(Michael van Laack) In Zeiten wie diesen fällt es vielen Menschen schwer, sich über irgendetwas zu freuen. Denn die Folgen des Lockdown oder andere Alterssorgen bedrücken sie sehr. Und von wirklicher Fürsorge durch den Staat oder Seelsorge durch Klerus und hauptamtliche Theologen kann man auch kaum mehr sprechen. Da erscheint der Name des vierten Fastensonntag fast schon wie Hohn und Spott.

Die römisch-katholische Kirche nennt den vierten Fastensonntag „Laetare“. Wie viele andere Sonntage im Kirchenjahr hat auch er seinen Namen vom ersten Wort des Introitus (Eingangslied): Laetare Ierusalem! – Freu Dich, Jerusalem!

Diese Fastenzeit geht an vielen spurlos vorbei

Und das nicht nur, weil viele Menschen auf so vieles verzichten müssen, dass der Wille  zum zusätzlichen freiwilligen Verzicht kaum mehr vorhanden ist. Sondern auch, weil kaum mehr jemand die Gelegenheit hat, einen Gottesdienst vor Ort zu besuchen. Es fehlt also der übliche Rhythmus des Kirchenjahres.

Die Alltagssorgen lassen an vielen Christen die geprägte Zeit vorüberrauschen. Und noch mehr an denen, die sich nicht virtuell liturgisch beglücken lassen können (weil sie keinen Zugang zum Netz haben oder die Einsamkeit noch intensiver erfahren, wenn sie im TV die Bilder von leeren Kirchen ins Wohnzimmer gesendet bekommen, in denen ein paar Akteure versuchen, Normalität vorzugaukeln.

Grundrechtseinschränkungen, Insolvenzen, linke Sprache, grüne Kirche

Freuen sollen wir uns als Demokraten und Christen in diesen Tagen? Worüber oder worauf? Auf Ostern heißt es! Auf welches Ostern? Auf die Auferstehungsfeier im Wohnzimmer und die Ostereiersuche im Kinderzimmer, weil die Inzidenz (man ist versucht zu schreiben: Wie gewünscht) pünktlich zum Fest wieder gestiegen ist? Oder darüber, dass Hundertausende unserer Kinder psychische Langzeitschäden davon getragen haben? Vielleicht sogar darüber, dass es „die Stammkneipe an der Ecke“ bald nur noch an einem Drittel der bisherigen Orte geben wird, weil die anderen von Merkel & Co. in die Insolvenz getrieben wurden?

Sollen wir uns freuen, dass eine ebenso ehr- wie gewissenlose Clique in diesen Monaten versucht, die deutsche Sprache durch das Gendersternchen zu entstellen? Oder darüber, dass nicht einmal für die vulnerablen Gruppen genug Impfstoff zur Verfügung steht? Sollen wir uns über eine Kirche freuen, die sich seit einem Jahr auf dem „Synodalen Weg“ mehr um die weitere Verweltlichung der Kirche kümmert, als um die Pastoral vor Ort? Eine Kirche, die immer mehr zum Stellvertreter der Bundesregierung wird.

Sollen wir uns darüber freuen, dass alle Konservativen – alle Gegner der Corona-, Migrations-, Klima- und Sozialpolitik – mittlerweile als Nazis bezeichnet werden? Sollen wir uns über eine virtuelle Welt freuen, in der Hass und Hetze nur einseitig sanktioniert  und ansonsten gern übersehen oder sogar staatlicherseits befeuert werden?  Über einen Bundestag, der sich zur Marionette der Regierung degenerieren lässt? Sicher nicht! Aber worüber sollen wir uns dann freuen?

Unsere Freude soll Christus gelten

So, nun folgt ein harter Schnitt. All das ist kein Grund zu Freude. Aber all das ist auch nicht gemeint bei der Frage nach dem, über das wir uns freuen sollten als Christen in diesen Tagen. Das „Laetare Ierusalem“ zielt in eine völlig andere Richtung. Denn der Vers des Introitus geht wie folgt weiter: „Jubelt in der Stadt, alle, die ihr sie liebt. Seid fröhlich mit ihr, alle, die ihr über sie traurig wart. Saugt euch satt an ihrer tröstenden Brust, trinkt und labt euch an ihrem mütterlichen Reichtum!“

Es geht hier um die Auferstehung. Versinnbildet in der „Auferstehung“ einer Stadt. Es geht um das Jerusalem, das am Boden lag, so wie heute auf vielen Feldern Deutschland am Boden liegt. Gott hat Jerusalem wieder groß gemacht. Aber nur wegen der Mitwirkungsbereitschaft der Menschen. Sie haben das Angebot Gottes angenommen, sie haben gewissermaßen sein Wollen unterstützt. So hatten sie Grund zu Freude. Freude über Gott und auch ein wenig Freude über die eigene Leistung. Passivität belohnt Gott niemals. Viele leiden in diesen Tagen, manche jammern auch nur auf hohem Niveau. Eines aber ist sicher: Nichts wird sich bessern, wenn wir nicht mittun: Gott wird das seine nicht beitragen zum Erfolg, wenn wir uns nicht engagieren.

