Die links ausgerichtete Homosexuellenbewegung ist inhaltlich und personell am Ende. Der Fall des grünen Homoaktivisten Volker Beck steht exemplarisch für einen großen Paradigmenwechsel in der Homopolitik: Sowohl seine verzweifelten Comeback-Versuche, etwa mit Beschwerdebriefen über eine den homosexuellen Lebenspartnerschaften nicht gerecht werdende Steuersoftware für Elster, als auch sein beharrliches Schweigen zur Gewalt gegen Trans- und Homosexuelle, die von Migranten mit muslimischem Kulturhintergrund ausgeht, stehen für eine homopolitische Epoche, die man endgültig begraben sollte. Alle Versuche, sie künstlich am Leben zu erhalten, erinnern irgendwie an Leichenfledderei und leisten der Akzeptanz homosexueller Menschen in Deutschland einen Bärendienst. Es ist endgültig Zeit, Platz für Neues zu machen. Was kommt nach dem Untergang?

Ausgangslage: Zahlreiche LGBT-Vereine, -Bündnisse und –Aktionsgruppen sind seit vielen Jahren für das Anliegen der Gleichberechtigung homo- und transsexueller Menschen in Deutschland aktiv. Sie haben in den letzten zwei Jahrzehnten viel für die Gleichberechtigung erreicht. Das steht außer Frage und wir haben allen Grund ihnen, allen voran dem eng mit Volker Beck und seiner Partei verbandelten „Lesben- und Schwulenverband Deutschland“ (LSVD), dafür dankbar zu sein.

Aber: Seit gut 10 Jahren hat sich in der sog. LGBT-Community eine ungute Vereinseitigung eingeschlichen. Links-grüne und linkspopulistische Kreise haben sich zunehmend nahezu aller einschlägigen Themen und Anliegen bemächtigt. Dies hat zum einen zu unglücklichen thematischen Verengungen geführt, zum anderen bewirkt, dass sich bürgerliche Homosexuelle, die sich selbst der politischen Mitte zurechnen, aus dem Diskurs verabschiedet und homopolitisch ins Privatleben zurückgezogen haben. Bestätigt konnten sie sich durch die jüngsten Skandale rund um den Grünen-Politiker Volker Beck fühlen, die sozusagen alle Vorurteile konservativer Homokritiker zu bestätigen scheinen: vom päderastisch angehauchten bis hin zum im Drogenrausch sich wilder Polygamie hingebenden Ungeheuer. Dass er jetzt versucht, mit künstlich wirkenden Entrüstungen über Lapalien wieder zum Homohelden aufzusteigen, macht die Sache auch nicht gerade besser. Ganz klar kommt derzeit von bürgerlichen Homosexuellen hier der Ruf: „Er spricht nicht für uns! Bitte steckt uns nicht mit ihm in eine Schublade!“

Hoffnungszeichen: In den letzten Jahren zeichnet sich eine große Unzufriedenheit mit der skizzierten Problemlage gerade bei jüngeren Schwulen und Lesben ab. Sie wollen sich nicht von einer kleinen, aber laut- und finanzstarken „Lobby“ vorschrieben lassen, wie schwules Leben und Homopolitik funktioniert. Die Unterteilung in gute, d.h. linke und böse, d.h. konservative Schwule widerspricht ihren alltäglichen Erfahrungen und sie fühlen sich dadurch von den „Berufshomos“ diskriminiert. Diese Neuausrichtung des Denkens ist Teil eines gesellschaftlichen Wandels, der nicht zuletzt seit den Ereignissen rund um die letzte Silversternacht unausweichlich auf uns zukommt: Die Politiker und Medien, auf die sich die links-grünen LGBT-Aktivisten bislang gestützt haben, verlieren erdrutschartig an Glaubwürdigkeit, während konservative Kreise die Verteidigung von Freiheitsrechten (auch homo- und transsexueller Menschen) zunehmend als neues Anliegen ihres Einsatzes für die Werte Europas entdeckt haben.

