(Michael van Laack) Nach einigen Artikeln zu Hochfesten unserer Kirche, die – nicht nur coronabedingt – mehr politisch als religiös geprägt waren, möchte ich heute wieder etwas ohne große Eigenleistungen an unsere Leser aussenden. Sozusagen Liturgiegeschichte und Schriftauslegung pur. Das konnte niemand besser als der von den meisten buntlackierten roten Christen verachtete selige Kardinal Alfredo Ildenfonso Schuster.

Ihn und den großen Weisheitslehrer Thomas von Aquin möchte ich daher zu Wort kommen lassen, ohne ihre Gedanken mit meinen im Verhältnis dazu minderwertigen Überlegungen zu verwässern. Im Folgenden gebe ich deshalb (leicht gekürzt, mit eigenen Zwischenüberschriften versehen und der aktuellen Rechtschreibung behutsam angepasst) Schusters Ausführungen zu Fronleichnam aus seinem „Liber Sacramentorum“ (V. Band: Die Sonntage nach Pfingsten – Die ewige Hochzeit des Lammes, Regensburg, 1930).

Die Verbindung zwischen Gründonnerstag und Fronleichnam

In der alten Zeit beherrschte das Gedächtnis an die Ein­setzung der hl. Eucharistie die Liturgie des Gründonnerstags, sodass dieser Tag auch „dies paschalis“ genannt wurde. Mit Recht! Denn Jesus ist unser Osterlamm, unser Opfer und unsere Opferspeise. Als dann aber der Eifer der Gläubigen nachließ, die Osterkommunion und die Weihe der hl. Öle mit dem Morgenopfer vereinigt wurden und die Andacht der Gläubigen sich mehr der Passion des Erlösers zuwandte, da trat der Gedanke an die Einsetzung des Osteropfers zurück.

Somit wurde es notwendig, zu Ehren der hl. Eucharistie ein eigenes Fest einzuführen, besonders als Irrlehren gegen das hl. Geheimnis verbreitet wurden. Papst Urban IV. feierte Fronleichnam zum ersten Male im Jahre 1264 und Klemens V. dehnte es auf die ganze Kirche aus.

Thomas von Aquin, der Schöpfer des heutigen Messformulars

Das Offizium für das Fronleichnamsfest, voll tiefsten dog­matischen Lehrgehalts und unübertroffener Feinheit des Aus­drucks, ist ein Werk des hl. Thomas, der, sich an die liturgischen Traditionen anlehnend, Antiphonen, Lesungen und Respon­sorien teilweise aus anderen Kirchen herübernahm. Die Prozession nach dem Hochamt wurde erst im 15. Jahrhundert vorgeschrieben.

INTROITUS (Ps 80, 17), vom Pfingstmontag. Das „Weizens Mark“ bedeutet den Leib Jesu, der vom Heiligen Geiste im Schoße der reinsten Jungfrau gebildet wurde. Er heißt das „Mark des Weizens“, denn die hypostatische Union mit dem Worte Gottes erhebt ihn über alle Kreatur. Dieser Gott­mensch ist Zweck und Ziel der ganzen Schöpfung. Deshalb konnte Tertullian sagen, der ewige Schöpfer habe Christus, den Urtyp, vor Augen gehabt, als er den Leib Adams bildete.

Das Opfer des Altares ist die mystische Fortsetzung von Golgatha

Die KOLLEKTE zeichnet sich durch theologische Tiefe, Knappheit im sprachlichen Ausdruck und Vornehmheit aus. Sie beweist, dass St. Thomas nicht bloß Theologe war, sondern dass er feinen künstlerischen Geschmack besaß und mit dem liturgischen Gut der Kirche wohl vertraut war. Im Allgemeinen sind die Kollekten des späten Mittelalters kraftlos sowohl in den Gedanken als im Ausdruck, die Fronleichnamsoration hingegen darf man als klassisch bezeichnen. Ihr ganz besonderer Vorzug liegt darin, dass in den wenigen, aber glücklich gefassten Sätzen das ganze Wissen über die hl. Eucharistie enthalten ist.

„Gott, du hast uns in dem wunderbaren Sakra­mente…“: Das Sakrament ist wunderbar, weil es nicht, wie die übrigen Sakramente, die Gnade im Augenblicke des Empfangs hervorbringt, sondern weil der Urheber der Gnade in der Eucha­ristie auch außerhalb des Opfers und der hl. Kommunion sein Leben· unter uns fortsetzt.

