(Michael van Laack) Der Bundesparteitag in Dresden hat überdeutlich gezeigt, dass die AfD nicht – wie einige jahrelang hofften – eine Partei mit zwei Flügeln ist, die sich schon irgendwie zusammenraufen werden. Was wir dort deutlicher als je zuvor sehen mussten, waren (und bleiben es nun dauerhaft) zwei Parteien mit entgegengesetzter Programmatik. Die eine Partei ist die Alternative für Deutschland. Die andere ist die Flügelpartei, die „Bewegungspartei“, eine Anti-Systempartei.

Wir sahen einen real immer noch existierenden Flügel, der in Dresden mit Heimvorteil bewusst stark aufspielte. Gut vorbereitet und personalstark ging er in den Parteitag. Die Mitte ihrerseits legte vielfach eine „Die Abstimmung wird schon irgendwie gut gehen“-Mentalität an den Tag. Brillante Argumente waren es nicht, die dem Flügel Abstimmungsmehrheiten brachten. Aber wo der Flügel selbstbewusst und mit Wahrheitsanspruch argumentierte, setzte die Mitte auf versöhnliche Appelle, ging der Konfrontation aus dem Weg und wirkte weniger kämpferisch – wohl in der irrigen Annahme, dass der Flügel ebenso wie die Mitte wahlkampfbedingt ein Signal der Einigkeit senden würde.

Politisch kurzsichtig: Die Reißleinenzieher

Und wie nicht anders zu erwarten, zeigen sich Mitglieder der Mitte wieder einmal verunsichert und denken über Austritt nach. „Wozu sich weiter in die Radikalisierung treiben lassen? Ich zieh die Reißleine.“

Diesen Leuten rufe ich zu: Seht Ihr denn nicht die Zeichen? Deutlicher geht es doch gar nicht! Die zukünftige Entwicklung ist absehbar. Zwei Parteien in einer Partei – das wird es nicht mehr lange geben.

Andere Mitglieder sind nach Dresden geradezu erwacht und (endlich) kampflustig. Ihnen rufe ich zu: Richtig so, Ihr seht die Chance! Schön, dass Ihr aufhört, Euch kleiner zu machen als Ihr seid! Schade, dass Ihr zu lange zu geduldig wart. Aber Halleluja, nun ist der Groschen endlich gefallen.

Interessant übrigens: Der gesamte Bundesvorstand hat sich sehr zurückgehalten. Seine Mitglieder verfolgten das Parteitags-Geschehen zumeist relativ gelassen. Denn wer nicht von blinder Hoffnung getragen ist, weiß schon seit geraumer Zeit, dass das Tischtuch zerschnitten ist. Im Bundesvorstand liegt dieses zerteilte Tuch schon seit geraumer Zeit auf dem Sitzungtisch und veeinflusst sowohl Vorschläge als auch das Abstimmungsverhalten.

Im flügelnahen Magazin „Compact“ wurden schon vor Jahren Überlegungen zur Trennung angestellt. Nun wird sie sich bald vollziehen. Wer darauf nicht warten und gehen will, möge das rasch tun. Ja bitte, zieht die Reißleine! Denn wem die politische Weitsicht fehlt, sich die kommende Entwicklung auszumalen, wird niemals eine Politik mitgestalten können, die eine wirkliche Alternative für Deutschland darstellt!

Raus aus der Mithaftung – endlich frei

Fraglich ist nicht mehr das ob, sondern wie sich die Scheidung gestaltet. Klar ist: Bereits die Wahlkampfphase wird davon geprägt sein. Befreit vom Zwang der Mithaftung für die „Bewegungspartei“ mitsamt ihren Ausfälligkeiten werden die Kandidaten der Mitte sich bereits vor der Bundestagswahl freischwimmen und von allem, das nach Anti-System klingt, fernhalten. Dresden hat das möglich gemacht! Danke Dresden!

Programmpunkte, die sogar manchem Flügler peinlich sind und ein aggressiv-spalterischer Auftritt Höckes an Tag 2 haben auch dem Gutgläubigsten endlich verdeutlicht, wie das Spiel funktioniert. Denn was hat der Flügel letztlich auf dem überlegenen Spielfeld Dresden geschossen?

Aus AfD-Sicht nur Eigentore! Sei es mit der sogenannten Corona-Resolution, den Forderungen nach dem Austritt aus der EU und manchen kleineren Anträgen, die im Gegensatz zum verabschiedeten Grundsatzprogramm stehen. In Dresden hat der Flügel der AfD den großen Gefallen getan, aller Welt zu zeigen, dass sich hier zwei vollkommen verschiedene Parteien gegenüber stehen. Ganz anders als beim Lucke oder Petry-Abspaltungsgedöns gehen aus dieser Scheidung zwei eigenständige Parteien hervor, die inhaltlich mit Leichtigkeit voneinander zu unterscheiden sein werden.

