Benedikt Kaisers entstellte Wahrheiten oder: Wie auch die „Sezession“ die Flut instrumentalisiert!

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Youtube Screenshot

(Michael van Laack) Der Politikwissenschaftler Benedikt Kaiser ist ein fester Bestandteil der Tafelrunde auf dem Rittergut Schnellroda, dem Hort der „wahren, guten und schönen Rechten.“ Und – ohne despektierlich erscheinen zu wollen – dort „Mädchen für alles“: Lektor beim Verlag Antaios, Autor und Redakteur der Sezession, zudem ein wichtiger Player im Institut für Staatspolitik.

Und augenscheinlich auch ehrenamtlicher Beauftragter für in die AfD hineinwirkende Propaganda, was er in seiner regelmäßig erscheinenden „Sammelstelle für Gedrucktes“ in der vergangenen Woche einmal mehr unter Beweis gestellt hat.

Zum 27. Mal lieferte Kaiser unter dieser Überschrift auch Informationen zu Themen, die Deutschland in den vergangenen Wochen bewegt haben. So kam er selbstverständlich in der neuesten Ausgabe nicht an der Starkregen- und Flutkatastrophe vorbei.

Wie so oft: Unwahres in Richtigem verpackt!

Kaiser beginnt mit der vollkommen korrekten Analyse, dass die Altparteien und ihre Legionen (ÖRR, abhängige MSM und Linkstwitter) sich im „entgrenzten Kampf gegen rechts“ auch während der Katastrophe, die Hunderten das Leben genommen und abertausende Existenzen vernichtet hat, keine Verschnaufpause gönnen.

Fluthelfer werden in Kategorien gepackt. Gute und Schlechte, also Nichtrechte und Rechte. Zahlreiche Warnungen vor Helfern, deren Gesinnung inakzeptabel sei, fanden und finden sich immer noch im Netz. Ein besonders perfides Beispiel – den Tweet des MONITOR-Chefs Georg Restle – haben wir auf diesem Blog vor einigen Tagen ausführlich kommentiert.

Ebenfalls treffend analysierte Götz Kubitscheks Erster Ritter das Dilemma, in dem die meisten Berufspolitiker stehen. Was sie auch tun, ob sie vor Ort helfen oder nicht: Irgendeine Blase. aus der heraus das jeweilige Verhalten kritisiert wird, findet sich immer.

Die guten und die schlechten AfD-Politiker

Nach diesen einführenden Worten hätten wir erwarten dürfen, dass Kaiser das Thema beiseiteschiebt, weil alles Wesentliche gesagt war, oder aber tiefer einsteigt in die Taktik der MSM gegen die AfD, die Querdenker und andere „Staatsfeinde“. Stattdessen mussten wir mit sich zum Entsetzen steigernder Verwunderung lesen, dass er im Folgenden genau das tat, was er noch wenige Zeilen zuvor kritisiert hatte: die Einteilung in Gute und Schlechte. Doch diesmal mit Blick auf zentrale Akteure in der AfD.

Die Guten, das sind die flügelnahen Protagonisten. Wie z. B. Sebastian Münzenmaier MdB, ein wahrer Held der Arbeit an der Eifel-Schlammfront. Ebenfalls positiv erwähnt wird Tino Chrupalla, auch wenn er lediglich – wie Karl Lauterbach auf SPD-Seite – zu einem Solidaritätsfototermin angereist war.

Auf der anderen Seite stehen die schlechten AfD-Kader. Als Beispiel für diese Gruppe hat sich Kaiser den MdB Jürgen Braun ausgesucht. Warum ausgerechnet ihn? Weil er für Weidel, Höcke, Brander, Chrupalla & Co. nur selten gute Worte findet und auch nicht – wie z. B. Maximilian Krah oder Andreas Kalbitz – gern anreisender und ebenso gern gesehener Gast auf dem Rittergut ist?

Die Lüge von den falschen Prioritäten

Nach Ansicht von Kaiser hätte Jürgen Braun nicht in die USA fliegen dürfen, um vom 13. bis 15. Juli in Washington an einem internationalen Kongress für Religionsfreiheit und gegen Christenverfolgung teilzunehmen, bei dem ausschließlich die AfD Deutschland repräsentierte. Jürgen Braun hätte – wie einst der Führer – vorausschauend agieren und von Kaisers Argumentationskonstrukt ausgehend wissen müssen, dass es am 14. Juli zu einer Flutkatastrophe kommen würde.

Statt nach Washington zu reisen – ausschließlich so können wir Kaiser hier verstehen – hätte Braun schon einige Tage vor der Katastrophe Gummistiefel, Schaufel und Sandsäcke bereitlegen sollen. Dann wäre er vielleicht sogar vor dem Flügel-Helden Münzenmaier vor Ort gewesen und bei den Rittergutbewohnern nicht in Ungnade gefallen.

Der Schlammheld und die Hilfeverweigerer

Benedikt Kaiser stellt die Frage, was das korrekte Verhalten von AfD-Politikern und anderen Patrioten in dieser Katastrophensituation sei. Und antwortet: „Korrekt ist, was den Landsleuten vor Ort nützt. Danach sollte sich das Tun ausrichten – und so wird auch von einigen Akteuren verfahren.“

Dann lobt er – wie bereits erwähnt – Sebastian Münzenmaier in höchsten Tönen. Er hätte selbstverständlich auch Uwe Junge als Beispiel herausheben können, aber der ist kein Flügelmann. Damit wäre die beabsichtigte Gegenüberstellung von guten und schlechten AfD-Prominenten (den guten Flüglern und den schlechten Nichtflüglern) misslungen.

