(Michael van Laack) Nicht nur die AfD freut sich, dass sich die deutliche Mehrheit der 48 % Parteimitglieder (für eine Online-Unfrage sehr gut, wie man hört), die sich an der Wahl des Spitzen-Duos beteiligt haben, für Weidel und Chrupalla entschieden hat. Auch die Altparteien und die MSM nehmen diese Nachricht äußerst positiv auf.

Denn für sie gibt es nichts Besseres, als ein Spitzenteam, dem die Nähe zu Höcke nicht einmal unterstellt werden muss und die Nähe zum IB und Götz Kubitschek mit ein paar Winkelzügen mühelos zugeschrieben werden kann. Am bewährten Framing muss sich also nichts ändern.

Neue Wählerschichten gewinnen? Mit welchen Ansätzen?

Ausgeträumt ist seit heute, dass die Partei in den nächsten Jahren in die Nähe der 20 %-Marke auf Bundesebene rückt. Es sei denn, ihr käme eine massive Gesellschafts- und Wirtschaftskrise zur Hilfe, die niemand unserem Vaterland wünschen wird, aber aufgrund der Lockdownpolitik und zusätzlicher hoher Verschuldungen für den Green Deal und den europäischen Migrationspakt von Monat zu Monat wahrscheinlicher wird.

Wie auch immer! Aus den in Teilen noch vorhandenen bürgerlichen Milieus in CDU/CSU, FDP und den aktuell nach der 5 %-Hürde greifenden „Freien Wählern“ wird dieses Spitzenduo kaum einen Wähler gewinnen.

Müßig ist freilich die Frage, ob und wie viele Wähler im Osten verloren gegangen wären, wenn Cotar und Wundrak die Wahl für sich entschieden hätten. Dennoch dürfte es zu keiner nennenswerten Verschiebung im Wählerverhalten zuungunsten der Partei gekommen sein. An das Nichtwählerlager wären ggf. einige verloren gegangen, aber aus Frust über Cotar/Wundrak hätte wohl niemand sein Kreuzchen bei der CDU, der FDP oder gar der Linkspartei und den Grünen gemacht.

Der Wahlkampf wird blutig – Die Berichterstattung auch!

Und zwar weniger jener der politischen Mitbewerber, auch wenn diese selbstverständlich nun noch mehr Munition gegen die aus ihrer Sicht „zutiefst nationalsozialistische Partei“ haben. Blut werden die Medien fließen lassen. Zuerst nur als Rinnsal, doch mit dem Näherrücken des Wahltermins wird die Wahl der Waffen auf Großkaliber umgestellt und sowohl Zahl als auch Intensität der Wunden immer größer.

Lediglich aus rein taktischen Gründen haben die Medien vor der Entscheidung über die Spitzenkandidatur darauf verzichtet, gegen Chrupalla und vor allem Weidel Leichen aus den Kellern zu holen. Denn sie wollten verhindern, dass ihr Wunschduo vor dem Mitglieder-Votum Schaden nehmen könnte. Diese „Leichen“ werden nun in den nächsten Wochen allesamt in die pralle Sommersonne gestellt, damit sie eine möglichst massive Geruchsbelästigung erzeugen.

Keine Angst vor dem Verfassungsschutz? Besser doch!

Ja kein Zweifel, der Verfassungsschutz wurde und wird auch weiterhin politisch gegen die AfD instrumentalisiert. Aber das bloße Wissen darum und das Kleinreden dieser sehr gefährlichen Situation allein hilft der AfD nicht. Wenn sie auch noch so oft die berechtigte Ausage wiederholt, der Verfassungsschutz entwickle sich zunehmend zum Regierungsschutz: Das wird untergehen im Tsunami des negativen Framing der MSM. Zudem steht zu befürchten, dass nach dem neutigen Sieg dieses Duos die wirklichen Rechtsausleger der Partei weiteres Öl ins Feuer gießen werden, mit sprachlichen wie inhaltlichen „Feuerwerken“ Argumentationshilfen für das BfV liefern und die Diskussion um eine Beobachtung weiter anheizen.

Selbst wenn sich die Partei am Ende juristisch erfolgreich gegen eine Beobachtung zur Wehr setzen sollte: Für die Bundestagswahl kommt das zu spät. Mit Chrupalla und vor allem weidel wurden zwei Akteure gewählt, die aufgrund ihrer Vernetzung im Flügel die Partei massiv angreifbar machen. Doch was hilft das Jammern und „Hätte, Hätte, Fahrradkette“-Rezitieren. Es ist nun so gekommen. Die wählenden Mitglieder haben sich für den Konfrontationskurs entschieden. Sie sind risikobereit!