„Das Andenken an dein Leiden hinterlassen…“, d. h. das Opfer des Altares. Es ist zwar unblutig, aber doch ein wahres und wirkliches Opfer, eine Erneuerung des Opfers auf Golgatha, und seine mystische Fortsetzung. Jesus setzte die Eucharistie als Opfer ein, um uns seine ganze Liebe zu erzeigen. Nach seiner Auferstehung konnte er sich nicht mehr blutigerweise für uns opfern. Darum wollte er uns wenigstens die Verdienste seines Leidens und Sterbens zuwenden, und trug den Priestern auf, ohne Unterlass die Opfer unblutigerweise auf den Altären für das Heil der Welt dem Vater darzubringen.

Die Eucharistie ist real der Leib und das Blut, nicht nur mystisch

Doch hatte er noch einen anderen Grund. Weil das Geheimnis des Kreuzestodes Jesu den meisten Eindruck auf das Herz der Menschen macht und auch die Liebe Jesu am besten zeigt, so wollte er, dass dies Opfer nicht bloß eine geschichtliche Tatsache aus vergangenen Zeiten sei, und darum ohne tiefere Einwirkung auf die späteren Geschlechter, sondern dass der Akt seiner höchsten Liebe zu den Geschöpfen uns immer vor Augen stehe.

,,Wir bitten: lass uns das hl. Geheimnis deines Leibes und Blutes so verehren, dass wir die Früchte deiner Erlösung allzeit in uns wahrnehmen.“ St. Thomas nennt die Eucharistie „Das Geheimnis des Leibes und Blutes Jesu“, weil das hl. Sakrament nicht eine bloße Erinnerung an Golgatha ist, sondern wahrhaft Jesu, Leib und Blut enthält, jenen Leib, der auf der Waage des Kreuzes unser Lösepreis geworden ist. St. Augustin bezeichnet daher das Messopfer als „Opfer unseres Lösepreises“. Die be­sondere Gnade, um welche die Kirche uns heute bitten lehrt, ist die Andacht zur hl. Eucharistie, eine Andacht, die nicht nur in Gebeten und Prozessionen besteht, sondern vor allem in der Bewahrung der Gnadenfrüchte des Erlösungsopfers.

Eucharistieschändung führt ewig weg von Gott

Die EPISTEL (1 Kor 11, 23-29) enthält den ältesten Ein­setzungsbericht der Eucharistie. Die Erfahrung lehrt, dass der häufige Empfang der hl. Kommunion für eine wohlvor­bereitete Seele überaus heilsam ist, aber auch, dass eine un­würdige Kommunion, besonders wenn sie lange Zeit fort­gesetzt wird, die Seele verhärtet und immer mehr von Gott entfernt. Diesen Zustand beschreibt Paulus in düsteren Farben; er sagt sogar, dass solche Sünder sich das Gericht hineinessen und hineintrinken. Gleichwie die Speise sich in das Fleisch und Blut des Menschen umwandelt, so ereilt den Schänder der Eucharistie das Gericht Gottes und dringt ihm in sein Fleisch und Blut hinein.

GRADUALE (Ps 144, 15-16), vom 3. Donnerstag der Fasten­zeit. Einst hatte der Herr zu Kana der seligsten Jungfrau geantwortet, dass die Zeit noch nicht gekommen sei, um der Menschheit jenen geheimnisvollen Wein zu geben, von dem der Hochzeitswein der Brautleute nur das Vorbild war. Jetzt, in der Fülle der Zeiten reicht er dem christlichen Volke die göttliche Speise und den göttlichen Trank, die das Geheimnis der vollbrachten Erlösung durch alle Jahrhunderte fortsetzen.

Erfüllt von Liebe kann der Feind uns nicht überwältigen

ALLELUJAVERS (Joh 6, 56-57): „Mein Fleisch ist wahr­haft eine Speise, und mein Blut ist wahrhaft ein Trank.“ Diese beiden Sätze verurteilen alle Irrlehren, welche die wirk­liche Gegenwart Jesu im Sakrament nur symbolisch erklären wollen. „Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt“, sagt der Herr, „der bleibt in mir und ich in ihm.“ Ich bleibe in ihm und er in mir, d. h. das hl. Sakrament ist gleichsam ein Siegel meiner Gottheit, das der Seele und dem Leibe aufgedrückt wird, sodass sie mir gleichförmig werden. Das allerheiligste Sakrament erfüllt die Seele mit Liebe und lässt sie leben von mir; es gibt ihr Kraft gegen alle Angriffe des bösen Feindes und entreißt sie seinen Händen.

