(David Berger) Kardinal Joachim Meisner ist tot. Der weltweit hoch angesehene Kardinal ist im Alter von 83 Jahren während seines Urlaubs in Bad Füssing vergangene Nacht „friedlich eingeschlafen“.

Der Kardinal, der bei der Wahl Josef Ratzingers zum Papst eine Schlüsselrolle gespielt haben soll, war von 1980 bis 1989 Erzbischof von Berlin, von 1989 bis 2014 von Köln.

Meisner war einer der letzten streitbaren katholischen Kirchenfürsten Deutschlands.

Er scheute sich nicht auch an der gemerkelten Union harte Kritik zu üben. Mit seinem intransigenten Eintreten für die katholische Glaubens- und Sittenlehre, aufgrund dessen auch der Verfasser dieser Zeilen, die Konsequenzen tragen musste, machte er sich viele harte Gegner.

Ich kannte Meisner persönlich, zu Lobhudelei habe ich aber keinen Anlass. Was zwischen uns war, wird angesichts des gigantischen Lebenswerks dieses Mannes und seines Eingehens in die Ewigkeit belanglos:

Geradlinigkeit, Konsequenz, die immer den humanen Rahmen wahrte, tiefe Frömmigkeit und ein festes Stehen im Glauben, das ihn zuletzt dazu brachte, auch Papst Franziskus zu kritisieren, zeichneten ihn aus. Gepaart waren sie mit einem taktvollen wie freundlichen Umgang mit den ihm Anvertrauten.

Mit den Beinen stand er fest auf dem Boden, aber seine Augen waren stets auch immer auf das Göttliche, Übernatürliche ausgerichtet. Was er unerschütterlich glaubte, darf er nun mit Gewissheit schauen!

Ich verneige mich tief vor dem Verstorbenen: Requiescat in pace! In Paradisum deducant te Angeli!

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Update 05.07.17, 22h: Das „Neue Deutschland“ geht im Nachruf auf den Kardinal auch auf die Unstimmigkeiten zwischen dem Verstorbenen und Papst Franziskus ein:

„So war Meisner vor einem guten halben Jahr erst vom Vatikan bezichtigt worden, eine »Ohrfeige für den Papst« verantworten zu müssen. Gemeinsam mit drei weiteren Kardinälen hatte Meisner zuvor einen Brief an Papst Franziskus verfasst, in dem Teile von dessen Schreiben »Amoris laetitia« in Zweifel gezogen werden. Dabei geht es vor allem um Passagen in dem pontifikalen Papier zur Frage der Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zur Kommunion. Die für Nichtkatholiken schwer verständliche Debatte hat sich inzwischen zu einem Kalten Krieg um die Kirchenlehre entwickelt. Da der Papst den Kardinälen nicht antwortete (und überhaupt eine klare Positionierung vermeidet), machten die Vier ihren Brief öffentlich. Was den Präsidenten des vatikanischen Berufungsgerichts, Pio Vito Pinto, zur Bemerkung veranlasste, Meisner, ein »großer Oberhirte«, habe »mit dieser Aktion einen Schatten auf seine Geschichte gelegt«.

David Berger, der als schwuler Theologe selbst Meisners Unbarmherzigkeit zu spüren bekam, erklärte zu Roms Reaktion, er schäme sich »als Katholik und Theologe für dieses Gebaren, das das treue Festhalten an Kernpunkten der kirchlichen Lehre bestrafen möchte, zutiefst«. Aus Bergers Worten spricht ehrliche Wertschätzung. Bei den jetzt einlaufenden Würdigungen seiner »Glaubensstärke« und »kritischen Stimme« wäre der Verblichene wohl sehr vorsichtig mit einem solchen Urteil.

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