(Alexandra Bader) Der Umgang mit „Einzelfällen“ gleicht einer fein abgestimmten Choreografie: Als ein Mann am Donnerstagabend Passagiere zuerst in einer S-Bahn, dann auf dem Bahnsteig des Düsseldorfer Hauptbahnhofs attackiert, wird ohne Worte auf allen Seiten beschwichtigt.

Zunächst konnte man sich auch um die Herkunft des Täters herumwinden, dann musst „aus dem ehemaligen Jugoslawien“ zu „aus dem Kosovo“ präzisiert werden.

Dafür hatten dann die Opfer daran zu glauben, deren Verletzungen man herunterspielte, obwohl eine verzweifelte Mutter bald Bilder von ihrem im Koma liegenden Sohn auf Facebook postete.

Das mag an sich Geschmackssache sein, in diesem Fall aber hat sie wohl richtig gehandelt, weil die Opfer und ihre Angehörigen nicht auch noch veräppelt werden sollen. Dennoch oder deswegen gab es auch negative Reaktionen auf ihr Posting mit dem „schrecklichen Bild“, so die Soros-affine „Huffington Post“. Man sieht, wie sofort abgelenkt wird, von der schrecklichen Tat zum schrecklichen Bild, das nicht veröffentlicht werden soll. In der Sprache der „Bild“-Zeitung (Springer startete seine Publikationen einst mit CIA-Unterstützung) klingt es so:

„Ein Angreifer schlägt laut Polizei mit einem Beil offenbar wahllos auf Reisende ein. Erst in der S-Bahn, später am Bahnsteig von Gleis 13 und sogar noch in der Bahnhofshalle. Am Boden der Halle ist nach der Attacke eine Blutspur zu sehen.“

Formulierungen wie „wahllos“ suggerieren, dass es auch Gründe geben könnte, Reisende mit einer Axt zu attackieren.

Zunächst ist von mehreren Tätern die Rede, doch die Medien sind wie etwa bei der Amokfahrt in Berlin vor Weihnachten sehr vage und an den Opfern ebenso desinteressiert wie an den Tätern bzw. am Täter.

Springers „Welt“ und andere berichten dann, dass der „Angreifer“ (ein sachlicher nüchterner Begriff) identifiziert worden sei: „Der mutmaßliche Täter, ein 36-Jähriger, wohnhaft in Wuppertal, leide unter psychischen Problemen.“ Wenn man liest, dass die Opfer „zum Teil schwer“ verletzt wurden, kann man sich darunter weg vorstellen, doch ein Video, das Menschen auf dem Boden liegend und überall Blut zeigt, macht es ebenso konkret wie das Foto von Domenico im Spital.

Längst gibt es auch eine Choreografie auf der Gegenseite, bei den Menschen, die sich von Medien, Behörden und Politik getäuscht fühlen und daher nur Ihresgleichen in den sozialen Medien vertrauen.

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