(Michael van Laack) Monatelang hatte man jene als Hetzer und Ausländerfeinde beschimpft, die darauf aufmerksam machten, dass Migranten aus dem arabischen Raum im Verhältnis zu ihrem Bevölkerungsanteil deutlich häufiger an Corona erkranken. Mittlerweile gibt man diese Tatsache offen zu, weil es sich nicht mehr verschleiern lässt.  Nun aber suchen Regierungsmitglieder verzweifelt nach Ausreden, die möglichst nichts mit gescheiterter Integration oder einem anderen Kulturverständnis zu tun haben. NRW-Integrationsstaatssekretärin Serap Güler (CDU) hat auch schon einen Erklärungsweg gefunden.

In vielen Regionen belegen Migranten 60 % der Corona- Krankenhausbetten und 40 bis 50 % der Intensiv-Stationen. Aber auch in den Teilen Deutschlands, in denen weniger Migranten leben (z. B. in den Ostbundesländern) ist die Zahl überproportional hoch.

Jens Spahn hatte vor einigen Tagen hinter verschlossenen Türen auf dem sogenannten „Impfgipfel“ (der nur heiße Luft produzierte) zugegeben, es sei schwierig, Migranten für Impfungen zu gewinnen. Als Grund nannte er hauptsächlich die Sprachbarriere und somit mangelnde Aufklärungsmöglichkeiten der Community. Ohne freilich das tiefe Misstrauen, welches viele vor allem muslimische Migranten gegenüber dem nicht-islamischen Staat haben, zu erwähnen.

Güler wählt den antirassistischen Problemansatz

Spahns Begründung des Desasters, das eigentlich nicht als Diskussionsthema in der Öffentlichkeit vorgesehen war, dürfte der Integrationsstaatssekretärin von NRW – Serap Güler – allerdings schon eine zu rassistische Fokussierung dargestellt haben. Deshalb fand sie nun eine Erklärung, die dem woken Teil Deutschlands sehr gut gefallen dürfte: Migranten haben zu kleine Wohnungen und verdienen viel zu schlecht bis gar nichts. Diese soziale Benachteiligung führe zu den höheren Infektionszahlen.

Der antirassistische Weg, das Problem zu betrachten ist für Güler ganz einfach. Er wird exklusiv an der sozialen Herkunft festgemacht. Also so, dass Nationalität, Sprache,  Religion usw. nicht als Argument verwendet werden müssen. Dann fällt auch die belastende Notwendigkeit weg, sich Gedanken über gescheiterte Integration oder gar den Unwillen vieler, Teil der Gesellschaft zu werden, machen zu müssen.

Versagen der Mehrheitsgesellschaft macht Migranten häufiger coronakrank

Das „Phänomen“ liegt einzig und allein darin, dass es die Mehrheitsgesellschaft bisher noch nicht gelungen ist, Migranten aus den Hochhaussiedlungen oder gar Asylunterkünften in angenehmere Wohnverhältnisse zu bringen und ihnen qualifizierte Arbeitsplätze mit höheren Einkommen anzubieten. Bei Güler liest sich das dann in der FAZ so:

„Nein, das ist überhaupt nicht rassistisch. Wir müssen offen über Probleme reden. Zumal es hier ja um Menschenleben geht. Wichtig ist aber, wie wir darüber reden, um Populisten nicht Vorschub zu leisten. Wir müssen das Phänomen im sozialen Kontext sehen. In sozial schwachen Gegenden leben mehr Menschen auf beengtem Raum. Viele Menschen mit Einwanderungsgeschichte arbeiten zudem in der Industrie oder in der Pflege, als Reinigungskraft, als Kassiererin, sie können sich nicht ins Homeoffice zurückziehen. Die Einwanderungsgeschichte ist also nicht der entscheidende Faktor, vielmehr geht es vor allem um die soziale Herkunft.“

„Kampf gegen rechts“ auch hier wichtiger als Gesundheit?

