(Michael van Laack) Als (zumindest formell) heute vor 245 Jahren dreizehn britische Kolonien in die Unabhängigkeit entlassen wurden, hatten nicht nur im Commonwealth viele Politiker Bauchschmerzen. Die einen warfen dem Empire Schwäche vor, andere Förderung von Spaltungstendenzen innerhalb des Königreichs sowie wirtschaftliche und geostrategische Blauäugigkeit. Aber auch in den zukünftigen Vereinigten Staaten von Amerika gab es manche, die sich vor der Unabhängigkeit mehr fürchteten, als darauf freuten.

Denn Unabhängigkeit bedeutete auch, sich wirtschaftlich rasch auf eigen Füße stellen zu müssen. Viele prophezeiten, die ehemaligen Kolonien würden sich schon in wenigen Jahren danach zurücksehnen, Teil des britischen Empires zu sein, seine „Fürsorge und seinen Schutz zu genießen“, wie ein früher US-amerikanischer Philosoph Samuel Johnson (1709-1784) es formulierte. Wieder andere warnten vor Spaltungen innerhalb der Kolonien und malten einen 30-jährigen Krieg als Horrorszenario an die Wand, der die kolonial geschaffene Infrastruktur – die Basis für das neue Staatengebilde – alsbald zerstören würde.

Licht und Schatten – Wie überall auf der Welt

Wir wissen, wie die Geschichte sich entwickelte. Hin und wieder gab es kleinere Konflikte, aber die USA etablierten sich Mitte des 19. Jahrhunderts als Macht im Konzert der Großen, wenn auch noch nicht als Weltmacht. Der Mitte des 18. Jahrhunderts prognostizierte Krieg fand erst ein Jahrhundert später statt und war eben kein „Jeder gegen Jeden“, sondern eine Auseinandersetzung zweier Blöcke. Wie auch immer!

Die Geschichte der USA ist wie keine zweite eine Geschichte interner Konflikte zwischen Volksgruppen. Von einer von Beginn als Einwanderungsgesellschaft konzipierten Staatengemeinschaft, die zudem das koloniale Erbe des Kampfs gegen die indigene Bevölkerung nicht ausgeschlagen hat und sich beim Import von Sklaven noch einige Jahrzehnte lang selbst wie eine Kolonialmacht gerierte, darf man auch nichts anderes erwarten.

Und dennoch: Bei Bedrohungen von außen stand dieses fragile Gebilde immer wie ein Mann zusammen und entwickelte trotz der Verschiedenheit einen Nationalstolz, der seinesgleichen bis heute sucht. „Semper idem“ und „In God we trust!“ Das ist der Kitt, der die USA durch die Geschichte getragen hat. Diesen Kitt wollen in den letzten Jahren wieder einmal Sozialisten und Kommunisten aus den Fugen zu kratzen. Ihr Prinzip ist die Spaltung, nicht die Einheit. Sie atmen nicht den Geist der Verfassung, sondern erweisen sich als seine größten Feinde.

EU als Commonwealth – Deutschland als Kolonie?

In Deutschland hören wir von nicht wenigen Politikern aus dem bürgerlichen Milieu in den letzten Monaten immer lauter, auch Deutschland brauche asap einen eigenen Independence Day. Der Austritt aus der EU befreie uns von den Zwängen, den Schulden, den Verordnungen, der Migrationspflicht und nicht zuletzt von der ungeliebten Währung Euro.

Abgesehen davon, dass die Situation zwischen den Kolonien Nordamerikas und der europäischen Zentrale des Commonwealth nicht nur räumlich kaum vergleichbar ist: Die Kolonien hatten sich nicht freiwillig um des wirtschaftlichen Vorteils in die Abhängigkeit des britischen Throns begeben, sondern waren künstlich geschaffene – teilweise von den Indianern eroberte Territorien.

