(Michael van Laack) Am morgigen 10. Mai und an den Tagen drumherum (wie es heißt), wollen in Deutschland weit über 100 römisch-katholische Priester, die sich unter der Regenbogenfahne in der Aktion #liebegewinnt versammelt haben, hauptsächlich homosexuellen – aber auch wiederverheirateten geschiedenen – Paaren unter möglichst großer medialer Aufmerksamkeit in ihren Pfarr- oder Ordenskirchen Segen erteilen.

Eine Simulation des Ehesakraments sei das nach ihrem Kirchenrechtsverständnis zwar nicht, aber wenn es in der öffentlichen Wahrnehmung so verstanden würde, wäre das vielen der Protagonisten vermutlich sehr recht.

Kirchenrecht ist ein Nebenkriegsschauplatz

Ich möchte hier nicht die komplexen kirchenrechtlichen Fragen erörtern, nicht darauf eingehen, ob mit diesem Akt des öffentlichen Ungehorsams gegen Lehre und Tradition der Weltkirche nach can 1314 CIC die Exkommunikation sofort eintritt (Tatstrafe) oder es einer ausdrücklichen Spruchstrafe bedarf. Das mögen die handelnden Personen mit ihren kirchlichen Oberen ausmachen, zumal Berufenere als ich dazu in den letzten Tagen aus beiden Lagern mehr als genug sich widersprechende Stellungnahmen abgegeben haben.

Ich möchte hier darum werben, dass wir in der römisch-katholischen Kirche endlich Klarheit schaffen. Klarheit darüber, wo die Befürworter der Segnung Homosexueller, der zukünftig wissentlichen Weihe Homosexueller zu Priestern, der LGBTI-Quote in katholischen Institutionen und der Einführung des Gendersternchens für mehr Geschlechtergerechtigkeit im kirchlichen Diskurs selbst stehen.

Nutzt die Gelegenheit, Euch zu outen

Dann haben wir es endlich alle hinter uns. Dann kann jeder Christ besser einschätzen, ob sich da Priester und andere Theologen wirklich um der Menschen und der Liebe willen für homosexuelle Paare einsetzen oder ob – wie in der Politik – in großer Mehrheit Lobbyisten unterwegs sind, die Minderheiteninteressen in Moral, Dogma und Kirchenrecht festschreiben lassen wollen.

Viele Gläubige (auch eher liberale), die in diesen Wochen sehr verunsichert auf die Debatte und die Aktionen schauen, welche vom „Synodalen Weg“, „Maria 2.0“ und aktuell vor allem von #liebegewinnt ausgehen, stellen sich die Frage, aus welchen Gründen Priester wie…

…Wolfgang F. Rothe

…Heiner Dresen und Christian Olding

…oder Carsten Leinhäuser

…sich so sehr engagieren. Machen sie das, weil es ihnen als Heterosexuelle um nichts anderes geht als die Segnung liebender Menschen? Machen sie das, weil sie glauben, die Kirche samt AT und NT habe seit über 3.000 Jahren geirrt in der Einschätzung, das Ausleben homosexueller Handlungen als „widernatürlich“ und gegen die Schöpfung gerichtet zu bezeichnen? Oder tun sie es hauptsächlich aus dem Grund, weil sie selbst homosexuell bzw. bisexuell sind und sich so besser hineinfühlen können in den tatsächlichen (oder auch nur von gewissen gesellschaftlichen Interessensgruppen eingeredeten) Leidensdruck?

#liebegewinnt-Kleriker sollten sich ehrlich machen

Das Outing könnte zudem (aus Sicht der Protagonisten) einen positiven Nebeneffekt haben. Wenn Rom plötzlich mit hunderten (oder gar tausenden?) zu ihrer Homosexualität stehenden Priestern konfrontiert würde, wäre ein massiver öffentlicher Druck auf Rom geschaffen. Denn dort müsste man dann doch eigentlich zu der Erkenntnis kommen: So schlimm kann das ja alles nicht sein, denn oft schon über Jahrzehnte wirken diese Geistlichen segensreich in unseren Gemeinden.

