(Michael van Laack) Die „Junge Alternative“ – die Jugendorganisation der AfD – hat in den vergangenen Jahren deutschlandweit manchen Skandal produziert. Sowohl innerparteilich als auch im öffentlichen Raum. Wer als nicht unumstritten oder vielleicht gar schon als Risiko gilt, steht an einer Gabelung mit zwei Wegen. Die „Junge Alternative“ in Berlin hat sich für den richtigen Weg entschieden.

Der eine führt Über die Ausnutzung der durch das negative Image erworbenen bzw. zumindest gefühlten Narrenfreiheit in die Bedeutungslosigkeit. Denn schlimmer kann es ja eigentlich nicht mehr kommen, also lasst uns rücksichtslos Vollgas geben. Der zweite schwieriger Weg führt über kluge, frische, provokative und dennoch seriöse Kampagnen dazu, das eigene Image zu verbessern und den „Erwachsenen“ in der Partei zu zeigen: Wir haben die Pubertät überstanden. Auf Letzterem befindet sich die JA Berlin.

Wahlkampf ohne Logo

Seit einigen Wochen kleben an den unmöglichsten Stellen in Berlin Plakate mit dem Label #FreiheitForFuture. Die Namensähnlichkeit mit der Bewegung der heiligen Greta dürfte nicht ganz zufällig gewählt sein. Bekannte Wortmuster erregen Aufmerksamkeit und der Betrachter ist eher geneigt, sich mit dem ganzen Bild oder Text zu beschäftigen.

Zudem verzichtet die JA bewusst auf das eigene Logo. Auch hier kommt der psychologische Effekt ins Spiel. In der öffentlichen Debatte hat die Jugendorganisation ein negatives Image. Sieht der Vorübergehende also ein Plakat mit dem Logo, wird er – wenn überhaupt – die Botschaft bereits unter dem Vorbehalt zur Kenntnis nehmen, dass dies nur Propaganda von „Nazis“ sein kann.

Frische Kampagne: Provozieren, Pointieren, Anregen!

So viel zu der Frage, warum die Aktion so und nicht anders angelegt ist: Wild kleben, Botschaften ohne Logo, eingängige Sprüche: Guerilla-Marketing nennt man das.

Nun aber zu den Themen der Aktion. Diese sind klug gewählt und vielfältig: Klimawandel, Migration, Gender, soziale Frage. Alles ist dabei, was die Menschen im Moloch Berlin (aber natürlich nicht nur dort) gerade umtreibt, weshalb es durchaus auch in anderen Regionen Deutschlands Sinn machen würde, ähnliche Projekte anzustossen.

Es muss darum gehen, in kurzen und knappen Botschaften die Fehler und Schwächen der Regierenden zu pointieren. Langatmige Statements interessieren heute die Bürger ebenso wenig wie von Plakaten gnädig und wissend herablächelnde Politiker, die Floskeln wie „Wohlstand für alle“, „Enteignung jetzt“ oder „Kein Wandel ohne Klimawandel“ von sich geben.

„Wieso ist es leichter Crystal zu bekommen, als einen Friseurtermin“

Das ist einer der Sprüche, die im Rahmen der Aktion „FreiheitForFuture“ plakatiert wurden und ein Problem ansprechen, das wir in vielen Großstädten sehen. Von der Polizei fast unbehelligt trieben selbst im tiefsten Lockdown Dealer an jeder Ecke ihr Unwesen, während der Normalbürger nicht einmal Oma und Opa gleichzeitig in seiner Wohnung empfangen durfte.

So geht Wahlkampf, so muss er sein: angriffslustig, unhaltbare Zustände in smarten Sprüchen beschreibend, zum Nachdenken anregend. Klar ist selbstverständlich auch, dass eine Plakataktion die beschriebenen Probleme nicht löst! Aber sie erhöht die Sensibilität und lässt bei immer mehr Bürgern die Frage aufkommen: Welche Parteien sind verantwortlich für Zustand X? Und welcher Partei traue ich am ehesten zu, dass sie diese Missstände beseitigt? Mehr kann Wahlkampf nicht leisten, mehr soll er auch gar nicht leisten.

