Appeasement oder Selbstverteidigung: Notwendiger Debattenbeitrag zu christlicher Friedensethik

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Christen müssen Pazifisten sein! Müssen Christen Pazifisten sein? Der Politikwissenschaftler Dr. Christoph Rohde wirft in seiner Neuerscheinung „Das Kreuz und der Krieg“ einen spannenden Blick auf das christliche Verständnis von Krieg, Frieden und Selbstverteidigung – und kommt dabei zu ganz anderen Ergebnissen, als es der durchschnittliche Kirchentagsbesucher täte…

In Zeiten einer zunehmenden Moralisierung der Politik und einer Politisierung von Religionen ist es notwendig, die Ursachen dieser für die Demokratie brandgefährlichen Entwicklungen zu analysieren. Christoph Rohde, Vertreter eines realistischen Ansatzes in der internationalen Politik und bekennender Christ, hat sich dieser Aufgabe gestellt. In seinem Buch Das Kreuz und der Krieg formuliert er Prämissen einer katholischen Friedensethik, die nicht einfach idealistische Ziele enthalten, sondern auf einem biblischen Weltbild beruhen.

Unter Bezugnahme auf Luthers Zwei-Reiche-Lehre und die aus der katholischen Tradition stammende Theorie des gerechten Krieges zeigt Rohde, dass die legitimierte Ordnungsmacht des Staates mit dem verbundenen Gewaltmonopol ein notwendiges Erfordernis im gesellschaftlichen Miteinander ist; für private Zwecke ist die Anwendung von Gewalt für Christen bis auf einen ganz engen Begriff der Selbstverteidigung auszuschließen. Für christliche Moralisten ist die pazifistische Einstellung die conditio sine qua non der Christusnachfolge. Der Verfasser zeigt hingegen, dass selbst Christus den Einsatz von Gewalt, exekutiert durch eine staatliche Ordnungsmacht zur inneren und/oder äußeren Befriedung, akzeptiert.

Mangel an Realismus

Aber auch gesellschaftspolitisch erweist sich der Mangel an Realismus als fatal, wie Rohde unter Bezugnahme auf Thilo Sarrazins Werk Der neue Tugendterror aus dem Jahre 2014 aufzeigt.

Der ehemalige Berliner Finanzsenator kritisiert die Abgehobenheit einer materiell abgesicherten politmedialen Elite, die kein Gespür für die Bedürfnisse der Bevölkerung hat, von der sie über Steuern finanziert wird. Eine elitäre zivilreligiöse Ethik führt in den Bereichen der Flüchtlingspolitik, der Klimapolitik oder des Gendermainstreaming zu hohen Belastungen für Menschen, die oft das Gefühl haben, dass ihre Bedürfnisse nach innerer Sicherheit, vernünftiger Infrastruktur und guter Bildung nicht ernstgenommen werden. Ideologische Absurditäten bestimmen weithin das Denken und Handeln einer moralisch entkernten Gesellschaft, die ihre christlich-abendländischen Wurzeln nicht nur vergessen hat, sondern diese regelrecht verachtet.

Individuelle Freiheiten und bürgerliche Tugenden

Das Buch kommt zu dem Schluss, dass diese Gesellschaft nur dann stabil und demokratisch bleiben kann, wenn individuelle Freiheiten und bürgerliche Tugenden eine Renaissance erfahren. Dabei spielen die Werte des katholischen, an der Bibel und nicht am Zeitgeist orientierten Glaubens eine zentrale Rolle. Rohde fordert von den Kirchen, die Botschaft des Christentums offensiv zu vertreten, ohne permanente Zugeständnisse an einen beliebigen, wenn nicht sogar nihilistischen Zeitgeist zu machen. Er zeigt des Weiteren, dass die katholische Kirche, die in Deutschland mit Selbstzweifeln kämpft, weltweit weiter der geistlich einflussreichste Akteur auf dem Globus ist. In seiner Rolle als politischer Akteur ist der Papst als Inhaber des Heiligen Stuhls häufig ein gefragter, weil glaubwürdiger und unparteiischer Vermittler in Friedensprozessen. Auch katholische Laienorganisation, angeführt von mutigen Persönlichkeiten, haben Erfahrung in der erfolgreichen Inswerksetzung von Friedensprozessen. Wer den Mut hat, von einfachen moralistischen Wahrheiten Abschied zu nehmen und sich manchmal rauen Wirklichkeiten zu nähern, dem ist dieses Buch wärmstens zu empfehlen.

Dr. Christoph Rohde: Das Kreuz und der Krieg – Prämissen einer realistischen katholischen Friedensethik. Lepanto-Verlag, 368 Seite, 18,50 Euro. HIER BESTELLEN.

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