommen hat: ein sich abzeichnender Verrat der deutschen Kirchernsteuer-Institution gegenüber dem Papst, dem Zentrum der Kirche, von Rom. Die Zeitung konstatiert einen fatalen „Prozess der Protestantisierung“ der katholischen Kirche in Deutschland, der man auch als einen der Gleichschaltung mit den politisch Mächtigen bzw. dem linken Regime des Landes bezeichnen könnte. Ein Prozess, der unter dem unerträglichen Pontifikat von Papst Franziskus enorm Fahrt aufgenommen hat.

Ein Pseudo-Lehramt der Laien

Die Spannungen drehen sich vor allem um eine Institutionalisierung des Synodalen Wegs (Synodale Versammlung) in Deutschland. Dieses Gremium soll – anders als eine traditionelle Diözesankonferenz – Laien dieselbe Entscheidungsbefugnis wie Bischöfen geben. Laut Spuntoni würde die neue Struktur sogar die Verwaltung der finanziellen Ressourcen der reichen deutschen Kirche übernehmen. Aber auch gegen die katholische Lehre gerichtete Neuerungen (Frauenpriesterweihe) will man über diese Institution den Katholiken Deutschlands aufzwingen. Gerade die jüngeren Menschen, die seit geraumer Zeit die katholische Kirche neu entdecken, wollen von solchen Verwässerungen der katholischen Identität nichts wissen.

Ein wesentlicher Kritikpunkt aus Rom ist, dass bestimmte Themen wie die Einführung des Diakonats für Frauen, der Umgang mit dem priesterlichen Zölibat oder Entscheidungen über die kirchliche Lehre nicht von einer lokalen Kirche, zumal nicht von einer, die sich so weit von katholischen Ideale3n entfernt hat, entschieden werden dürfen, sondern die universale Autorität des Papstes betreffen.

Einblick in interne Spannungen

Das Verhältnis zwischen deutschen Bischöfen und der Kurie gilt als angespannt. Spuntoni zitiert eine unveröffentlichte Briefstelle von Papst Benedikt XVI, in der dieser seine „große Besorgnis“ über den deutschen synodalen Weg äußerte. Der damalige Kardinal Reinhard Marx soll darauf nicht reagiert haben, heißt es im Artikel.

Auch im jüngsten Konsistorium in Rom habe sich dieser Konflikt bemerkbar gemacht: Kardinal Marx habe dort öffentlich den Wunsch geäußert, bald den Diakonat für Frauen einzuführen – ein Thema, das viele in der Kurie als Bruch mit der traditionellen Kirchenlehre sehen.

Das Risiko eines Schismas

Aus Sicht des Vatikans ist der Konflikt nicht nur ein deutscher Streit um Reformen, sondern eine Herausforderung für die kirchliche Einheit weltweit. Spuntoni führt an, dass im Konzistorium „immer dem Bischof von Rom zufällt, gegebenenfalls den synodalen Prozess zu suspendieren“.

Wenn Papst Leone XIV den Vorstoß der deutschen Kirche nicht in den Griff bekommt, könnte dies in eine breitere Spaltung (Schisma) der Kirche münden – nicht nur in Deutschland, sondern als Beispiel für andere Regionen, argumentiert der Artikel.

Papst Leo XIV. hat sich nun am Freitag mit dem Apostolischen Nuntius in Deutschland, Erzbischof Nikola Eterović getroffen. Es sei „unvermeidlich“, dass das Treffen des Papstes mit seinem Nuntius in Deutschland „von der bevorstehenden Abstimmung der Deutschen Bischofskonferenz über die Statuten der Synodalversammlung dominiert“ wurde, so Il Giornale.


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David Berger
David Bergerhttps://philosophia-perennis.com/
David Berger (Jg. 1968) war nach Promotion (Dr. phil.) und Habilitation (Dr. theol.) viele Jahre Professor im Vatikan. 2010 Outing: Es erscheint das zum Bestseller werdende Buch "Der heilige Schein". Anschließend zwei Jahre Chefredakteur eines Gay-Magazins, Rauswurf wegen zu offener Islamkritik. Seit 2016 Blogger (philosophia-perennis) und freier Journalist (u.a. für die Die Zeit, Junge Freiheit, The European).

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