Doch offensichtlich trauen die homosexuellen Priester in Deutschland dem Braten nicht so ganz und fragen sich stattdessen: Ob wir wirklich von der überwältigenden Mehrheit der deutschen Katholiken (oder wenigstens der Mehrheit unserer eigenen Gemeinde) unterstützt werden, wenn es hart auf hart kommt? Ob die MSM einen ausreichenden Druck erzeugen können, der uns vor Kirchenstrafen schützt, wenn Rom tatsächlich ernst machen wollen würde? Ob unsere Bischöfe sich solidarisch hinter uns stellen könnten, wenn dieser Druck käme? Und ob Rom es nicht doch darauf ankommen lassen und eben nicht Deutschland und Benelux als den Nabel der bunten Segenswelt anerkennen und „uns“ ohne Rücksicht auf den Priestermangel unserer lukrativen Arbeitsplätze berauben würde?

Feigheit ist ihr zweiter Vorname

Ich weiß nicht, ob nur 30 oder 50 oder gar 75 % der Priester, die sich an der Aktion #liebegewinnt schon beteiligt haben oder in den kommenden Tagen beteiligen werden, homosexuell sind. Was ich hingegen weiß: Viele dieser Priester lassen sich für ihren Mut feiern, gegen den Willen des bösen Roms homosexuelle Paare zu segnen, die auf der anderen Seite zu feige sind, sich zur eigenen Homo- oder Bi-Sexualität zu bekennen. Und dabei ist es doch gerade Bekennermut, der Martyrer schafft! Ach ja, stimmt: Helden besingen und selbst Heldenmut zeigen sind bekanntlich zwei vollkommen verschiedene Bereiche.

Und wer möchte schon – im übertragenen Sinn – sein buntes Blut vergießen, damit es in den Boden eindringt und so zu Nahrung und Samen wird für eine aus seiner Sicht bessere Kirche. Nein, jeder dieser Protagonisten (und damit meine ich nicht nur die vier oben exemplarisch Erwähnten) ist am Ende doch nur sich selbst der Nächste: Feige, ehrlos, nichts als eine große Klappe!

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Jahrgang 1965 – Wohnsitze in Bayern und NRW - Deutscher und US-amerikanischer Staatsbürger – Zunächst Berufsausbildung zum Industriekaufmann/Wirtschaftsassistent – Danach Diplomstudiengänge (Katholische Theologie, Philosophie, Geschichte und Erziehungswissenschaften) u.a. in Bochum und Passau. – Einige Jahre Erzieher in privaten Internaten (u.a. Schloss Neubeuern und St. Ottilien) – In kirchlichen und politischen Milieus je nach Betrachtungsweise mehr oder weniger gut vernetzt – Aktuell im politischen Betrieb als „Ghost“ Reden- und Vortragsschreiber sowie Mitautor und Korrektor. Zudem strategischer und konzeptioneller Berater bei diversen Wahlkampagnen außerhalb Deutschlands. Bis zu meinem Engagement für den Blog eher öffentlichkeitscheu. Das bin ich in gewisser Weise auch heute noch. Persönliche Kontakte pflege ich am liebsten nur beruflich oder in der Familie. Aktuelle Fotos von mir oder Fotos im Zusammenhang mit dem ein oder anderen Projekt vermeide ich, so gut es geht. Ein guter Freund nannte mich einmal einen Semi-Soziopathen. Auch wenn das ein hartes Wort ist: es beschreibt keine psychische Erkrankung, wie man vermuten dürfte und trifft deshalb sehr gut! Zwar bin ich prinzipiell sehr empathisch, doch schätze ich nicht die Nähe von Hinz und Kunz, lasse also ungern Menschen an mich heran. Ich spiele gern und hin und wieder auch erfolgreich mit Sprache, schotte meine Familie so weit es geht von der Öffentlichkeit ab und mache auch immer wieder mal – so auch hier - ein Geheimnis aus meinem vollständigen Lebenslauf. Diese Geheimniskrämerei hat schon manchen dazu verleitet, Legenden über mich zu verbreiten. Aber das ist OK. Ich habe ein sehr dickes Fell und Desinformation ist ja auch ein gern genommenes Tool im politischen Betrieb.