Deutschland hingegen ist freiwillig Mitglied der EWG (EG, später EU) geworden und geblieben, weil es sich wirtschaftliche Vorteile erwartete und diese auch über Jahrzehnte erlangte. Nun aber hat sich die EU von ihrer ursprünglichen Idee wegentwickelt. Sie von ihre nun zu trennen, räumlich aber immer ihr direkter Nachbar zu sein, würde keine Unabhängigkeit schaffen, sondern neue Abhängigkeiten. Vermutlich sogar deutlich massivere Abhängigkeiten als wir sie heute ertragen müssen.

Einsame Wölfe werden früher erlegt

Deshalb kann es nur ein europäischer Independence Day die Lösung sein. Eine Reform aus dem i inneren, die das Wesen der Nationalstaaten insgesamt wieder stärkt, den Zentralismus-Gedanken verbannt, Finanz- und Wirtschaftspolitik nicht nur nicht weiter stärkt, sondern zurückbaut und so eine Gemeinschaft bildet, in der jeder Staat guten Gewissens 365 Tage im Jahr Independence feiern kann.

Einen Reformprozess – auch das lehrt uns die Geschichte der Entwicklung der Unabhängigkeit der 13 Kolonien – kann man immer nur von innen anstoßen. „Deutschland. Aber normal!“ Das funktioniert nicht in selbstgewählter  Insolation. Zumindest nicht, wenn man zuvor über sieben Jahrzehnte Abhängigkeit um Abhängigkeit von zahlreichen Staaten der Weltgemeinschaft in wirtschaftlichen und militärischen Bereichen aufgehäuft hat.

Wer jahrzehntelang nur „Dependence Day“ gefeiert hat und dies voll Inbrunst tat, hat sich einen Independence Day auch überhaupt nicht verdient. Den muss er sich erkämpfen. Allerdings innerhalb der EU. Sonst wird er zum einsamen Wolf. Und einsame Wölfe – das wissen wir aus der Geschichte der nordamerikanischen Trapper – wurden schon immer als gefährlich angesehen und deshalb zumeist erschossen, bevor sie Schaden anrichten konnten.

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Jahrgang 1965 – Wohnsitze in Bayern und NRW - Deutscher und US-amerikanischer Staatsbürger – Zunächst Berufsausbildung zum Industriekaufmann/Wirtschaftsassistent – Danach Diplomstudiengänge (Katholische Theologie, Philosophie, Geschichte und Erziehungswissenschaften) u.a. in Bochum und Passau. – Einige Jahre Erzieher in privaten Internaten (u.a. Schloss Neubeuern und St. Ottilien) – In kirchlichen und politischen Milieus je nach Betrachtungsweise mehr oder weniger gut vernetzt – Aktuell im politischen Betrieb als „Ghost“ Reden- und Vortragsschreiber sowie Mitautor und Korrektor. Zudem strategischer und konzeptioneller Berater bei diversen Wahlkampagnen außerhalb Deutschlands. Bis zu meinem Engagement für den Blog eher öffentlichkeitscheu. Das bin ich in gewisser Weise auch heute noch. Persönliche Kontakte pflege ich am liebsten nur beruflich oder in der Familie. Aktuelle Fotos von mir oder Fotos im Zusammenhang mit dem ein oder anderen Projekt vermeide ich, so gut es geht. Ein guter Freund nannte mich einmal einen Semi-Soziopathen. Auch wenn das ein hartes Wort ist: es beschreibt keine psychische Erkrankung, wie man vermuten dürfte und trifft deshalb sehr gut! Zwar bin ich prinzipiell sehr empathisch, doch schätze ich nicht die Nähe von Hinz und Kunz, lasse also ungern Menschen an mich heran. Ich spiele gern und hin und wieder auch erfolgreich mit Sprache, schotte meine Familie so weit es geht von der Öffentlichkeit ab und mache auch immer wieder mal – so auch hier - ein Geheimnis aus meinem vollständigen Lebenslauf. Diese Geheimniskrämerei hat schon manchen dazu verleitet, Legenden über mich zu verbreiten. Aber das ist OK. Ich habe ein sehr dickes Fell und Desinformation ist ja auch ein gern genommenes Tool im politischen Betrieb.