Forderung: Aufgrund dieser Erfahrungen ist bei vielen Trans- und Homosexuellen die Erkenntnis gereift, dass wir uns ganz neu inhaltlich und personell aufstellen müssen, um den kommenden Herausforderungen gerecht zu werden. Aufgrund zahlreicher Gespräche habe ich ihre Forderungen hier in einem 10-Punkte-Katalog zusammengefasst:

  • Parteipolitische Ungebundenheit. Trans- und Homosexuelle sind nicht von Natur aus links oder grün. Ein neues LGBT-Bündnis muss das ganze Spektrum demokratisch legitimierter Parteien akzeptieren: LGBTs, die in der CSU gegen die Diskriminierung homosexueller Menschen kämpfen, sind nicht weniger wert als solche, die dies bei den Grünen tun – und umgekehrt. In je mehr Parteien sich Homosexuelle für Gleichberechtigung engagieren, umso leichter werden wir diese Ziele erreichen.
  • Trans- und homosexuelle Identität stärken. Nicht eine politische Ideologie, die mit unserer sexuellen Veranlagung nichts zu tun hat, sondern das Engagement für die Gleichberechtigung von LGBTs muss Maßstab sein. Deshalb wenden wir uns auch mit aller Entschiedenheit gegen eine Auflösung homo- und transsexueller Identität in einen queeren Ideologiebrei, mit dem sich durch die Hintertüre Genderideologie und teilweise antisemitische Tendenzen (etwa bei Judith Butler) in die Homo-Community eingeschlichen haben.
  • Integration statt „queerer Dschihad“. Die Queer-Ideologie hat zum Ausgangspunkt die „Betonung auf der eigenen – von der Heteronormativität abweichenden – Geschlechterrolle“ (Wikipedia). Sie ist dauernd bemüht, sich von der heteronormativen Gesellschaft abzuheben bis hin zu der Vorstellung von einem „queeren Dschihad“ (gefordert vor einigen Monaten im Homo-Magazin „Männer“ ). An die Stelle der Konfrontation setzen wir den Dialog. Uns geht es nicht darum, die Welt zu „verqueeren“, sondern um Integration in eine offene Gesellschaft. Heterosexuelle sind nicht unsere Feinde, sondern Mitstreiter für eine Gesellschaft, in der Menschenwürde und Freiheit der einzelnen Person im Mittelpunkt stehen.
  • Schwule bleiben Männer und Lesben Frauen. Wo Gender-Theorien im Widerspruch zu naturwissenschaftlichen Fakten zur Ideologie mutieren, lehnen wir diese mit aller Entschiedenheit ab. Die Gender-Vorstellung, dass schwule Männer ihr Geschlecht beliebig von Tag zu Tag ändern können, ist implizit homophob. Das undifferenzierte Zusammenwerfen von Anliegen der Genderideologie mit denen des Engagements gegen Diskriminierung von LGBTs gründet auf dem Vorurteil, dass Schwule eigentlich gar keine richtigen Männer sind und sein wollen und man sie nun von dieser Last des Männlichseins befreien müsste, dass es Männer, die Männer lieben, eigentlich gar nicht geben könne bzw. dürfe. Die Gendertheorie, die Geschlechterrollen und somit auch sexuelle Veranlagung weitestgehend von gesellschaftlichen Konstituenten abhängig macht, bietet den ideologischen Boden für abstruse „Homo-Heiler“ oder Gegner der Finanzierung von geschlechtsangleichenden Operationen für Transmen
  • Den Weg der gesunden Mitte wählen. In aller Entschiedenheit wenden wir uns gegen Links- und Rechtsradikalismus, ebenso gegen Rassismus, Fremden- und Frauenfeindlichkeit. Zugleich rufen wir aber dazu auf, dass mit politischen Totschlagworten vorsichtiger umgegangen wird: Zum Beispiel hat eine sachliche Kritik an dem Homo-Hass wichtiger Teile der real existierenden Islamkritik nichts mit Islamophobie, eine Papstkritik nichts mit Katholophobie zu tun und ein schwules CSU-Mitglied ist nicht automatisch ein implizit homophober Neonazi.
