(Michael van Laack) „Selig sind, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden.“, lesen wir in der Bergpredigt. Letzteres – so behaupten viele Vertreter des politisch-medialen Komplexes in diesen Tagen – sei das hauptsächliche Ziel aller Gedenkveranstaltungen zu den an Corona Verstorbenen; selbstverständlich auch jener zentralen Feier, auf der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sprechen wird. Aber ist das wirklich die Intention? Und finden Angehörige Trost im tatsächlichen oder auch nur vermutete Mitleiden Dritter?

Jährlich sterben in Deutschland fast eine Million Menschen

Warum machen wir nicht einen Gedenktag für alle, die jährlich in Deutschland an Herz-Kreislauf-Erkrankungen sterben. Das sind mindestens 350.000 Menschen. Oder für alle an Krebs Erkrankten. Auch das wäre noch eine viertel Million? Sogar den jährlich 20.000 Opfern, die jedes Jahr am Krankenhaus-Keim MRSA versterben, würde es sich zu gedenken lohnen.  Vermutlich nur deshalb, weil der Staat sich in diesem Fall vor seinen Bürgern nicht rechtfertigen muss. Denn er verbietet niemandem das Rauchen, die Arbeit in schadstoffbelasteter Umgebung, das Autofahren oder (außerhalb von Corona) menschliche Nähe, um die Zahl der Todesfälle der genannten Erkrankungen zu begrenzen.

Er hat also den Bürgern keine Freiheiten weggenommen, damit weniger Menschen an bestimmten Todesursachen versterben. Und sieht deshalb auch keine Notwendigkeit, öffentlich mit jenen zu trauern, die aus anderen Gründen einen geliebten Menschen verlorene haben. Manchmal nach langem Leiden, manchmal plötzlich und unerwartet. Deshalb auch nicht selten, ohne Abschied nehmen zu können. All dieses Leid interessiert unsere Politiker nicht. Einzig noch der Tod bei Terroranschlägen wird für Gedenkfeiern genutzt. Aber das auch nur, wenn die richtigen Täter die richtigen Opfer bewirkt haben.

Ein Akt der Selbstvergewisserung

„Schaut her! So viele Menschen d sind an Corona verstorben, obwohl wir von Euch, liebe Bürger, über ein Jahr Opfer um Opfer verlangen. Stell Euch daher vor, wir hätten all diese Lockdown-Maßnahmen nicht getroffen und keine Maskenpflicht eingeführt. Dann wären jetzt vielleicht fünf- oder sogar 100 Mal so viele Eurer Angehörigen oder ihr selbst tot.

Das ist die eigentliche Botschaft dieses Gedenktags. Er dient nicht der Schaffung kollektiver Trauer, die ohnehin nicht jeder mitempfinden und den Angehörigen eher schaden als nützen würde, gäbe es sie wirklich. Denn er führt zumeist nur Erlittenes wieder frisch in die Erinnerung. Er dient der Selbstvergewisserung unserer Spitzenpolitiker, die aus diesem tag die Legitimation saugen für all das, was sie bisher entschieden haben und künftig entscheiden werden.

Wir sind die Leidverhinderer

Und dieser Gedenktag erfüllt eine weitere Funktion: Er soll Empathie der Regierenden mit den Bürgern vorgaukeln. Jene, die keinerlei Mitleid haben mit den Schülern, die in Depressionen verfallen und mit den beruflichen Existenzen, die in diesen Monaten zugrunde gehen, wollen dem Volk demonstrieren: „Wir leiden mit Euch! Wir tun das so sehr, dass wir einen eigenen Gedenktag für Eure Verstorbenen geschaffen haben. Wir haben zuvor jeden Tag ein Licht ins Fenster gestellt. Also schaut auf uns. Wir sind für Euch da, wir leiden mit Euch. Und alles, was wir an Entbehrungen von Euch verlangen, ist nur zu Eurem Besten. Wir bringen kein Leid, sondern verhindern mehr Leid.“

Jeder unserer Leser wird seinen ganz anderen Zugang zu diesem Gedenktag haben. Was mich betrifft: Ich nehme zur Kenntnis, dass es ihn gibt, und höre mir auch die Sonntagsreden an. Aber für mich ist dies kein Tag, von dem ich glaube, dass er auch nur ein wenig jenen Menschen hilft, die einen Angehörigen an Corona verloren haben. Trauerarbeit leistet man zuvörderst selbst, dann mit Unterstützung der eigenen Familie, enger Freunde oder professioneller Hilfe. Aber nicht durch ein Event wie dieses. Das ist nur Pandemie-Folklore!

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Jahrgang 1965 – Wohnsitze in Bayern und NRW - Deutscher und US-amerikanischer Staatsbürger – Zunächst Berufsausbildung zum Industriekaufmann/Wirtschaftsassistent – Danach Diplomstudiengänge (Katholische Theologie, Philosophie, Geschichte und Erziehungswissenschaften) u.a. in Bochum und Passau. – Einige Jahre Erzieher in privaten Internaten (u.a. Schloss Neubeuern und St. Ottilien) – In kirchlichen und politischen Milieus je nach Betrachtungsweise mehr oder weniger gut vernetzt – Aktuell im politischen Betrieb als „Ghost“ Reden- und Vortragsschreiber sowie Mitautor und Korrektor. Zudem strategischer und konzeptioneller Berater bei diversen Wahlkampagnen außerhalb Deutschlands. Bis zu meinem Engagement für den Blog eher öffentlichkeitscheu. Das bin ich in gewisser Weise auch heute noch. Persönliche Kontakte pflege ich am liebsten nur beruflich oder in der Familie. Aktuelle Fotos von mir oder Fotos im Zusammenhang mit dem ein oder anderen Projekt vermeide ich, so gut es geht. Ein guter Freund nannte mich einmal einen Semi-Soziopathen. Auch wenn das ein hartes Wort ist: es beschreibt keine psychische Erkrankung, wie man vermuten dürfte und trifft deshalb sehr gut! Zwar bin ich prinzipiell sehr empathisch, doch schätze ich nicht die Nähe von Hinz und Kunz, lasse also ungern Menschen an mich heran. Ich spiele gern und hin und wieder auch erfolgreich mit Sprache, schotte meine Familie so weit es geht von der Öffentlichkeit ab und mache auch immer wieder mal – so auch hier - ein Geheimnis aus meinem vollständigen Lebenslauf. Diese Geheimniskrämerei hat schon manchen dazu verleitet, Legenden über mich zu verbreiten. Aber das ist OK. Ich habe ein sehr dickes Fell und Desinformation ist ja auch ein gern genommenes Tool im politischen Betrieb.