Dass es Kaiser primär um diese Gegenüberstellung ging, zeigt die Tatsache, die er unerwähnt ließ: Jürgen Braun war nicht allein in Washington. Die Delegation bestand aus drei AfD-MdB. Neben Braun waren auch Anton Friesen und Waldemar Herdt vor und während der Flutkatastrophe in den USA.

Vergiftete Tinte fließt aus Kaisers Feder

Das Unterschlagen der Namen der anderen Teilnehmer zeigt überdeutlich: Kaiser ging es nicht um eine objektive Darstellung, sondern ausschließlich darum, den Feinden der „wahren AfD“ innerparteilich – vor allem bei den einfachen Mitgliedern und den Sympathisanten – am Beispiel Braun einen Imageschaden zuzufügen. Hätte er vom flügelnahen Waldemar Herdt in den USA geschrieben, wäre die Nachricht keinen Aufreger wert gewesen. Vermutlich hätte es sogar eine Schelte für Kaiser gegeben mit dem Tenor: Ein Mitglied der „wahren AfD“ kritisiert man nicht!

Darüber hinaus: Auch wenn Kaiser hier – vermutlich um den christlichen Teil der Leserschaft nicht zu vergraulen – die Notwendigkeit betont, das Thema Christenverfolgung nicht zu tabuisieren, so ist er doch kein Christnfreund und hegt nicht nur als Vertreter der Querfrontstrategie manche Sympathie für den Islam, vor allem allerdings und selbstverständlich für nordische Theologien. So geht es ihm hier als Beifang auch darum, in Jürgen Braun einen überzeugten Christen in der AfD zu beschädigen.

Über die Motivation lässt sich nur spekulieren

Viele von Kaisers und anderer Antaios-Autoren Publikationen schätze ich sehr, auch wenn ich – alles andere wäre Zeichen mangelnder Differenzierungskompetenz – nicht alle in diesen Werken gebildeten Konklusionen nachvollziehen kann bzw. die Ergebnisse teile.

Umso enttäuschter bin ich, dass Kaiser in seiner „Sammelstelle für Gedrucktes (27)“ ebenso unredlich wie unanständig argumentiert. Mag sein, dass es sich um einen unaufgeforderte Gefälligkeitsartikel handelt. Mag auch sein, das Münzenmaier darum gebeten hat, sein Image ein wenig aufzupolieren. Oder Kaiser im Auftrag eines Dritten handelte, der Jürgen Braun für seine kritische Haltung zum Auftreten mancher völkisch-nationaler oder ethnopluralistischer Parteifreunde abgewatscht sehen wollte.

Das alles mag sein, ändert aber nichts daran: Wer von sich selbst sagt, er gehöre zu den „wahren Rechten“, sollte stets wahrhaftig argumentieren. Deshalb werde ich in Zukunft Kaisers Beiträge und Schriften deutlich kritischer lesen, als ich es bisher tat. Denn es heißt nicht ohne Grund: „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, und wenn er auch die Wahrheit spricht.“ Auch mäßig entstellte Wahrheiten – wie sie sich in Kaisers Beitrag finden – sind in Form und Substanz nichts anderes als Lügen. Schöne Lügen eines „schönen Rechten.“, aber dennoch Lügen!

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Jahrgang 1965 – Wohnsitze in Bayern und NRW - Deutscher und US-amerikanischer Staatsbürger – Zunächst Berufsausbildung zum Industriekaufmann/Wirtschaftsassistent – Danach Diplomstudiengänge (Katholische Theologie, Philosophie, Geschichte und Erziehungswissenschaften) u.a. in Bochum und Passau. – Einige Jahre Erzieher in privaten Internaten (u.a. Schloss Neubeuern und St. Ottilien) – In kirchlichen und politischen Milieus je nach Betrachtungsweise mehr oder weniger gut vernetzt – Aktuell im politischen Betrieb als „Ghost“ Reden- und Vortragsschreiber sowie Mitautor und Korrektor. Zudem strategischer und konzeptioneller Berater bei diversen Wahlkampagnen außerhalb Deutschlands. Bis zu meinem Engagement für den Blog eher öffentlichkeitscheu. Das bin ich in gewisser Weise auch heute noch. Persönliche Kontakte pflege ich am liebsten nur beruflich oder in der Familie. Aktuelle Fotos von mir oder Fotos im Zusammenhang mit dem ein oder anderen Projekt vermeide ich, so gut es geht. Ein guter Freund nannte mich einmal einen Semi-Soziopathen. Auch wenn das ein hartes Wort ist: es beschreibt keine psychische Erkrankung, wie man vermuten dürfte und trifft deshalb sehr gut! Zwar bin ich prinzipiell sehr empathisch, doch schätze ich nicht die Nähe von Hinz und Kunz, lasse also ungern Menschen an mich heran. Ich spiele gern und hin und wieder auch erfolgreich mit Sprache, schotte meine Familie so weit es geht von der Öffentlichkeit ab und mache auch immer wieder mal – so auch hier - ein Geheimnis aus meinem vollständigen Lebenslauf. Diese Geheimniskrämerei hat schon manchen dazu verleitet, Legenden über mich zu verbreiten. Aber das ist OK. Ich habe ein sehr dickes Fell und Desinformation ist ja auch ein gern genommenes Tool im politischen Betrieb.