(Michael van Laack) In den vergangenen Tagen bin ich auf verschiedenen Twitter- und Facebook-Profilen über einen interessanten Text gestolpert. Trotz intensiver Netz-Recherche ließ sich der Ursprung und somit der Klarname des Autors nicht ermitteln. Dennoch möchte ich unseren Lesern seine Gedanken nicht vorenthalten in einer Zeit, in der die Apostel des neuen Schuldkults tagtäglich den moralischen Zeigefinger erheben: Rassismus, Islamophobie, Homophobie, Klimaleugnung, Coronaleugnung, Gender-Mainstream.

Uns – die tolerant und zur Freiheit im Denken, Lieben und Leben erzogene Generation alter weißer Frauen und Männer zwischen 40 und 60 – wollen sie darüber belehren, wo wir uns zu verdemütigen und wo uns eines neuen Denkens zu befleißigen hätten; welche überkommenen Sichtweisen und Tradition menschenfeindlich oder zumindest nicht zukunftsfähig seien; wo Schuld auf uns gekommen wäre und in welchen gesellschaftlichen und politischen Fragen wir nicht diskurswürdig seien.

Unsere Generation war und ist, was ihre zu sein vorgibt

Sie – die Generation 16 bis 40 erhebt sich in dieser Zeit mit einigen aus unserer Generation, die sich schon damals, obwohl gleich alt, als unsere Weisheitslehrer gerierten – über uns, um über ein neues Denken den neuen Menschen zu erzeugen, der zu nichts anderem mehr in der Lage ist, als dem Subjektivismus zu frönen, sich von allem und jedem abzugrenzen und seine Intoleranz als einzig wahre Version der Toleranz zu verstehen.

Von den Aposteln des neuen Schuldkults in ihrem Toleranzbegriff bestätigt, helfen Sie mit (oftmals, ohne es zu begreifen), das zu bekämpfen, für das sie sich einzusetzen glauben: Freiheit, Gerechtigkeit, Einheit. Sie beginnen, Freiheit als Dispositionsmasse des Staates zu begreifen, Gerechtigkeit nur noch in rechtspositivistischer Manier aus beschlossenen Gesetzen zu saugen und Einheit als die Pflicht zu definieren, keine Ansicht zu vertreten, die im Gegensatz zur veröffentlichten Meinung der staatlichen Medien oder der Doktrin des Staates und einiger systemrelevanter Institutionen steht.

Nach dieser zugegebenermaßen recht langen Einführung nun der Netzfund, der mich zu diesen Überlegungen veranlasste. Zwar greift der Autor nur ein Thema heraus, doch dies steht beispielhaft für all die anderen, die ich oben erwähnte. Für die Autorenschaft konnte ich lediglich das Kürzel „H. J. A.“ ermitteln.

Unsere Generation war tolerant – Und sie wusste es nicht!

Ihr habt euch das Fluid Gender und damit die Homophobie ausgedacht. Ich komme aus der Generation, die David Bowie, Lou Read, hörte und liebte und sich nie das Problem stellte, was für sexuelle Vorlieben sie hatten.Es war uns egal, wir waren zufrieden und selig, weil ihre Musik uns berührte! Elton John, Freddy Mercury und George Michael. Wir sind auch die Generation, die Led Zeppelin, Deep Purple, Neil Young oder die Eagles liebte. Ohne dass sich je das Problem mit ihren Texten zu stellte, die heute als sexistisch angesehen werden würden.

Wir benötigten keine Phobie-Berater

Als Boy George ankam, fragten wir uns nicht, ob er Männchen, Weibchen oder beide mag. Wir haben einfach seine Musik genossen. Und als Jimmy Sommerville uns seine Geschichte als Kleinstadtjunge erzählt hat, waren wir gerührt und haben mitgesungen. Und es gab keine Gesetze, die uns zwingen sollten, solidarisch zu sein oder zumindest an einem „Zeichen gegen…“ teilzunehmen.

Es gab keine Androhungen von Sanktionen oder selbsternannte Wächter, die uns zensierten, wenn einmal ein Witz dabei war. Alyson Moyet war damals definitiv oversize, aber wunderschön und toll, und niemand dachte, dass sie weniger wert wäre als eine Claudia Schiffer.

Zwang zur Toleranz gebiert Spaltung und Hass

Ich würde gerne verstehen, was in der Zwischenzeit passiert ist, denn meiner Meinung nach haben all diese Zensoren die einzige Wirkung, das zu erzeugen, was sie zensieren. Toleranz wächst niemals aus Intoleranz, sondern Hass und Spaltung!

Meiner Meinung nach brauchten wir keine Beschränkungen, weil die Erziehung unserer Eltern uns Werte wie Hilfsbereitschaft, Empathie, Nächstenliebe und echte Toleranz vermittelten und Verstöße [gegen diesen ungeschriebenen Codex automatisch und ohne weitere Diskussion] gesellschaftliche Nachteile mit sich brachten! Bis ihr gekommen seid, um uns einen Schuldkult aufzuzwingen und uns so gegeneinander aufzubringen!

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Jahrgang 1965 – Wohnsitze in Bayern und NRW - Deutscher und US-amerikanischer Staatsbürger – Zunächst Berufsausbildung zum Industriekaufmann/Wirtschaftsassistent – Danach Diplomstudiengänge (Katholische Theologie, Philosophie, Geschichte und Erziehungswissenschaften) u.a. in Bochum und Passau. – Einige Jahre Erzieher in privaten Internaten (u.a. Schloss Neubeuern und St. Ottilien) – In kirchlichen und politischen Milieus je nach Betrachtungsweise mehr oder weniger gut vernetzt – Aktuell im politischen Betrieb als „Ghost“ Reden- und Vortragsschreiber sowie Mitautor und Korrektor. Zudem strategischer und konzeptioneller Berater bei diversen Wahlkampagnen außerhalb Deutschlands. Bis zu meinem Engagement für den Blog eher öffentlichkeitscheu. Das bin ich in gewisser Weise auch heute noch. Persönliche Kontakte pflege ich am liebsten nur beruflich oder in der Familie. Aktuelle Fotos von mir oder Fotos im Zusammenhang mit dem ein oder anderen Projekt vermeide ich, so gut es geht. Ein guter Freund nannte mich einmal einen Semi-Soziopathen. Auch wenn das ein hartes Wort ist: es beschreibt keine psychische Erkrankung, wie man vermuten dürfte und trifft deshalb sehr gut! Zwar bin ich prinzipiell sehr empathisch, doch schätze ich nicht die Nähe von Hinz und Kunz, lasse also ungern Menschen an mich heran. Ich spiele gern und hin und wieder auch erfolgreich mit Sprache, schotte meine Familie so weit es geht von der Öffentlichkeit ab und mache auch immer wieder mal – so auch hier - ein Geheimnis aus meinem vollständigen Lebenslauf. Diese Geheimniskrämerei hat schon manchen dazu verleitet, Legenden über mich zu verbreiten. Aber das ist OK. Ich habe ein sehr dickes Fell und Desinformation ist ja auch ein gern genommenes Tool im politischen Betrieb.