(Michael van Laack) Die Kanzlerin, der Gesundheitsminister und die Ministerpräsidenten sind sich nur in zweierlei einig: Dass sie sich in fast keinem Punkt einig sind und der Lockdown nicht beendet werden kann. Wie der Weg zu dem, was sie „Normalität“ nennen aussehen soll? Darüber gibt es so viele Vorschläge wie Pizza-Beläge.

Hardliner, Bürgertäuscher und ein bekehrter Wirtschaftsminister

Das sind zum einen die Hardliner wie Söder, Kretschmer oder Hamburgs Bürgermeister Tschentscher, die vor „Öffnungsrausch“ oder gar „Öffnungs-Orgien“ warnen. Letzteres klingt noch unpassender, weil Swingerclubs ganz hinten bei allen Plänen zur Aufweichung des Lockdowns stehen. Dann haben wir mit Baden Württemberg und Rheinland-Pfalz zwei Bundesländer, wo in elf Tagen gewählt wird. Dort würde man den Bürgern gern Lockdown-Geschenke machen, damit nicht zu viele Stimmen an die bösen Oppositions-Parteien – allen voran die AfD – gehen.

Aber auch Bundeswirtschaftsminister Peter Altmeier beginnt zu dämmern, dass der ewige Lockdown nicht ewig gute Umfrage- und später Wahlergebnisse bei der Bundestagswahl zeitigen wird. Aktuelle Zahlen sehen die Union mittlerweile unter 33 %. Deshalb fordert das politische Schwergewicht nun, man dürfe sich nicht nur an Inzidenzwerten orientieren. Eine Position, die er bisher in den Talkshows und im Bundestag scharf kritisiert hat.

Und: Es müsse Lockerungen geben, weil sonst in der Wirtschaft erhebliche Schäden entstehen könnten. Schön, dass er das auch schon gemerkt hat. Wenn er jetzt auch noch in der Lage wäre, alle November- und Dezemberhilfen auszuzahlen, wären diese Schäden zumindest ein wenig geringer.

Wendehals Laschet und Lockdown-Guru Tschentscher

„Jetzt gilt konzentrierte Sicherheit statt dauerhaftes Schließen“ meint der nordrhein-westfälische Ministerpräsident, der von der Kanzlerschaft mit Robert Habeck an seiner Seite träumt. Um diesen Traum sicher verwirklichen zu können, muss nun Bürgernähe her. Und das in einem Bundesland, in dem die Polizei neben Berlin bisher am schärfsten Corona-Sünder gejagt und private Geburtstagsfeiern  im SEK-Stil aufgelöst hat.

Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher bleibt jedoch hart: „Wir würden die Krise eher verlängern, wenn wir jetzt zu viele Beschränkungen gleichzeitig aufheben“ Und: „Wir müssen eine starke dritte Welle verhindern, bevor uns die Impfungen ausreichend Schutz vor Corona bieten.“ In other words: In Hamburg – viele Jahrzehnte Nehmerland am Tropf der wirtschaftlich erfolgreichen Bundesländer und erst jüngst ins Geberlager gewechselt – machen ein paartausend vernichtete Existenzen mehr nichts aus. Denn die Haushaltstöpfe sind ja aktuell gut gefüllt.

Haseloff: Müssen Menschen vor Illegalität bewahren

Und Nein: Ausnahmsweise meint er keine Asylbewerber, sondern jene Bürger, die sich untereinander treffen oder auch mal eine Party zu Hause feiern, obwohl das verboten ist. Denn: „Die Menschen sind nach dem Lockdown erschöpft“. Das soll wohl heißen: Wenn wir dem Affen jetzt keinen Zucker geben, kommt er und zerfetzt die Verbotsdokumente auf unseren Schreibtischen. – Revolution geht im Osten bekanntlich gar nicht, solange sie nicht von der Linkspartei initiiert wird.

