(Michael van Laack) Hätte ich drei Wünsche frei, so wäre das neben Zeitreisen, um die schwere Lungenerkrankung meines Vaters und die Flüchtlingswelle rückgängig zu machen eine weitere, um die Nicht-Berufung Jens Spahns zum Bundesgesundheitsminister zu erwirken. Denn auch heute wieder hatte er in der Bundespressekonferenz viel Verstörendes zu berichten.

Auf der einen Seite stünde Deutschland beim Infektionsgeschehen besser da, als die meisten anderen Länder, auf der anderen kamen weitere harte Wochen auf die Bevölkerung zu. Und: Fehler hat Merkels Jens nicht gemacht!

Nach nur drei Monaten schon viele in Seniorenheimen geimpft

Das sei ein voller Erfolg seiner Impfkampagne. In NRW könnte man deshalb schon die Besuchsregelungen für die Bewohner von Senioreneinrichtungen lockern. Toll, Herr Minister. Dann vereinsamen ja jetzt nur noch in 15 Bundesländern Menschen, die auf fremde Hilfe angewiesen sind.

Auch „viele“ über 80-jährige, die noch nicht fremdbetreut werden, konnten schon geimpft werden oder haben zumindest einen ersten Impftermin vor Ostern bekommen. – Auch das ist einfach großartig, oder? Zumindest, wenn man bedenkt, dass in Lesotho oder auf den Fidschi-Inseln noch niemand geimpft wurde.

Der harte Lockdown trägt süße Früchte

Deutschland stehe im europäischen Vergleich – was das Infektionsgeschehen betrifft – im positiven Sinn fast an der Spitze. Weniger Infektionen und vor allem Tote mit Blick auf den Vergleich mit vielen anderen Staaten, verkündete Spahn mit stolzgeschwellter Hühnerbrust. Deshalb – dürfen wir folgern – ist es völlig OK, wenn die Gastronomie und Teile des Einzelhandels in die Insolvenz müssen, ein Drittel der Schüler psychisch auffällig ist und Polizisten Jugendliche durch Parks jagen oder Geburtstagsfeiern in der eigenen Wohnung aufläsen. Selbstverständlich nicht die von Bundestagsabgeordneten.

Dennoch habe die Bundesregierung mit den Ministerpräsidenten in der vergangenen Woche die Rückgabe von Grundrechten bis an die Grenzen des Verantwortbaren zurückgegeben, erläuterte Spahn weiter. – Er nennt also diesen vollständig undurchsichtigen Flickenteppich und das vor und zurück in Abhängigkeit allein vom magischen Inzidenzwert verantwortliches Handeln. Auch hier zeigt sich die Realitätsferne des Ministers.

Denn die Angstmacherei hat in vielen Regionen Deutschlands dazu geführt, dass zahlreiche Einzelhändler zwar wieder die Pforten öffnen dürfen, aber deutlich weniger Kunden sich trauen, in die Geschäfte zu gehen, weil da die Furcht vor der Mutation ist. Und wohl auch, weil die langen Schließungen viele vom Einkauf vor Ort Entwöhnten den Internetkauf für sich entdeckt haben.

Neues Wort für Schnelltests: Der Bürgertest

Diese Wortschöpfung könnte – wer boshaft wäre – auch anders interpretieren… Nun, belassen wir es zunächst mal bei diesem Hinweis! Jens Spahn jedenfalls ist hochzufrieden. In dieser Woche hätten die Schnelltests begonnen. Und das sei ein sehr wichtiuges Signal! Nun wüssten die Bürger endlich, dass sie zum Zeitpunkt des Tests bis zum nächsten privaten Kontakt kein Virusträger sind. Dadurch käme viel mehr Sicherheit in die Bewegungen des Einzelnen.

Was Spahn nicht verrät: Die bei Ärzten zur Verfügung stehenden Schnelltests haben eine Fehlerquote von 30 %. Die bei ALDI und anderen Discountern verkauften Selbsttests unter Voraussetzung der richtigen Anwendung eine Fehlerquote von 40 %. Und beide testvarianten sagen nur etwas über den Ist-Zustand aus. Geht man eine Stunde später in den Supermarkt, kann man sich schon infizieren und am nächsten Tag andere anstecken. Wozu also dann diese Tests, wenn die Regierung – wie es heißt – niemals Privilegien einführen will?

Außerdem stehen den schon geöffneten Testzentren oft nicht genug Tests für den Tagesandrang zur Verfügung. Wer wieder zurückgeschickt wird, verliert rasch die Lust oder ihm fehlt die Zeit, noch einmal anzutreten. – Was die Selbsttests betrifft: Da geht es nur ums Geld verdienen. Für die Hersteller, die Verkäufer und  – wer weiß, vielleicht auch hier wieder für einige Bundestagsabgeordnete. Zudem äußerte Spahn in der Pressekonferenz auch, dass Testen den Pandemieverlauf nicht unter Kontrolle bringt.

