Armin Laschet stimmt einem AfD-Abgeordneten im Landtag zu – Schnappatmung bei der SPD

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Von Olaf Kosinsky - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=101478808

(Michael van Laack) Was auch immer ein AfD-Politiker sagt, ist falsch. Wer sich an dieses Dogma nicht hält, ist ein Förderer des Rechtspopulismus. Seit heute gehört zumindest für die SPD im Landtag von NRW auch Ministerpräsident Armin Laschet zu den Leugnern dieses Dogmas.

Eine harmlose Bemerkung mit verheerender Wirkung

Der AfD-Abgeordnete Martin Vincentz hatte in einer Rede zur Coronathematik ausgeführt: „DIE Wissenschaft, wie es heute oft heißt, gibt es schlicht nicht.“ Denn Wissenschaft sei immer „ein Vielklang unterschiedlicher Stimmen“. Das ist ein Satz, dem jeder mit Vernunft begabte Mensch vor Corona ohne jeglichen Vorbehalt zugestimmt hätte. Denn schon Thomas von Aquin erkannte eine Hierarchie der Wissenschaften, auch wenn er die Abhängigkeit der Wissenschaften untereinander freilich noch ganz anders beurteilte als sechs Jahrhunderte nach ihm Auguste Comte.

Für beide aber wäre es undenkbar gewesen, Sätze zu bilden wie „DIE Wissenschaft hat festgestellt…“ oder „Man muss DER Wissenschaft folgen.“. Denn zum einen erkannten sie die Abhängigkeit der verschiedenen Disziplinen voneinander, zum anderen war ihnen auch klar, dass es zu einem Thema innerhalb einer Wissenschaft häufig sich widerstreitende Meinungen gab.

AfD parlamentarischer Arm der Corona-Leugner?

Da Armin Laschet immerhin eine klassische humanistische Bildung genossen hat, verstand er Martin Vincentz‘ Hinweis selbstverständlich und konnte an ihm auch nichts Anrüchiges finden.  Deshalb erklärte er, die AfD habe in der Debatte „einen wahren Satz gesagt“. Wenn jemand verallgemeinernd „die Wissenschaft“ sage, wisse man oft nicht, was er gerade im Schilde führt. Ob er nicht z. B. nur das Interesse einer Lobby vertrete, indem er die Wissenschaftstotschlagekeule schwinge. Deshalb sei für ihn (Laschet) wissenschaftlicher Diskurs wichtig. Man müsse viele Einzelmeinung hören und dürfe nicht eine Einzelmeinung zur Richtschnur für sein Handeln machen.

Kaum hatte Laschet diese erstaunlich weisen Gedanken ins Mikrofon gesprochen, drehte die SPD schon durch. Ihr Fraktionschef Thomas Kutschaty erklärte, Laschet habe soeben einen „Tabubruch begangen“ und sich zum „Kronzeugen für die AfD gemacht“. Die Partei sei „der parlamentarische Arm der Querdenker und Corona-Leugner“. Ihren Vertretern müsse man grundsätzlich widersprechen. Es dürfe niemals der Eindruck entstehen, dass ein AfD-Mandatsträger etwas Richtiges sagt. Das sei bisher auch „Konsens aller Demokraten“ gewesen. Diesen habe Laschet nun verlassen.

Wir geloben Besserung

Laschet und viele andere dürften sich in Zukunft zweimal überlegen, ob sie überhaupt noch „AfD“ in den Mund nehmen oder nicht lieber sagen „Die A-Wort-Partei schwurbelt mal wieder rechtsextremes und in jedem Buchstaben sowohl inhaltlich als auch von der Betonung falsches Zeug vor sich hin. Und nun zur Sache…“ Dann wäre ihnen zumindest der Beifall der SPD sicher. Und vielleicht auch die Stimmen von noch mehr Aufrechten und Anständigen bei den bevorstehenden Wahlen in Bund und Ländern.

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Jahrgang 1965 – Wohnsitze in Bayern und NRW - Deutscher und US-amerikanischer Staatsbürger – Zunächst Berufsausbildung zum Industriekaufmann/Wirtschaftsassistent – Danach Diplomstudiengänge (Katholische Theologie, Philosophie, Geschichte und Erziehungswissenschaften) u.a. in Bochum und Passau. – Einige Jahre Erzieher in privaten Internaten (u.a. Schloss Neubeuern und St. Ottilien) – In kirchlichen und politischen Milieus je nach Betrachtungsweise mehr oder weniger gut vernetzt – Aktuell im politischen Betrieb als „Ghost“ Reden- und Vortragsschreiber sowie Mitautor und Korrektor. Zudem strategischer und konzeptioneller Berater bei diversen Wahlkampagnen außerhalb Deutschlands. Bis zu meinem Engagement für den Blog eher öffentlichkeitscheu. Das bin ich in gewisser Weise auch heute noch. Persönliche Kontakte pflege ich am liebsten nur beruflich oder in der Familie. Aktuelle Fotos von mir oder Fotos im Zusammenhang mit dem ein oder anderen Projekt vermeide ich, so gut es geht. Ein guter Freund nannte mich einmal einen Semi-Soziopathen. Auch wenn das ein hartes Wort ist: es beschreibt keine psychische Erkrankung, wie man vermuten dürfte und trifft deshalb sehr gut! Zwar bin ich prinzipiell sehr empathisch, doch schätze ich nicht die Nähe von Hinz und Kunz, lasse also ungern Menschen an mich heran. Ich spiele gern und hin und wieder auch erfolgreich mit Sprache, schotte meine Familie so weit es geht von der Öffentlichkeit ab und mache auch immer wieder mal – so auch hier - ein Geheimnis aus meinem vollständigen Lebenslauf. Diese Geheimniskrämerei hat schon manchen dazu verleitet, Legenden über mich zu verbreiten. Aber das ist OK. Ich habe ein sehr dickes Fell und Desinformation ist ja auch ein gern genommenes Tool im politischen Betrieb.