Flügelpartei hoffte auf Schrumpfung der Mitte

Freilich werden manche die künftigen Bundestagsabgeordneten zu umgarnen bemüht sein. Denn jetzt beginnt das große Sammeln, das große Vereinnahmen. „Komm doch zum Flügel, Du siehst doch, wir sind die Starken.“ Das funktioniert aber nicht mehr. Denn sich einem reinen Flügel in seiner klaren Anti-System-Ausrichtung anzuschließen wird bald zur bewussten Entscheidung. Die Flügelpartei wird programmatisch nicht einmal mehr ein Abziehbild der AfD und der Verfassungsschutz womöglich schon kurz nach der Wahl ein ständiger Begleiter sein.

Daneben gilt es natürlich auch, die mehrheitlich Meuthen zugewandte Basis zu vergraulen. Das Ziel war letztlich schon immer der Exodus der Mitte. Denn eine schleichende Übernahme ist eleganter als eine offizielle Spaltung, die nun sicher nach der Bundestagswahl ansteht.

Meuthen muss nach Berlin!

Deshalb auch meine dringende Bitte an Professor Dr. Jörg Meuthen: Kommen sie nach Berlin. Eine große Herausforderung steht der Partei bevor! Sie wird nach der Spaltung Führung und eine besonnene Leitung benötigen. Von Brüssel aus werden Sie diesen Beistand nicht nur nicht leisten können, sondern die Partei würde das auch nicht akzeptieren. Der erste Offizier (Chrupalla) wird bald von Bord gehen, um das Kommando auf einem feindlichen U-Boot zu übernehmen oder erster Offizier unter Kapitän Höcke zu werden. Dann werden Sie dringend als Kapitän auf dem Demokratie-Kreuzer „AF Deutschland“ gebraucht, um die Torpedos abzuwehren und effektiv den Altparteien Paroli zu bieten.

Nicht nur durchhalten, sondern gestalten!

Das ist jetzt die Devise. Es gilt, nicht nur mit dem Mund und der Tastatur, sondern aus Überzeugung in der Partei zu wirken. Es gilt auszuharren: allerdings eben nicht in dem Sinn, auf bessere Zeiten zu warten, sondern sie aktiv mitzugestalten und sich vorzubereiten auf den Sturm, der bald losbrechen wird.

Und zwar aus der Überzeugung, dass unser Vaterland dringend eine Partei braucht, die konstruktive Oppositionsarbeit leistet, so bei den Bürgern immer mehr an Zustimmung über ein Protestwähler-Potenzial hinaus generiert, um am Ende koalitionsfähig nicht nur aus Kalkül, sondern aus Überzeugung zu sein. Nur mit einer Fraktion, die ein Team von Überzeugungstätern bildet, kann und wird die AfD erfolgreich sein!

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Jahrgang 1965 – Wohnsitze in Bayern und NRW - Deutscher und US-amerikanischer Staatsbürger – Zunächst Berufsausbildung zum Industriekaufmann/Wirtschaftsassistent – Danach Diplomstudiengänge (Katholische Theologie, Philosophie, Geschichte und Erziehungswissenschaften) u.a. in Bochum und Passau. – Einige Jahre Erzieher in privaten Internaten (u.a. Schloss Neubeuern und St. Ottilien) – In kirchlichen und politischen Milieus je nach Betrachtungsweise mehr oder weniger gut vernetzt – Aktuell im politischen Betrieb als „Ghost“ Reden- und Vortragsschreiber sowie Mitautor und Korrektor. Zudem strategischer und konzeptioneller Berater bei diversen Wahlkampagnen außerhalb Deutschlands. Bis zu meinem Engagement für den Blog eher öffentlichkeitscheu. Das bin ich in gewisser Weise auch heute noch. Persönliche Kontakte pflege ich am liebsten nur beruflich oder in der Familie. Aktuelle Fotos von mir oder Fotos im Zusammenhang mit dem ein oder anderen Projekt vermeide ich, so gut es geht. Ein guter Freund nannte mich einmal einen Semi-Soziopathen. Auch wenn das ein hartes Wort ist: es beschreibt keine psychische Erkrankung, wie man vermuten dürfte und trifft deshalb sehr gut! Zwar bin ich prinzipiell sehr empathisch, doch schätze ich nicht die Nähe von Hinz und Kunz, lasse also ungern Menschen an mich heran. Ich spiele gern und hin und wieder auch erfolgreich mit Sprache, schotte meine Familie so weit es geht von der Öffentlichkeit ab und mache auch immer wieder mal – so auch hier - ein Geheimnis aus meinem vollständigen Lebenslauf. Diese Geheimniskrämerei hat schon manchen dazu verleitet, Legenden über mich zu verbreiten. Aber das ist OK. Ich habe ein sehr dickes Fell und Desinformation ist ja auch ein gern genommenes Tool im politischen Betrieb.