(Michael van Laack) Einen kostenlosen Test pro Woche bieten die Bundesländer in Testzentren oder Arztpraxen dem Bürger an. Jeder weitere (so man denn überhaupt einen Termin bekommt) muss selbst finanziert werden und kostet um die 45 Euro – Selbsttests kosten zwischen 8 und 15 Euro im Einzelpack, die aber gelten nicht als Nachweis.

Trotzdem nennt die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer das Testen eine „Bürgerpflicht“ und Berlins Regierender Bürgermeister macht einen Bummel durch Einzelhandelsgeschäfte von der Vorlage eines tagesaktuellen Schnelltests bzw. Tests vor der Lokalität abhängig.

Der nächste planlose Aktionismus

Um einen härteren Lockdown zu vermeiden, setzen nun immer mehr Bundesländer auf eine hohe regelmäßige Durchtestung ihrer Bevölkerung. Das klingt auf der einen Seite nach einem guten Plan, zeigt aber einmal mehr, wie kurz Politik denkt. Denn wer soll das alles bezahlen? Die Tests in den Schulen zahlt der Bund, eine offizielle Testung pro Woche auch. Doch z. B. Friseure und Einzelhändler müssten sich die Tests selbst beschaffen auf dem freien Markt, um ihre Kunden zu testen. Und mehr Sicherheit brächte das auch nicht.

Zudem ist dieser Schnelltest dann nur für den Moment des Betretens dieser Lokalität gültig. Will man dann in ein anderes Geschäft, dass kein Geld in Schnelltests investiert hat, muss man halt zum eventuell fünf oder mehr Kilometer entfernten Testzentrum eilen, hoffen das man schnell dran kommt und auch noch für den gleichen Tag einen Termin beim Händler bekommt.

Testen, Testen, Testen – Hast du kein Geld, musst Du zu Hause bleiben

Wenigstens mal im Sozialkaufhaus für den Nachwuchs günstig gebrauchte Kleidung kaufen und am nächsten tag nach vielen Monaten mal wieder einen günstigen Haarschnitt beim Friseur? Das würden viele ALG II-Empfänger gern tun und sparen sich dafür auch von den wenigen Euro, die sie vom Staat erhalten – oft unverschuldet in die ALG-Mühlen geraten – einiges vom Munde ab.

Aber auch Minijobber und selbst Menschen, die einer Erwerbstätigkeit im Bereich der Pfändungsgrenze nachgehen, werden sich zweimal überlegen, ob sie für teures Geld Selbsttests durchführen, sich einen zweiten Selbstzahler-Test pro Woche gönnen oder auch nur weite Wege zum Testzentrum in Kauf nehmen. Für Familien mit Kindern ein noch größeres Problem. Sowohl organisatorisch als auch finanziell.

Das untere Drittel der Gesellschaft interessiert Dreyer nicht

„Wer sich testet, hilft dabei, Infektionen rechtzeitig zu erkennen, noch bevor Symptome auftreten und man andere Menschen unbemerkt anstecken kann“, erklärte sie dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Denn „Testen ist auch eine Bürgerpflicht!“ Wie das Menschen in Grundsicherung erreichen sollen? Gar nicht! Aber deren Teilhabe am sozialen Leben interessiert seit mehr als einem Jahrzehnt ja kaum einen Politiker mehr, der ansonsten stets von Rücksicht aufeinander und Barmherzigkeit spricht.

Also sehen wir eine weitere Verschwörungstheorie, die sich zu erfüllen beginnt. Es werden immer mehr indirekte Pflichten konstruiert. Nach dem Motto: Du musst Dich nicht impfen lassen und auch deinen Nachbarn nicht fragen, ob er d dir Geld für Schnelltests leiht. Aber tust Du es nicht, solltest Du immer das schlechte Gewissen haben, Du könntest krank sein und andere infizieren. Und dann wirst Du in diesem Jahr kein Bekleidungsgeschäft, keinen Schnell-Imbiss und demnächst vielleicht nicht einmal mehr einen Bus und Bahn von innen sehen. Schöne neue Welt!

Ganz nebenbei: Aktuell wird geprüft, wie man Einrichtungen für Asylbewerber möglichst schnell mit kostenlosen Selbsttests versorgen kann. Zumindest in NRW, Hessen, Hamburg, Berlin und Bremen. Da sage noch einmal jemand, der Staat sorge nicht dafür dass die „Bürger“ ihren Pflichten problemlos nachkommen können.

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Jahrgang 1965 – Wohnsitze in Bayern und NRW - Deutscher und US-amerikanischer Staatsbürger – Zunächst Berufsausbildung zum Industriekaufmann/Wirtschaftsassistent – Danach Diplomstudiengänge (Katholische Theologie, Philosophie, Geschichte und Erziehungswissenschaften) u.a. in Bochum und Passau. – Einige Jahre Erzieher in privaten Internaten (u.a. Schloss Neubeuern und St. Ottilien) – In kirchlichen und politischen Milieus je nach Betrachtungsweise mehr oder weniger gut vernetzt – Aktuell im politischen Betrieb als „Ghost“ Reden- und Vortragsschreiber sowie Mitautor und Korrektor. Zudem strategischer und konzeptioneller Berater bei diversen Wahlkampagnen außerhalb Deutschlands. Bis zu meinem Engagement für den Blog eher öffentlichkeitscheu. Das bin ich in gewisser Weise auch heute noch. Persönliche Kontakte pflege ich am liebsten nur beruflich oder in der Familie. Aktuelle Fotos von mir oder Fotos im Zusammenhang mit dem ein oder anderen Projekt vermeide ich, so gut es geht. Ein guter Freund nannte mich einmal einen Semi-Soziopathen. Auch wenn das ein hartes Wort ist: es beschreibt keine psychische Erkrankung, wie man vermuten dürfte und trifft deshalb sehr gut! Zwar bin ich prinzipiell sehr empathisch, doch schätze ich nicht die Nähe von Hinz und Kunz, lasse also ungern Menschen an mich heran. Ich spiele gern und hin und wieder auch erfolgreich mit Sprache, schotte meine Familie so weit es geht von der Öffentlichkeit ab und mache auch immer wieder mal – so auch hier - ein Geheimnis aus meinem vollständigen Lebenslauf. Diese Geheimniskrämerei hat schon manchen dazu verleitet, Legenden über mich zu verbreiten. Aber das ist OK. Ich habe ein sehr dickes Fell und Desinformation ist ja auch ein gern genommenes Tool im politischen Betrieb.