Aber sind sie auch kampf- und abwehrbereit? Oder werden sie sich aus dem Staub machen, wenn der Angriff zu massiv wird? Wollen es dann eventuell viele von denen, die lagerübergreifend Weidel und Chrupalla gewählt haben, nicht mehr gewesen sein? Wie viele Legionen haben Weidel und Chrupalla, wenn es hart auf hart kommt? Außer dem Flügel selbstverständlich!

Kann die Einheit nach außen gewahrt und nach innen wieder hergestellt werden?

Die entscheidende Frage ist aus meiner Sicht: Wie werden sich die Bürgerlichen in der Partei verhalten? Werden sie sich in Arkandisziplin und Parteiraison üben? Die meisten Mandatsträger, die auf Wiederwahl hoffen und die neuen Kandidaten tun das zweifellos. Aber was wird an der Basis geschehen? Kommt es zu einem Exodus, zu einem Ausbluten des liberal-konservativen Spektrums in der Partei noch vor der Bundestagswahl?

Oder kommt es auf Landes- und Kreisebenen zu „Wahlkampfhilfen“ a la Söder und Junge Union gegenüber Laschet? Wird sich vielleicht gar eine Gruppe organisieren, die bis zur Bundestagswahl den loyalen Parteisoldaten gibt, aber dann mit der neuen Bundestagsfraktion bricht? All das wissen wir nicht! Was wir wissen, ist: die wählenden Mitglieder haben Weidel und Chrupalla einen eindeutigen Auftrag gegeben.

Von ihnen erhofft man sich einen erfolgreichen Bundestagswahlkampf und ein starkes Ergebnis. Stark zumindest in der Relation zu dem, was Hass und Hetze des politischen Gegners und der Medien zulassen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Heute haben die beiden ihre weitere politische Karriere erstmals mit der Notwendigkeit eines Erfolges verknüpft. Ich bin mir sicher, dass sie sich dessen bewusst sind.

Wie auch immer… Es ist, wie es ist. Nun müssen die Mandatsträger und Wahlkämpfer der verschiedenen Strömungen zumindest für ein paar Monate Seit an Seit marschieren, den Blick im Zorn zurück vermeiden und gemeinsam den harten Wahlkampf absolvieren. Für Deutschland und die Zukunft unserer Kinder. Gegen den drohenden Sozialismus. Was danach kommt, kommt danach. Oder eben auch nicht!

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Jahrgang 1965 – Wohnsitze in Bayern und NRW - Deutscher und US-amerikanischer Staatsbürger – Zunächst Berufsausbildung zum Industriekaufmann/Wirtschaftsassistent – Danach Diplomstudiengänge (Katholische Theologie, Philosophie, Geschichte und Erziehungswissenschaften) u.a. in Bochum und Passau. – Einige Jahre Erzieher in privaten Internaten (u.a. Schloss Neubeuern und St. Ottilien) – In kirchlichen und politischen Milieus je nach Betrachtungsweise mehr oder weniger gut vernetzt – Aktuell im politischen Betrieb als „Ghost“ Reden- und Vortragsschreiber sowie Mitautor und Korrektor. Zudem strategischer und konzeptioneller Berater bei diversen Wahlkampagnen außerhalb Deutschlands. Bis zu meinem Engagement für den Blog eher öffentlichkeitscheu. Das bin ich in gewisser Weise auch heute noch. Persönliche Kontakte pflege ich am liebsten nur beruflich oder in der Familie. Aktuelle Fotos von mir oder Fotos im Zusammenhang mit dem ein oder anderen Projekt vermeide ich, so gut es geht. Ein guter Freund nannte mich einmal einen Semi-Soziopathen. Auch wenn das ein hartes Wort ist: es beschreibt keine psychische Erkrankung, wie man vermuten dürfte und trifft deshalb sehr gut! Zwar bin ich prinzipiell sehr empathisch, doch schätze ich nicht die Nähe von Hinz und Kunz, lasse also ungern Menschen an mich heran. Ich spiele gern und hin und wieder auch erfolgreich mit Sprache, schotte meine Familie so weit es geht von der Öffentlichkeit ab und mache auch immer wieder mal – so auch hier - ein Geheimnis aus meinem vollständigen Lebenslauf. Diese Geheimniskrämerei hat schon manchen dazu verleitet, Legenden über mich zu verbreiten. Aber das ist OK. Ich habe ein sehr dickes Fell und Desinformation ist ja auch ein gern genommenes Tool im politischen Betrieb.