(Michael van Laack) Alice Weidel mag es gar nicht, wenn der so genannte Partei-Manager, der u.a. alle E-Mail-Adressen der Mitglieder enthält, für Interessen und Anliegen einzelner Gruppen oder Personen verwendet wird. Darauf hat sie schon mehrfach intern hingewiesen. Ob sie sich heute auch darüber echauffiert hat, dass die Landesverbände Sachsen und Sachsen-Anhalt diese „heiligen Daten“ verwendeten, um Werbung für sie und Tino Chrupalla zu machen?

Freie und geheime Wahl auf Sächsisch!

Selbstverständlich gibt es bei internen Wahlen in jeder Partei Personen mit großer Reichweite, die sich öffentlich für den einen oder anderen Kandidaten aussprechen. Es ist allerdings vollkommen unüblich und aus meiner Sicht auch schädlich, wenn Parteivorstände den Tag, an dem an die Parteimitglieder der Link versandt wird, mit dem sie sich an der Wahl beteiligen können, auf die gleichen Daten des Partei-Managers zurückgreifend, werbend für Kandidaten auftreten.

So ist das allerdings heute zumindest in Sachsen und Sachsen-Anhalt geschehen. Wir geben im Folgenden unkommentiert die beiden Aufrufe wieder. Möge sich jeder Leser selbst ein Bild davon machen, ob er das für legitim hält und welche Konsequenzen er daraus ziehen wird, sollte er wahlberechtigt sein:

Der Landesvorstand Sachsen-Anhalt gibt bekannt, dass…

Liebe Mitglieder der AfD-Sachsen-Anhalt,

heute habt Ihr eine Email der Bundesgeschäftsstelle erhalten, in der Ihr aufgefordert werdet, über unser Spitzenteam zur Bundestagswahl abzustimmen. Zur Wahl stehen das Duo Tino Chrupalla / Alice Weidel auf der einen und Joana Cotar / Joachim Wundrak auf der anderen Seite. Beide Konstellationen haben Qualitäten. So wollen wir es ausdrücklich nicht als Abwertung des Duos Cotar/Wundrak verstanden wissen, wenn wir das Duo Chrupalla/Weidel favorisieren und zu dessen Wahl aufrufen.

Joachim Wundrak ist sicherlich eine integre Person, jedoch noch zu unbekannt, um viele Wähler zu mobilisieren. Bei der Bürgermeisterwahl in Hannover hat er enttäuschende 4,6% der Stimmen erhalten und konnte gerade bei dem avisierten bürgerlichen Publikum nicht punkten. Ebenso ist Joana Cotar als Sprecherin der Bundestagsfraktion für Digitalisierung eher wenig bekannt.

Tino Chrupalla dagegen trat 2019 die Nachfolge von Gauland an und dient unserer Partei seitdem als weithin bekannter Co-Sprecher neben Jörg Meuthen. In der Bundestagsfraktion ist er stellvertretender Vorsitzender. Alice Weidel wiederum fungiert in der Partei als stellvertretende Bundessprecherin, während sie der Bundestagsfraktion neben Alexander Gauland als Co-Sprecherin vorsteht.

Tino Chrupalla und Alice Weidel bringen so nicht nur eine große Bekanntheit und ein enormes politisches Kampfgewicht auf die Waage, sie stehen in ihrer Verbindung auch für die enge Verzahnung von Partei und Fraktion, die wir brauchen, um die kommenden Auseinandersetzungen zu bestehen.

Das Duo Chrupalla/Weidel hat nach unserer Einschätzung alles in allem somit die höheren Erfolgschancen bei der Bundestagswahl – und nur darauf sollte es uns ankommen.
Der Landesvorstand der AfD-Sachsen-Anhalt empfiehlt daher seinen Mitgliedern, für Chrupalla/Weidel zu stimmen.

