(Michael van Laack) Am kommenden Sonntag will Fürstin Doris von Sayn-Wittgenstein für die AfD-Landesliste Schleswig-Holstein zum Deutschen Bundestag kandidieren. Eigentlich kann sie das gar nicht mehr. Denn sie ist immer noch aus der Partei ausgeschlossen, da das Urteil des Landgerichts Berlin vom 15.04.21 noch keine Rechtskraft erlangt hat. Zudem hat der Bundesvorstand der Partei einstimmig(!) gegen dieses Urteil Berufung eingelegt.

Zudem möchte Gereon Bollmann, ein pensionierter Richter, in den Bundestag und im Landesvorstand die Lücke füllen, die durch Sayn-Wittgensteins Abgang gerissen wurde. Denn aktuell hat der Landesverband keinen Vorsitzenden. Bollmann könnte endgültig oder auch nur als Statthalter – bis die Fürstin wieder in Amt und Würden wäre – den Vorsitz übernehmen.

Bollmann – ein Bock, der den Gärtner gibt!

Gereon Bollmann ist eine männliche Sayn-Wittgenstein light. Er verehrt die Frau, die sich sowohl rechtsradikales Gedankengut zu eigen macht als auch mit manchen kokettiert, denen eine ganz andere Republik als die unsere vorschwebt. Wohl auch deshalb hatte er als Vorsitzender des AfD-Landesschiedsgerichts 2019 in erster Instanz den Parteiausschluss Sayn-Wittgensteins verworfen, was zu ihrer sofortigen Wiederwahl als Landesvorsitzende führte.

Wie parteiisch Bollmann schon zum damaligen Zeitpunkt war und dass er zweifellos als befangen gelten konnte, beweist die Tatsache, dass er unmittelbar nach dem von ihm gesprochenen Urteil einer WhatsApp-Gruppe angehörte, die Sayn-Wittgensteins Wiederwahl organisieren wollte. In dieser Gruppe wurde allerdings nicht nur Strategie gemacht und Hinterzimmer-Deals vorbereitet, sondern auch der Verehrung Adolf Hitlers und seiner arischen Ideale gefrönt.

Bollmanns blonde Mädchen

Am 20. Juli 2019 – dem Jahrestag des Stauffenberg-Attentats auf Hitler – war selbstverständlich auch für Bollmann auch Sayn-Wittgenstein Trauer angesagt. Aber nicht, um die hingerichteten Widerstandskämpfer, sondern um verlorene deutsche Ideale und den „feigen Mordversuch am Führer.“

Wie Gereon Bollmann das gemeint hat? Vermutlich so, wie es die Fürstin seinerzeit in Ihrer Antwort auf seine Nachricht verstand:

In dem von der ehemaligen Schleswig-Holsteinischen AfD-Vorsitzenden beworbenden Artikel eines Autors mit dem vielsagenden Alias „Siegfried“ findet sich manches Erhellende. Auch zur Ankündigung Bollmanns, dass „wir“ nicht aufgeben!

Eine weitere Kostprobe gefällig? „…Zusätzlich zu ihren außenpolitischen Bestrebungen arbeiteten die Verschwörer an einem weiteren Plan, das deutsche Volk von seinem geliebten Führer zu befreien, der nach ihren Auffassungen täglich zahlreiche Beweise für seine innen- und außenpolitische Unfähigkeit erbracht hatte. Nur vergaßen sie dabei, das deutsche Volk zu fragen, ob es das ebenso will. Ich glaube, ich kann mir ersparen darüber zu spekulieren, welche Antwort das Volk diesen Verrätern gegeben hätte…“ 

Bollmann, der Wolf im Schafspelz

Klar, markige Sprüche klopfen kann der ehemalige Richter. Er schaut, wie es so schön heißt, dem Volk aufs Maul, so z. B., als er anlässlich eines Auto-Korsos gegen die Lockdown-Maßnahmen von einer von der Bundesregierung geplanten Pandemie sprach, von einem Fake, dass die „gottgleiche“ Kanzlerin verbreiten lasse.

