(Michael van Laack) Sie haben den Druck aus Berlin und dem eigenen Landesvorstand an sich abprallen lassen. Die Delegierten der CDU Süd-Thüringens wählten gestern Abend den ehemaligen Präsidenten des Verfassungsschutzes mit 37 zu 6 Stimmen zu ihrem Spitzenkandidaten. Doch vielen CDU-Kadern gefällt das ganz und gar nicht.

Der Mann, der Kanzlerin Merkel ins Angesicht widerstand und deshalb abgesetzt wurde, könnte nun bald im Bundestag sitzen und somit das aus Sicht der Merkelianer dunkelste Kapitel der Parteigeschichte aufgeschlagen werden. Diese Ansicht taten sie dann gestern auch umgehend in harschen Worten auf Twitter kund.

Neben zahlreichen CDU Prominenten empörten sich selbstverständlich auch Grüne, SPD und die Linkspartei. Augenscheinlich versucht man in diesen Stunden, ähnliche Drohkulissen und Druck-Szenarien aufzubauen, wie nach der Wahl Kemmerichs zum thüringischen Ministerpräsidenten. Damals hatte Angela Merkel die Wahl rückgängig gemacht. Wird sie das noch einmal wagen?

„Wie kann man so irre sein?“

Serap Güler – Staatssekretärin für Integration im NRW-Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration – die erst vor wenigen Tagen mit der steilen These auf sich aufmerksam machte, Migranten seien nur deshalb so häufig mit Corona infiziert, weil die biodeutsche Mehrheitsgesellschaft sie unterprivilegiere, reagierte auf ihren Parteifreund Maaßen wie eine Furie:

Die graue Eminenz des dunkelroten Teils innerhalb der CDU nannte die Wahl gar parteischädigendes Verhalten:

Verärgerung und Empörung bei Grünen, Linkspartei und SPD

Die Fraktionsvorsitzende von Bündnis90/Die Grünen – Katrin Göring Eckardt –  warnte vor einem Rechtsruck der Partei und befürchtete im Fall eines Wahlsiegs der CDU, dass Deutschland rasch ins nächste Weimar stürzen könnte, wenn der ehemalige BfV-Präsident tatsächlich in den Bundestag gewählt würde: „Mit Maaßen öffnet die CDU ihre Türen nach rechts. Armin Laschet muss dringend beantworten, ob & wie er dagegen klare Kante zeigen wird. Spätestens bei kommenden Landtagswahlen in Ostdeutschland muss CDU sich bekennen & zeigen, ob sie Koalition mit #noAfd weiter ausschließt.“

Dietmar Bartsch – Chef der SED 2.0 im Bundestag und aussichtsreicher Koalitionspartner unter der Führung von Bundeskanzlerin in spe Annalena Baerbock – forderte, niemand dürfe mit einer CDU koalieren, der Maaßen angehöre. „Haltung! Gibt es eigentlich Parteien, die eine Koalition mit einer Union, die Maaßen nominiert, ausschließen? Das ist mehr als eine Personalentscheidung!“

Und SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil, der sich vergeblich in den vergangenen Tagen für ein Machtwort von Armin Laschet eingesetzt hatte, um den Mann aus den Reihen der Werte-Union zu verhindern, resümierte heute Abend: „Gegen Rechts und Verschwörungstheorien zeigt man Haltung oder rennt Ihnen hinterher. Laschet und die CDU haben sich heute für Letzteres entschieden. Das ist bitter.“ 

Hält Maaßen dem Druck der nächsten Wochen stand?

Es wäre ihm zu wünschen, aber es ist zu befürchten, dass sich vor allem in der kommenden Woche eine Welle des Hasses über ihn ergießt und eine Druckwelle des Gegenwinds die für solchen Alarmismus stets offene CDU-Parteizentrale in Berlin erreicht. Zumal auch die MSM einen Rechtsruck der CDU wittern und auf jeden Fall verhindern wollen, dass mit Hans Georg Maaßen ein Mensch, den sie mit Wonne aus Amt und Würden geschrieben haben, auf die nationale politische Bühne zurückkehrt.

Auch werden nun manche dunkelrote CDU-Mitglieder aus der Partei austreten werden oder öffentlichkeitswirksam mit Rücktritt drohen, wenn Maaßens Kandidatur nicht rückgängig gemacht wird. Dies dürften Angela Merkel und ihre Gesinnungsgenossen gern zum Anlass nehmen, die dortige Partei noch einmal zum Nachdenken über die Entscheidung zu bewegen.

Demobilisierte CDU hat keinen Handlungsspielraum mehr

Dass es nach der Bekanntgabe der Kanzlerkandidatur Laschets eine große Austrittwelle gab und zahlreiche Kreisverbände nur mit gebremstem Schaum Wahlkampf machen zu wollen angekündigt haben, sollte die Bundesebene eigentlich in Alarmbereitschaft versetzen. Tut es aber nicht.

In diesen Stunden setzen bereits die üblichen Reflexe ein. Die von Merkel nach links geführte und demobilisierte CDU kann eigentlich auch gar nichts anderes mehr, als das Dogma vom ewigen Kampf gegen rechts aufs Neue herunterzubeten und ihre früheren  Alleinstellungsmerkmale weiter zu schleifen. Sowohl jene, die das christliche Menschenbild betreffen als auch ihre liberalkonservative Wirtschaftspolitik, die Konservativismus, Vernunft, Augenmaß und Zukunftszugewandtheit nie als Gegensätze verstand.

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Jahrgang 1965 – Wohnsitze in Bayern und NRW - Deutscher und US-amerikanischer Staatsbürger – Zunächst Berufsausbildung zum Industriekaufmann/Wirtschaftsassistent – Danach Diplomstudiengänge (Katholische Theologie, Philosophie, Geschichte und Erziehungswissenschaften) u.a. in Bochum und Passau. – Einige Jahre Erzieher in privaten Internaten (u.a. Schloss Neubeuern und St. Ottilien) – In kirchlichen und politischen Milieus je nach Betrachtungsweise mehr oder weniger gut vernetzt – Aktuell im politischen Betrieb als „Ghost“ Reden- und Vortragsschreiber sowie Mitautor und Korrektor. Zudem strategischer und konzeptioneller Berater bei diversen Wahlkampagnen außerhalb Deutschlands. Bis zu meinem Engagement für den Blog eher öffentlichkeitscheu. Das bin ich in gewisser Weise auch heute noch. Persönliche Kontakte pflege ich am liebsten nur beruflich oder in der Familie. Aktuelle Fotos von mir oder Fotos im Zusammenhang mit dem ein oder anderen Projekt vermeide ich, so gut es geht. Ein guter Freund nannte mich einmal einen Semi-Soziopathen. Auch wenn das ein hartes Wort ist: es beschreibt keine psychische Erkrankung, wie man vermuten dürfte und trifft deshalb sehr gut! Zwar bin ich prinzipiell sehr empathisch, doch schätze ich nicht die Nähe von Hinz und Kunz, lasse also ungern Menschen an mich heran. Ich spiele gern und hin und wieder auch erfolgreich mit Sprache, schotte meine Familie so weit es geht von der Öffentlichkeit ab und mache auch immer wieder mal – so auch hier - ein Geheimnis aus meinem vollständigen Lebenslauf. Diese Geheimniskrämerei hat schon manchen dazu verleitet, Legenden über mich zu verbreiten. Aber das ist OK. Ich habe ein sehr dickes Fell und Desinformation ist ja auch ein gern genommenes Tool im politischen Betrieb.