Der Landesvorstand der AfD-Sachsen-Anhalt

Aufruf von Jörg Urban im Namen des Landesvorstands Sachsen

Sehr geehrte(r) XXX YYY

im Laufe des heutigen Tages erhalten Sie von der Bundesgeschäftsstelle Ihre personalisierten Zugangsdaten für die Online-Mitgliederumfrage zu unserem Spitzenkandidaten-Duo zur Bundestagswahl 2021.

Die Umfrage wird von Montag, dem 17.05.2021, 12 Uhr, bis zum Pfingstmontag, dem 24.05.2021, 23:59 Uhr dauern.

Jedes stimmberechtigte Mitglied hat eine Stimme. In Anlehnung an § 6 (2) Wahlordnung kann jedes Mitglied entweder mit Ja (zu einem Spitzenduo) oder mit Nein (zu allen Spitzenduos) oder mit Enthaltung stimmen.

Wir bitten Sie, von Ihrem Wahlrecht vollumfänglich Gebrauch zu machen. Als Landesvorstand der AfD Sachsen unterstützen wir selbstverständlich das Spitzenduo mit unserem Bundesvorsitzenden Tino Chrupalla & Alice Weidel.

Bitte geben Sie beiden die Chance, unsere Partei in einen erfolgreichen Bundestagswahlkampf zu führen und dadurch das bestmögliche Wahlergebnis zu erreichen.

Mit patriotischen Grüßen
Jörg Urban – Landesvorsitzender & Jan Zwerg – Generalsekretär

Beeinflussung der Wahlentscheidung

Selbstverständlich entscheidet am Ende jedes Mitglied im Gewissen, welches das geeignete Kandidatenpaar ist. Dennoch sehe ich in diesen Mitteilungen den Versuch der Einflussnahme durch missbräuchliche Verwendung des Partei-Managers (E-Mail-Adressen) Gerade eine Partei, die „Freiheit“ ganz oben auf ihre Fahne geschrieben hat, sollte bei solch entscheidenden Vorgängen wie der Wahl eines Teams für die Bundestagswahl jeden Anschein eines Manipulationsversuchs vermeiden.

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Jahrgang 1965 – Wohnsitze in Bayern und NRW - Deutscher und US-amerikanischer Staatsbürger – Zunächst Berufsausbildung zum Industriekaufmann/Wirtschaftsassistent – Danach Diplomstudiengänge (Katholische Theologie, Philosophie, Geschichte und Erziehungswissenschaften) u.a. in Bochum und Passau. – Einige Jahre Erzieher in privaten Internaten (u.a. Schloss Neubeuern und St. Ottilien) – In kirchlichen und politischen Milieus je nach Betrachtungsweise mehr oder weniger gut vernetzt – Aktuell im politischen Betrieb als „Ghost“ Reden- und Vortragsschreiber sowie Mitautor und Korrektor. Zudem strategischer und konzeptioneller Berater bei diversen Wahlkampagnen außerhalb Deutschlands. Bis zu meinem Engagement für den Blog eher öffentlichkeitscheu. Das bin ich in gewisser Weise auch heute noch. Persönliche Kontakte pflege ich am liebsten nur beruflich oder in der Familie. Aktuelle Fotos von mir oder Fotos im Zusammenhang mit dem ein oder anderen Projekt vermeide ich, so gut es geht. Ein guter Freund nannte mich einmal einen Semi-Soziopathen. Auch wenn das ein hartes Wort ist: es beschreibt keine psychische Erkrankung, wie man vermuten dürfte und trifft deshalb sehr gut! Zwar bin ich prinzipiell sehr empathisch, doch schätze ich nicht die Nähe von Hinz und Kunz, lasse also ungern Menschen an mich heran. Ich spiele gern und hin und wieder auch erfolgreich mit Sprache, schotte meine Familie so weit es geht von der Öffentlichkeit ab und mache auch immer wieder mal – so auch hier - ein Geheimnis aus meinem vollständigen Lebenslauf. Diese Geheimniskrämerei hat schon manchen dazu verleitet, Legenden über mich zu verbreiten. Aber das ist OK. Ich habe ein sehr dickes Fell und Desinformation ist ja auch ein gern genommenes Tool im politischen Betrieb.