Das kommt an: Bei den Hardlinern, aber auch bei frustrierten Bürgerlichen in der Partei. Und deshalb – so scheint es – hat der Mann, der blonde Zopfmädchen liebt und sich wie seine Fürstin eine Zeit wünscht, in der – wie einstmals Adolf Hitler – endlich wieder ein geliebter Führer unsere Schicksalsgemeinschaft anführt, gute Chancen, wie seine Führerin auf einen aussichtsreichen Listenplatz in Schleswig-Holstein gewählt zu werden. Niemand möge nach der Wahl sagen, er habe von alldem nichts gewusst.

Reichen blonde Zöpfe für Bollmanns und Sayn-Wittgensteins Endsieg?

Die einzige Frage, die bleibt. Wird der Flügel die Listenwahl in Schleswig-Holstein nutzen, um einen weiteren Triumph über Meuthens Truppe für sich reklamieren zu können. Und werden die Wähler auf dem Listenparteitag tatsächlich dem edlen unschuldig und germanisch trutzig zugleich wirkenden Antlitz Sayn-Wittgensteins ein Lächeln auf die Lippen zaubern. Werden sie also jemanden wählen, deren Parteiausschluss noch immer rechtskräftig ist, um zu zeigen: Wir sind die wahre AfD. Eure Beschlüsse sind wertlos!

Und werden die Wähler sich für Gereon Bollmann als Bundestagskandidaten entscheiden und am Tag zuvor vielleicht schon als (Interims-)Vorsitzenden des Landesvorstands, weil sie keinerlei Veranlassung haben, daran zu zweifeln, dass er auf dem Fundament der freiheitlich-demokratischen Grundordnung steht und sich auch kein anderes „System“ wünscht. Oder werden sie ihn vielleicht gerade deshalb wählen, weil auch sie sich nach Zeiten zurücksehnen, in denen blonde und blauäugige Zopfmädel auf jedem Plakat der Aktion Lebensborn prangten? Wir wissen es nicht, doch am Sonntag sind wir schlauer!

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Jahrgang 1965 – Wohnsitze in Bayern und NRW - Deutscher und US-amerikanischer Staatsbürger – Zunächst Berufsausbildung zum Industriekaufmann/Wirtschaftsassistent – Danach Diplomstudiengänge (Katholische Theologie, Philosophie, Geschichte und Erziehungswissenschaften) u.a. in Bochum und Passau. – Einige Jahre Erzieher in privaten Internaten (u.a. Schloss Neubeuern und St. Ottilien) – In kirchlichen und politischen Milieus je nach Betrachtungsweise mehr oder weniger gut vernetzt – Aktuell im politischen Betrieb als „Ghost“ Reden- und Vortragsschreiber sowie Mitautor und Korrektor. Zudem strategischer und konzeptioneller Berater bei diversen Wahlkampagnen außerhalb Deutschlands. Bis zu meinem Engagement für den Blog eher öffentlichkeitscheu. Das bin ich in gewisser Weise auch heute noch. Persönliche Kontakte pflege ich am liebsten nur beruflich oder in der Familie. Aktuelle Fotos von mir oder Fotos im Zusammenhang mit dem ein oder anderen Projekt vermeide ich, so gut es geht. Ein guter Freund nannte mich einmal einen Semi-Soziopathen. Auch wenn das ein hartes Wort ist: es beschreibt keine psychische Erkrankung, wie man vermuten dürfte und trifft deshalb sehr gut! Zwar bin ich prinzipiell sehr empathisch, doch schätze ich nicht die Nähe von Hinz und Kunz, lasse also ungern Menschen an mich heran. Ich spiele gern und hin und wieder auch erfolgreich mit Sprache, schotte meine Familie so weit es geht von der Öffentlichkeit ab und mache auch immer wieder mal – so auch hier - ein Geheimnis aus meinem vollständigen Lebenslauf. Diese Geheimniskrämerei hat schon manchen dazu verleitet, Legenden über mich zu verbreiten. Aber das ist OK. Ich habe ein sehr dickes Fell und Desinformation ist ja auch ein gern genommenes Tool im politischen Betrieb.