(Michael van Laack) Der „geschönte“ Lebenslauf, die nachgemeldeten Einkünfte und nicht zu überhörende Sprechfehler zuhauf. Lebten wir in normalen bundesrepublikanischen Zeiten, wäre die Kanzlerkandidatur von Annalena Baerbock schon beendet. Aber wir leben in der Merkel-Ära, in der Rücktritte wegen gravierender Fehler nicht notwendig sind, solange das politische Establishment und die MSM eine Person für systemrelevant halten.

Spahn, Scheuer, Scholz! Sie alle haben Dreck am Stecken (wie man so sagt), werden aber in ihren Ämtern gehalten. Ähnlich verhält es sich mit Annalena Baerbock. In der Causa um ihr neues Buch interessiert weniger, wie hoch der Anteil abgeschriebener Texte ist und warum komplett auf Quellenangaben verzichtet wurde, sondern vielmehr, wie hoch der Anteil der Eigenleistung von Frau Baerbock an diesem Werk ist im Verhältnis zum Anteil eines Ghostwriters. Das freilich werden wir vermutlich nie erfahren, obwohl es zur Überprüfung der Kanzlertauglichkeit der wichtigere Gradmesser wäre.

Der WDR, ehrenamtlicher Pressesprecher der Grünen

„Die Wähler und Wählerinnen werden am Ende entscheiden“. So lautete gestern der Schlusssatz eines WDR-Kommentars zur sogenannten Plagiatsaffäre. Das hätte auch Bundesgeschäftsführer Michael Kellner nicht besser formulieren können. Der gesamte Vortrag war so angelegt, als sei er dem WDR von der Pressestelle der Grünen zugereicht worden.

Alle Zutaten sind enthalten: Baerbock als Opfer, der böse Plagiatsjäger als Anstifter, die CDU in der Rolle des willigen Vollstreckers und die Wähler im Herbst als Retter der siegreichen Heldin:

#Baerplag trendet, aber „Plagiat“ ist unzutreffend

Denn hier handelt es sich um keine Doktorarbeit, sondern lediglich um ein Sachbuch, das unter Baerbocks Namen erschienen ist. Ob sie es tatsächlich selbst geschrieben hat bzw. wie groß der Anteil eines oder mehrere Ghostwriter ist, wird wohl nie geklärt. Auch das ist zunächst nicht verwerflich. Viele Prominente aus der Fernseh- und Musikbranche, denen das Schreiben nicht so leichtfällt, bedienen sich mehr oder weniger gutbezahlter Ghostwriter.

Diese wissen genau, worauf sie sich einlassen. Sie schreiben ein Werk, doch auf dem Titel steht der Name des Prominenten. Bei Erfolg ernten sie den Ruhm nicht, aber beim Misserfolg auch nicht die Schläge. Obwohl es sich in der Branche selbstverständlich schnell herumspricht, wer dahintersteht. Dann gibt es halt keine neuen Aufträge mehr.

Es geht nicht ums Plagiieren, es geht um Vertrauensverlust

Liest man die Reaktionen der Grünen auf die gestern bekannt gewordenen Vorwürfe, weite Teile des Buches seien einfach Versatzstücke aus Wikipedia bzw. den Büchern und Reden Dritter, wird schnell klar, dass sie das eigentliche Problem übersehen. Denn sie hängen sich an dem Begriff „Plagiat“ auf, der wie oben ausgeführt, so auch nichtzutreffend ist.

Dabei übersehen sie, dass es um etwas ganz anderes geht: um Vertrauen und seinen Verlust. Viele potenzielle Wähler stellen mittlerweile die Vertrauensfrage. Sie taten das – augenscheinlich ebenfalls von der Partei übersehen – schon nach der Lebenslauf-Affäre. Mit ein paar Lippenbekenntnisse der Kanzlerkandidatin und ein paar scheinkritischen Fragen in Talkshows glaubte man, die Gemüter besänftigen zu können.