Deshalb sehe ich in dieser Kampagne der JA ein Musterbeispiel für modernen und jungen Wahlkampf. Daran mangelt es nicht nur bei den Unionsparteien, der SPD und FDP. Auch bei der AfD schleicht sich in den Wahlkampf nicht selten das Denken ein: „Lieber das machen, was sich schon immer bewährt hat.“ Das ist – um mal ein wenig verächtlich zu schreiben – die Strategie des alten weißen Mannes.

Ein guter Anfang – Fortsetzung folgt

In einer Zeit aber, in der Konservative und Bürgerliche immer häufiger und mit größerer Intensität vom Diskurs ausgeschlossen und teilweise sogar sozial geächtet werden, braucht es eine andere Strategie: die der Guerilla. Allerdings darf es dabei nicht bleiben. In einem zweiten Schritt müssen die Guerillas ihr Gesicht zeigen, damit das Volk „seine Helden“ identifizieren kann.

Diese zweite Phase, so hören wir aus Kreisen der Jungen Alternative Berlin, beginnt am 20. Juli. Das Datum dürfte nicht zufällig gewählt worden sein. Wir werden das Projekt gern kritisch begleiten und hoffen, dass es an ein gutes Ende geführt werden kann. Allerdings nicht mit den Mitteln, die der Kreis um Stauffenberg einsetzte, weil Gewalt nur in den allerseltensten Fällen eine Lösung ist. Ich bin sehr zuversichtlich, dass die JA Berlin an und ab diesem Tag andere Akzente setzen wird. Denn sie möchte ja nicht scheitern wie Stauffenberg.

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Jahrgang 1965 – Wohnsitze in Bayern und NRW - Deutscher und US-amerikanischer Staatsbürger – Zunächst Berufsausbildung zum Industriekaufmann/Wirtschaftsassistent – Danach Diplomstudiengänge (Katholische Theologie, Philosophie, Geschichte und Erziehungswissenschaften) u.a. in Bochum und Passau. – Einige Jahre Erzieher in privaten Internaten (u.a. Schloss Neubeuern und St. Ottilien) – In kirchlichen und politischen Milieus je nach Betrachtungsweise mehr oder weniger gut vernetzt – Aktuell im politischen Betrieb als „Ghost“ Reden- und Vortragsschreiber sowie Mitautor und Korrektor. Zudem strategischer und konzeptioneller Berater bei diversen Wahlkampagnen außerhalb Deutschlands. Bis zu meinem Engagement für den Blog eher öffentlichkeitscheu. Das bin ich in gewisser Weise auch heute noch. Persönliche Kontakte pflege ich am liebsten nur beruflich oder in der Familie. Aktuelle Fotos von mir oder Fotos im Zusammenhang mit dem ein oder anderen Projekt vermeide ich, so gut es geht. Ein guter Freund nannte mich einmal einen Semi-Soziopathen. Auch wenn das ein hartes Wort ist: es beschreibt keine psychische Erkrankung, wie man vermuten dürfte und trifft deshalb sehr gut! Zwar bin ich prinzipiell sehr empathisch, doch schätze ich nicht die Nähe von Hinz und Kunz, lasse also ungern Menschen an mich heran. Ich spiele gern und hin und wieder auch erfolgreich mit Sprache, schotte meine Familie so weit es geht von der Öffentlichkeit ab und mache auch immer wieder mal – so auch hier - ein Geheimnis aus meinem vollständigen Lebenslauf. Diese Geheimniskrämerei hat schon manchen dazu verleitet, Legenden über mich zu verbreiten. Aber das ist OK. Ich habe ein sehr dickes Fell und Desinformation ist ja auch ein gern genommenes Tool im politischen Betrieb.