Altmaier: Pünktlich zur Bundestagswahl wird sich die deutsche Wirtschaft erholen

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Collage mit Ausschnitt aus: Von Foreign and Commonwealth Office - Flickr, OGL v1.0,

(Michael van Laack) Bundeswirtschaftsminister Altmaier hat mal wieder den Malkasten hervorgekramt, der nur rosa Pastellfarben in verschiedenen Nuancen enthält. Seiner Ansicht nach ist das alles halb so schlimm mit der deutschen Wirtschaft. Alles nur eine gefühlte oder schlimmstenfalls kurzzeitige Wachstumsschwäche. Danach wird es wieder kräftig aufwärtsgehen. Für alle selbstverständlich. Vermutlich ab August geht es allen Betrieben wieder so gut wie zuvor.

Im September wird die große dankbare Mehrheit CDU wählen

Denn dann wird nicht nur planmäßig das Wetter großartig sein. Jeder, der sich impfen lassen möchte, hat dann beide Impfungen, die Gastronomie und der Einzelhandel werden boomen, Lockdown-Beschränkungen gelten nur noch für Nichtgeimpfte (die wählen ohnehin nicht die CDU). Am Wahltag werden alle wieder eine heile Welt erleben können und aus übergroßer Freude darüber dankbar die Unionsparteien wählen.

Davon ging Peter Altmaier heute in einem Statement aus. Vor allem aber wären die Leute schon ab August in derartige Kauflaune versetzt, dass wir locker mit einem Wirtschaftswachstum von 3,5 % für 2021 rechnen könnten. Und mit Arbeitslosenzahlen weit unter dem Prä-Corona-Niveau. Und das Laschet statt Söder Kanzlerkandidat wurde, wird dann ebenso vergessen sein wie 16 Jahre Merkel. Denn die CDU kann Krise und Armin steht an ihrer Spitze. Soweit die Schönfärberei des Bundeswirtschaftsministers. Und nun zur grausamen Realität.

Wirtschaft hat Pflegegrad 3

Das jedenfalls sagt Christine Lagarde, die Chefin der Europäischen Zentralbank. Aus ihrer Sicht läuft die europäische Wirtschaft auf zwei Krücken, was auch daran liege, dass der deutsche Konjunkturmotor seit Jahren stocke und zudem die Corona-Verschuldung vor allem Deutschland über längere Zeit lähmen würde. Hinzu käme das unendliche Drucken von Geldmengen, um die Nullzins-Politik aufrecht erhalten zu können. Klingt weniger optimistisch als Altmaier, oder?

Deutschland befindet sich in einer Illusionswirtschaftsphase. Der Staat setzt Unmengen nicht vorhandenes Geld (Schulden) ein, um den Bürgern die Lockdown-Zeit zumindest nicht allzu bitter erscheinen zu lassen. Zudem täuscht das Aussetzen der Insolvenzpflicht über Schieflagen in vielen Betrieben hinweg. Dem widerspricht Altmaier glasklar und deutlich. Nach seiner Ansicht wird es kaum zu Insolvenzen kommen. Dennoch würde er die Insolvenzpflicht gern noch länger ausgesetzt sehen. Und bis wann? Dreimal dürft Ihr raten! Bis Ende September 2021. Ein Schelm, wer übles dabei denkt.

Weimarer Verhältnisse

Zahlreiche Wirtschaftszweige in Deutschland liegen am Boden, können  – sowohl im übertragene Sinn (Gastronomie) als auch im eigentlichen Sinn – wenig bis nichts produzieren. Der Staat häuft einen riesigen Schuldenberg an und erklärt sich gleichzeitig zu „Reparationszahlungen“ (Green Deal, Migrationspakt, EU-Corona-Hilfen) bereit. Jene, die immer vor Weimar warnten schaffen gerade ein Szenario, das in den späten 20ern zum Kollaps geführt hat.

All das sind für Altmaier nur Urban Legends. „Unsere Wirtschaft ist startklar für den Neustart“ und wird noch vor der Bundestagswahl „die Trendwende endgültig schaffen“. Ob er das alles selbst glaubt, wissen wir nicht. Aber es ist anzunehmen. Denn sonst hätte er kaum der verheerenden Finanzpolitik, die Merkel und Scholz primär zu verantworten haben zugestimmt und nicht mit solcher Inbrunst alle Lockdown-Beschlüsse verteidigt. Und wohl auch kaum vor nunmehr schon mehr als einem halben Jahr erklärt: „Kein einziger Arbeitsplatz wird durch die Corona-Krise verloren gehen.“

Na ja, mittlerweile sind es nach Schätzung der Bundesagentur für Arbeit eine Millionen Arbeitsplätze. Aber die werden – so Altmaiers feste Hoffnung – alle im August und September diesen Jahres neu aufgebaut sein. Auch Kurzarbeit wird es dann nicht mehr geben. Und das, obwohl Annalena Baerbock noch gar nicht Kanzlerin ist und zehn Millionen Bundesbürger benötigt, die 24/7 auf fest installierten Fahrrädern strampeln, um die für E-Autos benötigte zusätzliche Energie zu produzieren.

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Jahrgang 1965 – Wohnsitze in Bayern und NRW - Deutscher und US-amerikanischer Staatsbürger – Zunächst Berufsausbildung zum Industriekaufmann/Wirtschaftsassistent – Danach Diplomstudiengänge (Katholische Theologie, Philosophie, Geschichte und Erziehungswissenschaften) u.a. in Bochum und Passau. – Einige Jahre Erzieher in privaten Internaten (u.a. Schloss Neubeuern und St. Ottilien) – In kirchlichen und politischen Milieus je nach Betrachtungsweise mehr oder weniger gut vernetzt – Aktuell im politischen Betrieb als „Ghost“ Reden- und Vortragsschreiber sowie Mitautor und Korrektor. Zudem strategischer und konzeptioneller Berater bei diversen Wahlkampagnen außerhalb Deutschlands. Bis zu meinem Engagement für den Blog eher öffentlichkeitscheu. Das bin ich in gewisser Weise auch heute noch. Persönliche Kontakte pflege ich am liebsten nur beruflich oder in der Familie. Aktuelle Fotos von mir oder Fotos im Zusammenhang mit dem ein oder anderen Projekt vermeide ich, so gut es geht. Ein guter Freund nannte mich einmal einen Semi-Soziopathen. Auch wenn das ein hartes Wort ist: es beschreibt keine psychische Erkrankung, wie man vermuten dürfte und trifft deshalb sehr gut! Zwar bin ich prinzipiell sehr empathisch, doch schätze ich nicht die Nähe von Hinz und Kunz, lasse also ungern Menschen an mich heran. Ich spiele gern und hin und wieder auch erfolgreich mit Sprache, schotte meine Familie so weit es geht von der Öffentlichkeit ab und mache auch immer wieder mal – so auch hier - ein Geheimnis aus meinem vollständigen Lebenslauf. Diese Geheimniskrämerei hat schon manchen dazu verleitet, Legenden über mich zu verbreiten. Aber das ist OK. Ich habe ein sehr dickes Fell und Desinformation ist ja auch ein gern genommenes Tool im politischen Betrieb.