Nun aber geht es wieder um „Täuschung“. Vielleicht nicht einmal um objektive Täuschung. Vermutlich waren Baerbock oder ihr Autor einfach nur zu faul. Oder es galt, eine vertraglich festgesetzte Zahl von Seiten zu füllen. Dann macht man das schon mal. Wenn dem Ghostwriter nach Fertigstellung seines Werks auffällt, er hat 35 Seiten weniger als vertragliche festgelegt, zu Papier gebracht, ist „Copy&Paste“ bei Sachbüchern zwar kein Standard, aber auch nichts Ungewöhnliches.

Kanzlerkandidaten auswechseln? Nicht ganz unproblematisch!

Wie auch immer! eines sollte den Grünen klar sein. Ohne die objektiv als Skandal einzustufende Lebenslaufaffäre hätte sich niemand die Frage gestellt, was an diesem Buch Baerbocks Eigenanteil ist und was aus wessen fremder Feder auch immer stammt. Die Strategen der Partei hätten das voraussehen müssen, ggf. das Erscheinen des Werkes noch einmal verschieben. Jedem mit ein wenig strategischem Verstand musste klar sein: Ab jetzt steht Annalena Baerbock unter Dauerbeobachtung, denn „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, wenn er auch die Wahrheit spricht.

Wenn dann – wie im vorliegenden Fall im übertragenen Sinn (weil ohne Quellenangaben) – wieder nicht die Wahrheit gesprochen wurde, ist der Schaden maximal. Noch hätte die Partei Zeit, den Kanzlerkandidaten auszuwechseln. Aber das würde sie zerreißen. Vor allem die Gender- und Feministen-Fraktion inner- und außerhalb sähe darin einen Akt der Frauenfeindlichkeit. Viele Erstwähler könnte das abschrecken, für die nicht Qualifikation, sondern das richtige Geschlecht Wahlkriterium Nr. 1 ist, weil man ihnen das in der schule und am Ausbildungsplatz mittlerweile so beibringt.

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Jahrgang 1965 – Wohnsitze in Bayern und NRW - Deutscher und US-amerikanischer Staatsbürger – Zunächst Berufsausbildung zum Industriekaufmann/Wirtschaftsassistent – Danach Diplomstudiengänge (Katholische Theologie, Philosophie, Geschichte und Erziehungswissenschaften) u.a. in Bochum und Passau. – Einige Jahre Erzieher in privaten Internaten (u.a. Schloss Neubeuern und St. Ottilien) – In kirchlichen und politischen Milieus je nach Betrachtungsweise mehr oder weniger gut vernetzt – Aktuell im politischen Betrieb als „Ghost“ Reden- und Vortragsschreiber sowie Mitautor und Korrektor. Zudem strategischer und konzeptioneller Berater bei diversen Wahlkampagnen außerhalb Deutschlands. Bis zu meinem Engagement für den Blog eher öffentlichkeitscheu. Das bin ich in gewisser Weise auch heute noch. Persönliche Kontakte pflege ich am liebsten nur beruflich oder in der Familie. Aktuelle Fotos von mir oder Fotos im Zusammenhang mit dem ein oder anderen Projekt vermeide ich, so gut es geht. Ein guter Freund nannte mich einmal einen Semi-Soziopathen. Auch wenn das ein hartes Wort ist: es beschreibt keine psychische Erkrankung, wie man vermuten dürfte und trifft deshalb sehr gut! Zwar bin ich prinzipiell sehr empathisch, doch schätze ich nicht die Nähe von Hinz und Kunz, lasse also ungern Menschen an mich heran. Ich spiele gern und hin und wieder auch erfolgreich mit Sprache, schotte meine Familie so weit es geht von der Öffentlichkeit ab und mache auch immer wieder mal – so auch hier - ein Geheimnis aus meinem vollständigen Lebenslauf. Diese Geheimniskrämerei hat schon manchen dazu verleitet, Legenden über mich zu verbreiten. Aber das ist OK. Ich habe ein sehr dickes Fell und Desinformation ist ja auch ein gern genommenes Tool im politischen Betrieb.