Mitwirkung ist gefragt

Für morgen lass Gott Sorgen? So wäre die Speisung der 5.000 in der Wüste, von der wir heute im Evangelium lesen, niemals möglich gewesen! Sie gelang nur, weil jene, die Brot und Fisch aneinander weiterreichten, daran glaubten, dass es für alle reichen werde, wenn der Herr es sagt. Die hätten auch die Weitergabe verweigern oder aufbegehren können. Gott hat das wunder gewirkt, aber es bedurfte einer Menge, die es zuließ.

Auch heute wirkt Gott noch Wunder, jedoch nicht ohne unsere Mitwirkung. Unsere Mitwirkung  besteht aus dem Glauben an seine Wirkmacht und unsere Bereitschaft, selbst aktiv mitzuwirken, damit Freiheit und Gerechtigkeit wieder zur Normalität wird. Einer Regierung, der kaum mehr jemand vertraut (was sie sich zumeist selbst zuzuschreiben hat) wird kaum mehr etwas bewirken, wenn sie es nicht mit Gewalt durchsetzen lässt. Gott aber will keine Gewalt anwenden, um seine Ziele zu erreichen. Deshalb lässt er uns die Freiheit, Gutes oder Böses zu tun. Doch er unterstützt uns immer auf dem Weg zum Guten und wirkt dann – wenn es für uns ein nicht leistbarer Aufwand wäre – auch unterstützend ein Wunder.

Zum Schluss die Gedanken eines großen Liturgen

Einmal mehr möchte ich einen Artikel mit einem Ausschnitt aus Ildefons Schusters nur noch antiquarisch erreichbarem Werk „Liber Sacramentorum“ ergänzen und abschließen. Diesmal aus dem III. Band: Der neue Bund im Blute des Erlösers, Regensburg, 1929:

„Wer zu hoch fliegen will, fällt leicht tief.“

Auch wenn wir unsere ungeordneten Begierlichkeiten abtöten, müssen wir stets den vernünftigen Forderungen unserer schwachen Menschennatur Rechnung tragen. Deshalb dringen die Lehrer des geistlichen Lebens mit größtem Nachdruck auf die Tugend der Diskretion, welche die rechte Mitte zwischen den zwei Extremen hält. Doch gilt diese Regel nicht für Seelen, die von der Gnade ganz besonders bevorzugt sind. Im Allgemeinen aber kann man sagen, dass Seelen, die in geistlichen Dingen zu hoch hinauf wollen, schließlich das Wort bestätigen: „Wer zu hoch fliegen will, fällt leicht tief.“

Welch ein Unterschied zwischen der armseligen Vorsorge der Menschen und der wunderbaren Vorsehung des allmächtigen Gottes. Philippus und die übrigen Apostel sehen nur die Schwierigkeit, für die große Menschenmenge Brot herbeizuschaffen. Was kann ich armseliger Mensch hier ausrichten? So sprechen auch heute noch viele gutgesinnte, aber bequeme Seelen. Jesus hingegen entzieht uns seinen Beistand nie; und wenn die natürlichen Hilfsmittel erschöpft sind, greift er zu den Wundern göttlicher Allmacht.

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Jahrgang 1965 – Wohnsitze in Bayern und NRW - Deutscher und US-amerikanischer Staatsbürger – Zunächst Berufsausbildung zum Industriekaufmann/Wirtschaftsassistent – Danach Diplomstudiengänge (Katholische Theologie, Philosophie, Geschichte und Erziehungswissenschaften) u.a. in Bochum und Passau. – Einige Jahre Erzieher in privaten Internaten (u.a. Schloss Neubeuern und St. Ottilien) – In kirchlichen und politischen Milieus je nach Betrachtungsweise mehr oder weniger gut vernetzt – Aktuell im politischen Betrieb als „Ghost“ Reden- und Vortragsschreiber sowie Mitautor und Korrektor. Zudem strategischer und konzeptioneller Berater bei diversen Wahlkampagnen außerhalb Deutschlands. Bis zu meinem Engagement für den Blog eher öffentlichkeitscheu. Das bin ich in gewisser Weise auch heute noch. Persönliche Kontakte pflege ich am liebsten nur beruflich oder in der Familie. Aktuelle Fotos von mir oder Fotos im Zusammenhang mit dem ein oder anderen Projekt vermeide ich, so gut es geht. Ein guter Freund nannte mich einmal einen Semi-Soziopathen. Auch wenn das ein hartes Wort ist: es beschreibt keine psychische Erkrankung, wie man vermuten dürfte und trifft deshalb sehr gut! Zwar bin ich prinzipiell sehr empathisch, doch schätze ich nicht die Nähe von Hinz und Kunz, lasse also ungern Menschen an mich heran. Ich spiele gern und hin und wieder auch erfolgreich mit Sprache, schotte meine Familie so weit es geht von der Öffentlichkeit ab und mache auch immer wieder mal – so auch hier - ein Geheimnis aus meinem vollständigen Lebenslauf. Diese Geheimniskrämerei hat schon manchen dazu verleitet, Legenden über mich zu verbreiten. Aber das ist OK. Ich habe ein sehr dickes Fell und Desinformation ist ja auch ein gern genommenes Tool im politischen Betrieb.