Allerdings möchte auch er nicht zu weit gehen: „Statt unkontrollierter Sporttreffs von Gruppen können wir Sport bis zu fünf Personen wieder zulassen, wenn die Vereine darauf achten, dass die Hygieneregeln eingehalten werden. Was wir im Moment machen, kann nicht dauerhaft so bleiben.“ Soll halt nur ein bisschen Zucker sein, der die Nerven beruhigt.

Das wird ein chaotischer Mittwoch

Da alle dennoch um Einheitlichkeit bemüht sein werden, kann bei der morgigen Kungelrunde am Bundestag vorbei nicht viel Substantielles herauskommen. Aber ARD und ZDF werden uns das ganze gewiss wieder als großen Wurf verkaufen, verbunden mit den ewig gleichen Durchhalte-Parolen und Solidaritätsaufrufen. denn in den Schreibstuben in Berlin und Mainz wird man zunehmend unruhig.

Umfragen zeigen, dass den Staatsmedien zunehmend die Kontrolle über die Meinung der Bevölkerung bevorsteht, ähnlich wie nach dem Höhepunkt der Flüchtlingswelle. Deshalb wird zunächst gelten: Schützt die Kanzlerin! Allerdings nicht vor Corona, sondern vor dem Stoß vom Sockel der Unfehlbarkeit. Ob das gelingen wird? Ich fürchte: Ja!

Denn sobald die Mehrheit der deutschen sich wieder mehr bewegen kann, wird sie das als Geschenk der Regierung empfinden und nicht als Selbstverständlichkeit. Das wurde seit vielen Jahren so antrainiert: Ertragt demütig, wenn man Euch viel nimmt. Seid dankbar, wenn man Euch etwas davon zurückgibt. Das ist der idealborger im Deutschland im 21. Jahrhundert: Satt, Schweigsam, Devoit!

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Jahrgang 1965 – Wohnsitze in Bayern und NRW - Deutscher und US-amerikanischer Staatsbürger – Zunächst Berufsausbildung zum Industriekaufmann/Wirtschaftsassistent – Danach Diplomstudiengänge (Katholische Theologie, Philosophie, Geschichte und Erziehungswissenschaften) u.a. in Bochum und Passau. – Einige Jahre Erzieher in privaten Internaten (u.a. Schloss Neubeuern und St. Ottilien) – In kirchlichen und politischen Milieus je nach Betrachtungsweise mehr oder weniger gut vernetzt – Aktuell im politischen Betrieb als „Ghost“ Reden- und Vortragsschreiber sowie Mitautor und Korrektor. Zudem strategischer und konzeptioneller Berater bei diversen Wahlkampagnen außerhalb Deutschlands. Bis zu meinem Engagement für den Blog eher öffentlichkeitscheu. Das bin ich in gewisser Weise auch heute noch. Persönliche Kontakte pflege ich am liebsten nur beruflich oder in der Familie. Aktuelle Fotos von mir oder Fotos im Zusammenhang mit dem ein oder anderen Projekt vermeide ich, so gut es geht. Ein guter Freund nannte mich einmal einen Semi-Soziopathen. Auch wenn das ein hartes Wort ist: es beschreibt keine psychische Erkrankung, wie man vermuten dürfte und trifft deshalb sehr gut! Zwar bin ich prinzipiell sehr empathisch, doch schätze ich nicht die Nähe von Hinz und Kunz, lasse also ungern Menschen an mich heran. Ich spiele gern und hin und wieder auch erfolgreich mit Sprache, schotte meine Familie so weit es geht von der Öffentlichkeit ab und mache auch immer wieder mal – so auch hier - ein Geheimnis aus meinem vollständigen Lebenslauf. Diese Geheimniskrämerei hat schon manchen dazu verleitet, Legenden über mich zu verbreiten. Aber das ist OK. Ich habe ein sehr dickes Fell und Desinformation ist ja auch ein gern genommenes Tool im politischen Betrieb.