(Michael van Laack) Mit großem medialen Tam-Tam hatte der Münchener Erzbischof Reinhard Kardinal Marx Ende Mai dem Papst seinen Rücktritt angeboten, um ein Zeichen zu setzen für einen Neuanfang der Kirche in Deutschland, die seiner Ansicht nach an einem toten Punkt angekommen sei. Heute nun lehnte Papst Franziskus dieses großzügige, von manchen innerkirchlichen Kirchenhassern als heldenhaftes Opfer geframte Angebot des Kardinals ab. Was mögen die Gründe hierfür sein?

Wie kein anderer steht Marx dafür, das Ehesakrament auch Homosexuellen zu spenden, den Zölibat abzuschaffen, Frauen zu Priesterinnen zu weihen, gesetzlich wiederverheirateten Geschiedenen ein zweites Mal eine kirchliche Trauung zu ermöglichen, die Eucharistielehre der Katholiken in den Mülleimer zu werfen (Interkommunion), die Unfehlbarkeit des Papstes in Glaubensfragen rückgängig zu machen und die kommunistische Befreiungstheologie sowie die atheistische historisch-kritische Methode zum einzigen Maßstab für Exegese und Homilie zu machen.

Will Franziskus Marx nicht aus der Verantwortung entlassen?

Die deutschen Medien wie auch die Vertreter des ZDK und des zunehmend sektiererische Tendenzen aufweisenden „Synodalen Wegs“ hatten sich in der Affäre um sexuellen Missbrauch hauptsächlich auf den verhassten weil konservativen Erzbischof von Köln Reiner Maria Woelki konzentriert. Dass er durch unabhängige Gutachten entlastet wurde, machte viel noch wütender. Unablässig forderten sie Woelkis Rücktritt.

In Marx‘ Erzdiözese München-Freising beginnen in wenigen Wochen unabhängige Untersuchungen. Er dürfte bereits wissen, dass diese für seine Vorgänger im Amt aber auch für ihn nicht gut ausgehen dürften. Zudem hatte Marx – einer der Hauptinitiatoren des „Synodalen Wegs sehr wohl zur Kenntnis genommen, dass dem Projekt zur Zerstörung der Lehre der römisch-katholischen Kirche in Deutschland aus der Weltkirche von vielerlei Seiten ein eiskalter Wind entgegenblies.

Marx‘ Strategie geht nicht auf

So dürfen wir davon ausgehen, dass sein Rücktrittsangebot ein dreifacher taktischer Schachzug war:

1. Nicht mehr im Amt sein, wenn der Skandal um sexuellen Missbrauch in Trier und in München-Freising mit der Veröffentlichung eines Gutachtens seinen skandalösen Höhepunkt erreichen wird

2. Nicht mehr Mitglied der DBK zu sein, wenn das Projekt „Synodaler Weg“ zusammenbricht und der Zorn der linksgrünen „Gläubigen“, die auf radikale Veränderungen gehofft hatten, sich vor allem auf ihn als Mitinitiator ergießen werden.

3. Mit seinem Rücktritt den Druck auf Woelki und andere Bischöfe zu erhöhen, ebenfalls zurückzutreten, was zu einem Chaos in der Führung zahlreicher deutscher Diözesen geführt und möglicherweise bisher im Schatten stehende Laien weiter nach oben gespült hätte. Ein Sieg für den bereits erledigten „Synodalen Weg“ und „Maria 2.0“ durch die Hintertür.

Papst will Schisma verhindern und Marx einbinden

Hätte Franziskus Marx entlassen, würde er vermutlich auch nicht mehr dem Kardinalrat angehören. Dieses Gremium ist maßgeblich mitbeteiligt an der Vorbereitung einer Weltsynode, auf der Franziskus einige der in Deutschland auf dem Eis stehenden Kühe (Zölibat, Priesterweihe der Frau, Interkommunion) schlachten. Die Weltkirche wird Entscheidungen treffen, die in Deutschland ganz schlecht ankommen.

Um die Reaktion des deutschen Räte-Katholizismus abzumildern, braucht Franziskus einen Vermittler, der den „Synodalen Weg“ sanft liquidiert und im Konzert der Weltkirche untergehen lässt. Mit dem aktuellen Vorsitzenden der DBK – Bischof Georg Bätzing – ist das nicht zu machen. Der will mit dem Kopf durch die Wand. Marx wird also aus strategischen Gründen als Vermittler gesehen und gebraucht.

Die Frage ist nun: Wird Marx im Sinn von Franziskus handeln, oder werden seine rotgrünen Getreuen die Ablehnung des Rücktritts als Bestätigung ihrer Revolutionsabsichten verstehen und das faktisch schon seit Jahren latent bestehende Schisma endgültig besiegeln? Die nächsten Wochen dürften bereits zeigen, in welche Richtung die Reise geht.

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Jahrgang 1965 – Wohnsitze in Bayern und NRW - Deutscher und US-amerikanischer Staatsbürger – Zunächst Berufsausbildung zum Industriekaufmann/Wirtschaftsassistent – Danach Diplomstudiengänge (Katholische Theologie, Philosophie, Geschichte und Erziehungswissenschaften) u.a. in Bochum und Passau. – Einige Jahre Erzieher in privaten Internaten (u.a. Schloss Neubeuern und St. Ottilien) – In kirchlichen und politischen Milieus je nach Betrachtungsweise mehr oder weniger gut vernetzt – Aktuell im politischen Betrieb als „Ghost“ Reden- und Vortragsschreiber sowie Mitautor und Korrektor. Zudem strategischer und konzeptioneller Berater bei diversen Wahlkampagnen außerhalb Deutschlands. Bis zu meinem Engagement für den Blog eher öffentlichkeitscheu. Das bin ich in gewisser Weise auch heute noch. Persönliche Kontakte pflege ich am liebsten nur beruflich oder in der Familie. Aktuelle Fotos von mir oder Fotos im Zusammenhang mit dem ein oder anderen Projekt vermeide ich, so gut es geht. Ein guter Freund nannte mich einmal einen Semi-Soziopathen. Auch wenn das ein hartes Wort ist: es beschreibt keine psychische Erkrankung, wie man vermuten dürfte und trifft deshalb sehr gut! Zwar bin ich prinzipiell sehr empathisch, doch schätze ich nicht die Nähe von Hinz und Kunz, lasse also ungern Menschen an mich heran. Ich spiele gern und hin und wieder auch erfolgreich mit Sprache, schotte meine Familie so weit es geht von der Öffentlichkeit ab und mache auch immer wieder mal – so auch hier - ein Geheimnis aus meinem vollständigen Lebenslauf. Diese Geheimniskrämerei hat schon manchen dazu verleitet, Legenden über mich zu verbreiten. Aber das ist OK. Ich habe ein sehr dickes Fell und Desinformation ist ja auch ein gern genommenes Tool im politischen Betrieb.