  • Nicht jede Kritik an der Homo-Szene und ihren Vertretern ist automatisch homophob. Wir wenden uns ausdrücklich gegen eine Art Homo-Fanatismus. Wenn zum Beispiel die derzeitige Situation Homosexueller in Deutschland mit jener der Schwarzen in Südafrika zu Zeiten der Apartheit verglichen wird, ist der Boden der Realität komplett verlassen und die Anliegen trans- und homosexueller Menschen um Gleichberechtigung werden der Lächerlichkeit preis gegeben, die schwere Situation Schwarzer im Apartheitsregime wird bagatellisiert.
  • Um die kriminelle Hassverbrechen gegen Homosexuelle zu bekämpfen, müssen Ross und Reiter genannt werden. In vielen Medien, aber gerade auch bei Hilfsstellen, die gegen homophobe Gewalt kämpfen, hat sich aus gut gemeinter, aber falsch verstandener politischer Korrektheit die Angewohnheit eingeschlichen, keine genaueren Angaben über die Nationalität und den kulturellen bzw. religiösen Hintergrund der Täter zu machen. Dies schützt die Täter statt die Opfer und verhindert eine Aufklärung konkreter Fälle sowie eine sinnvolle Prävention. Diese Praxis muss sich umgehend ändern.
  • Die Deutsche Aidshilfe muss wieder ihrem Auftrag gerecht werden. Die Deutsche Aidshilfe ist eine jener quasi-homosexuellen Institutionen, die innerhalb der „Community“ die meisten staatlichen Zuschüsse bekommt. Diese sind an deren Auftrag der HIV-Prävention gebunden. Dennoch versteht sie sich zunehmend als ein Verein, der einseitig Partei- und Szenepolitik macht, teilweise fragwürdige Aktionen unterstützt („Wir machen’s ohne [Kondom]“) und andere Präventionsaufgaben dafür vernachlässigt. Wenn in Sachen HIV die Medizin schon soweit fortgeschritten sein sollte, dass die DAH überflüssig ist, sollte sie zugunsten notwendigerer Projekte aufgelöst werden.
  • Die Flüchtlingswelle wird uns in den kommenden Jahren vor ein enormes Problem stellen, gerade was Frauen- und LGBT-Rechte, die Meinungs- und Religionsfreiheit betrifft. Bei allen notwendigen Erste-Hilfe-Aktionen muss eine Integration aller Flüchtlinge in das Wertesystem unserer offenen Gesellschaft rasch, selbstbewusst und mutig vorangetrieben werden. Separate Flüchtlingsheime für Trans- und Homosexuelle, aber auch für christliche Flüchtlinge haben ihre Berechtigung als Notfallmaßnahmen. Sie dürfen aber auf keinen Fall dazu führen, dass neue Ghettos entstehen, sich Schwule, Lesben und Transsexuelle – aber auch Christen und Juden in deutschen Städten wieder verstecken müssen.
  • Die LGBT-Community in Deutschland erleidet seit ihrem Bestehen immer wieder deutliche Schwächungen ihres Engagements durch sog. „Zickenkriege“ oder „Tuntenstreitigkeiten“. Auch gegenwärtig agieren einige wenige Berufs-Homos so, dass sie statt inhaltlicher Auseinandersetzung Kampagnen gegen einzelne Personen initiieren und anfeuern. Dies vergiftet die Atmosphäre in der LGBT-Community Deutschlands so sehr, dass viele den Begriff der Community nur noch in Anführungszeichen benutzen. Wer von der heterosexuellen Gesellschaft Toleranz, ja Akzeptanz fordert, aber gleichzeitig unfähig ist, diese gegenüber anderen Trans- und Homosexuellen aufzubringen, verliert jede Glaubwürdigkeit. Insofern fordern wir ein Mindestmaß an Toleranz, Takt und Höflichkeit in den öffentlichen Äußerungen von allen Trans- und Homosexuellen, nicht nur Mitgliedern der eigenen „Community“, sondern gegenüber allen Menschen.

Anmerkung: Der Verfasser des Textes beobachtet die Schwulenszene seit 25 Jahren und war zwei Jahre Chefredakteur des Printmagazins „Männer“, jetzt leitet er das Online-Magazin „gaystream.info“.