In der herrlichen SEQUENZ fasst der Aquinate die ganze Lehre über die Eucharistie zusammen. Es war wohl nicht leicht ein Thema, das ganz klare und treffende Ausdrücke verlangt, in eine dichterische Form zu bringen. St. Thomas hat dies meisterhaft verstanden:

Der alte Mensch stirbt in der Eucharistie

EVANGELIUM (Joh 6, 56-59). Jesus spricht in der Synagoge von Kapharnaum von den Wirkungen der eucharistischen Speise. Wie der Vater von Ewigkeit her, im Glanze der Gottheit, den Sohn aus seiner Wesenheit zeugt und ihm sein eigenes Leben gibt, so wandelt Jesus durch die Eucharistie die Seele in sich und gießt ihr durch die Gnade sein Leben ein. Augustinus fasst diesen Vorgang in die Worte zusammen: „Du wandelst mich nicht in dich, sondern du verwandelst dich in mich.“

Die durch die Eucharistie genährte Seele lebt, und lebt doch nicht, gerade wie Jesus in der Eucharistie sich opfert und den­noch glorreich lebt. Sie lebt nicht mehr sich, der alte Mensch ist gestorben: Jesus lebt in ihr. Der mystische Tod nimmt ihr das Leben nicht, denn in Jesus lebt sie ein ganz heiliges und gottwürdiges Leben. Daran dachte der Apostel ‚Paulus, als er schrieb: „Nicht mehr ich lebe, Christus lebt in mir.

Die Judas-Kommunion ist nicht nur wertlos, sondern schädlich

Die Eucharistie ist der höchste Beweis der Liebe Gottes. Deshalb schließen die Orientalen sie – für die Kranken­kommunion – in eine goldene Taube ein, das Symbol des Heiligen Geistes, der göttlichen Liebe. Der ganz besondere Liebescharakter der Eucharistie und ihr inniges Verhältnis zum Heiligungswerke des Heiligen Geistes lässt uns ahnen, wie groß die Sünde einer unwürdigen Kommunion und die Ver­unehrung des Allerheiligsten sein muss. Noch mehr: Jesus gibt sich uns in der hl. Kommunion als Unterpfand des ewigen Lebens; wir dürfen ihn hier schon auf Erden besitzen. Wie groß muss daher sein Schmerz sein, wenn der treulose Judas und seine Jünger das Brot des Lebens sich zum Gerichte und zum Tode genießen.

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Jahrgang 1965 – Wohnsitze in Bayern und NRW - Deutscher und US-amerikanischer Staatsbürger – Zunächst Berufsausbildung zum Industriekaufmann/Wirtschaftsassistent – Danach Diplomstudiengänge (Katholische Theologie, Philosophie, Geschichte und Erziehungswissenschaften) u.a. in Bochum und Passau. – Einige Jahre Erzieher in privaten Internaten (u.a. Schloss Neubeuern und St. Ottilien) – In kirchlichen und politischen Milieus je nach Betrachtungsweise mehr oder weniger gut vernetzt – Aktuell im politischen Betrieb als „Ghost“ Reden- und Vortragsschreiber sowie Mitautor und Korrektor. Zudem strategischer und konzeptioneller Berater bei diversen Wahlkampagnen außerhalb Deutschlands. Bis zu meinem Engagement für den Blog eher öffentlichkeitscheu. Das bin ich in gewisser Weise auch heute noch. Persönliche Kontakte pflege ich am liebsten nur beruflich oder in der Familie. Aktuelle Fotos von mir oder Fotos im Zusammenhang mit dem ein oder anderen Projekt vermeide ich, so gut es geht. Ein guter Freund nannte mich einmal einen Semi-Soziopathen. Auch wenn das ein hartes Wort ist: es beschreibt keine psychische Erkrankung, wie man vermuten dürfte und trifft deshalb sehr gut! Zwar bin ich prinzipiell sehr empathisch, doch schätze ich nicht die Nähe von Hinz und Kunz, lasse also ungern Menschen an mich heran. Ich spiele gern und hin und wieder auch erfolgreich mit Sprache, schotte meine Familie so weit es geht von der Öffentlichkeit ab und mache auch immer wieder mal – so auch hier - ein Geheimnis aus meinem vollständigen Lebenslauf. Diese Geheimniskrämerei hat schon manchen dazu verleitet, Legenden über mich zu verbreiten. Aber das ist OK. Ich habe ein sehr dickes Fell und Desinformation ist ja auch ein gern genommenes Tool im politischen Betrieb.