Impfen? Läuft alles supergut!

7 % der Bevölkerung seien schon zum ersten Mal geimpft. Das sei eine tolle Leistung, meint Spahn, wenn man bedenke, wie wenig Impfstoff die bösen Hersteller der EU und damit auch Deutschland zur Verfügung gestellt haben. Und – weil in Deutschland alles superschnell laufe – könne man auch schon ab Mitte April damit rechnen, dass alle Hausärzte impfen können. Spahn habe gestern eine Modellpraxis in Berlin besucht und sei begeistert, wie gut das läuft.

Warum man nicht früher daran gedacht habe, die Hausärzte einzubeziehen, fragt Spahns ich dann in der PK selbst und antwortet: Weil wir so schöne Impfzentren aufgebaut haben (für teures Geld), die bisher aus Mangel an Impfstoff leer stehen. Die müssten zunächst einmal wirtschaftlichen Nutzen erbringen. Wenn dann mehr Impfstoff käme (irgendwann), könne man die Hausärzte – gewissermaßen als zweiten Wettbewerber auf dem Impfungsmarkt – mit ins Boot nehmen.

Und deshalb lässt man die Ärzte außen vor, die am besten wissen, welche ihrer Patienten egal welchen Alters primär geimpft werden müssen? „s hieß doch immer: So viele Menschenleben retten wie möglich Aus Konkurrenzdenken gefährdete Menschen schwer erkranken oder sterben lassen? Eine sehr befremdliche Haltung!

Fazit

Wirklich schade, dass ich keine drei Wünsche frei habe! Was Spahn heute – teilweise wieder nach Worten und Satzkonstruktionen zum Besten gab, offenbart einmal mehr das Staatsversagen in der Organisation. Vor allem aber, dass Empathie, das Teilen der Sorgen und Nöte der Bürger, in der deutschen Politik keinerlei Beitrag zu einer Entscheidungsgrundlage mehr bildet.

Auch das heute geheuchelte Mitleid Spahns mit Schülern und Eltern lässt die Entscheider am Ende jeder Runde im Kanzleramt kalt. Denn letztlich zählen nur Inzidenz und R-Wert! Dieser Bundesgesundheitsminister und seine Kanzlerin wurschteln einfach herum. Hier ist ein Loch, das stopfe ich schnell. Da ist eine Naht geplatzt? Die wird mit heißer Nadel genäht. Was sie nicht bemerken: Das ganze Kleidungsstück ist porös (wie manche FFP2- Masken) und taugt nichts mehr. Es gehört entsorgt! Ein neues Gewand muss her. Eines auf das in großen Lettern vorne und hinten ein Wort gestickt ist: Freiheit!

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Jahrgang 1965 – Wohnsitze in Bayern und NRW - Deutscher und US-amerikanischer Staatsbürger – Zunächst Berufsausbildung zum Industriekaufmann/Wirtschaftsassistent – Danach Diplomstudiengänge (Katholische Theologie, Philosophie, Geschichte und Erziehungswissenschaften) u.a. in Bochum und Passau. – Einige Jahre Erzieher in privaten Internaten (u.a. Schloss Neubeuern und St. Ottilien) – In kirchlichen und politischen Milieus je nach Betrachtungsweise mehr oder weniger gut vernetzt – Aktuell im politischen Betrieb als „Ghost“ Reden- und Vortragsschreiber sowie Mitautor und Korrektor. Zudem strategischer und konzeptioneller Berater bei diversen Wahlkampagnen außerhalb Deutschlands. Bis zu meinem Engagement für den Blog eher öffentlichkeitscheu. Das bin ich in gewisser Weise auch heute noch. Persönliche Kontakte pflege ich am liebsten nur beruflich oder in der Familie. Aktuelle Fotos von mir oder Fotos im Zusammenhang mit dem ein oder anderen Projekt vermeide ich, so gut es geht. Ein guter Freund nannte mich einmal einen Semi-Soziopathen. Auch wenn das ein hartes Wort ist: es beschreibt keine psychische Erkrankung, wie man vermuten dürfte und trifft deshalb sehr gut! Zwar bin ich prinzipiell sehr empathisch, doch schätze ich nicht die Nähe von Hinz und Kunz, lasse also ungern Menschen an mich heran. Ich spiele gern und hin und wieder auch erfolgreich mit Sprache, schotte meine Familie so weit es geht von der Öffentlichkeit ab und mache auch immer wieder mal – so auch hier - ein Geheimnis aus meinem vollständigen Lebenslauf. Diese Geheimniskrämerei hat schon manchen dazu verleitet, Legenden über mich zu verbreiten. Aber das ist OK. Ich habe ein sehr dickes Fell und Desinformation ist ja auch ein gern genommenes Tool im politischen Betrieb.