Den Populisten keinen Vorschub leisten ist ein Code-Satz für: Auf keinen Fall die Wahrheit sagen, damit die AfD nicht sagen kann: Das haben wir schon immer gewusst. Deshalb ist es laut Güler wichtig, andere Ursachen zu finden. Und was bietet sich da mehr an, als die soziale Herkunft. Auf dieses Weise kann man den alten weißen nicht migrantischen Besserverdienern auch noch ganz prima ein schlechtes Gewissen machen nach dem Motto: Seit Jahrzehnten behandeln wir Migranten und Asylanten stiefkindlich. Das rächt sich nun. Letztendlich klebt ihr Blut an biodeutschen Händen.

Was Güler vergisst, ist: Die große Mehrheit der Menschen, die in Deutschland in prekären Verhältnisse und/oder auf beengtem Raum leben, sind keine Migranten. Kinderarmut ist kein Migrantenphänomen. Hunderttausende Biodeutsche benötigen selbst mit Arbeitsplatz Hilfe vom Amt. Die soziale Schere klafft in Deutschland nicht zwischen Biodeutschen und Migranten auseinander. Die eigentlichen Probleme sind kultureller und religiöser Art, sprachliche Barrieren kommen hinzu. Das zu benennen, wäre allerdings in Gülers und vieler aufrechter und Anständiger Augen rassistisch.

Und so werden neben Güler in Zukunft wohl auch viele andere das Märchen von der sozialen Herkunft als Hauptursache erzählen. 50 % Muslime in Krankenhäusern und Intensivstationen bei einem Bevölkerungsanteil von unter 7 % lt. Statistischem Bundesamt. Klar, das muss mit schlechter Bezahlung zu tun haben. Denn alle Deutschen leben ja in Saus und Braus!

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Jahrgang 1965 – Wohnsitze in Bayern und NRW - Deutscher und US-amerikanischer Staatsbürger – Zunächst Berufsausbildung zum Industriekaufmann/Wirtschaftsassistent – Danach Diplomstudiengänge (Katholische Theologie, Philosophie, Geschichte und Erziehungswissenschaften) u.a. in Bochum und Passau. – Einige Jahre Erzieher in privaten Internaten (u.a. Schloss Neubeuern und St. Ottilien) – In kirchlichen und politischen Milieus je nach Betrachtungsweise mehr oder weniger gut vernetzt – Aktuell im politischen Betrieb als „Ghost“ Reden- und Vortragsschreiber sowie Mitautor und Korrektor. Zudem strategischer und konzeptioneller Berater bei diversen Wahlkampagnen außerhalb Deutschlands. Bis zu meinem Engagement für den Blog eher öffentlichkeitscheu. Das bin ich in gewisser Weise auch heute noch. Persönliche Kontakte pflege ich am liebsten nur beruflich oder in der Familie. Aktuelle Fotos von mir oder Fotos im Zusammenhang mit dem ein oder anderen Projekt vermeide ich, so gut es geht. Ein guter Freund nannte mich einmal einen Semi-Soziopathen. Auch wenn das ein hartes Wort ist: es beschreibt keine psychische Erkrankung, wie man vermuten dürfte und trifft deshalb sehr gut! Zwar bin ich prinzipiell sehr empathisch, doch schätze ich nicht die Nähe von Hinz und Kunz, lasse also ungern Menschen an mich heran. Ich spiele gern und hin und wieder auch erfolgreich mit Sprache, schotte meine Familie so weit es geht von der Öffentlichkeit ab und mache auch immer wieder mal – so auch hier - ein Geheimnis aus meinem vollständigen Lebenslauf. Diese Geheimniskrämerei hat schon manchen dazu verleitet, Legenden über mich zu verbreiten. Aber das ist OK. Ich habe ein sehr dickes Fell und Desinformation ist ja auch ein gern genommenes Tool im politischen Betrieb.