(Michael van Laack) Dass die Fraktionsvorsitzenden und der lieber in Brüssel als in Berlin weilende Sprecher der Alternative für Deutschland sich gegenseitig wenig wertschätzen, ist kein Geheimnis. Vorgestern und gestern aber sahen wir einmal mehr, was der AfD in ihrer Führung fehlt: Strategisches Denken und das Sprechen mit einer Stimme in der Öffentlichkeit.

Weidel und Gauland: Statt Einheit nach Außen Zweifel säen

Wir lassen uns nicht spalten! Das hört man von den Vertretern des real immer noch existierenden Flügels immer wieder. Zumeist verbunden mit dem Appell, Kritik an Mandatsträgern nicht öffentlich verlauten zu lassen, weil das Futter für die MSM sei. Wenn es aber darum geht, die „Feinde“ des Flügels und deren „Oberteufel“ Jörg Meuthen ins schlechte Licht zu rücken, ist das alles vergessen. So gestern beim Pressestatement der Fraktionsvorsitzenden zum Lockdown:

Vorgestern hatte es im AfD-Bundesvorstand ein klares Votum dafür gegeben, auf dem für April geplanten Bundesparteitag keinen Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl zu küren. Dass Alice Weidel darüber verstimmt war, hätte auch Jörg Meuthen wissen – nicht einfach nur ahnen – müssen. Denn ihre Ambitionen sind klar. Und auch Tino Chrupalla hat sich vor einigen Tagen bereits ins Gespräch gebracht. Gauland vermutet, dieser Beschluss gehe gegen Weidel persönlich. Und damit hat er wohl auch recht.

Meuthen hätte diese Reaktion voraussehen müssen

Jörg Meuthen sagt von sich selbst, dass er alles vom Ende her denke, was sich vom Ende her denken lasse. Diesmal aber hat er es nicht getan. Der Beschluss des Bundesvorstands zeigte nicht die Perspektive auf, die der AfD-Sprecher am frühen Abend nachschob.

Wäre dies geschehen – hätte BuVo bereits in seinem Beschluss auf eine Urwahl als Option hingewiesen – hätte Alice Weidel sich zwar immer noch darüber echauffieren können, dass nicht die Delegierten auf dem BPT, sondern alle Mitglieder den Spitzenkandidaten wählen sollen. Aber das wäre nicht sonderlich gut angekommen bei den Mitgliedern. Denn die AfD versteht sich immer noch als eine Partei, bei der die Mitglieder mehr Einfluss haben auf wichtige Entscheidungen – wie die Spitzenkandidaten-Kür eine ist – als z.B. die CDU, deren Delegierte sich gegen Friedrich Merz, den Favoriten der Mitglieder, ausgesprochen haben.

Strategische Fehlleistung bietet den MSM neue Angriffsflächen

Das bei der Pressekonferenz ein Journalist nach dem Beschluss des BuVo fragen würde, war voraussehbar. Noch voraussehbarer war, dass Weidel und Gauland das Thema zeitnah spielen würden. Deshalb hätte Jörg Meuthen – nachdem der perspektivlose Beschluss vorlag – Weidel den Wind aus den Segeln nehmen und bereits am Vormittag vorlegen müssen. Z.B. mit einem kurzen Tweet, wie dem, den er dann am Abend präsentiert hat. Oder auch mit einer kurzen Presseerklärung.

So wäre vermieden worden, was wir am Mittag sehen mussten: Das öffentliche Hauen und Stechen geht munter weiter. Und es wird keine neuen Wähler für die Partei gewinnen. im Gegenteil! Die Fronten sind verhärtet.

Entscheidungsbegründung kam zu spät

Darüber hinaus muss man sich fragen, warum der BuVo ohne Not eskalierte. Denn: selbstverständlich kann er beschließen, was auch immer zunächst einmal nicht auf die Tagesordnung soll. Aber alle wissen auch: Auf dem Bundesparteitag kann dieser Beschluss wieder gekippt werden. Sollte vielleicht die eigentliche Motivation, den Beschluss so zu fassen, darin gelegen haben, Weidel zu „demütigen“? Dann war das ein Schuss in den Ofen.

Selbstverständlich ist es klüger, erst einmal alle Aufstellungsparteitage der Landesverbände abzuwarten, bevor man einen Spitzenkandidaten kürt. Aber das sollte man dann as soon as possible den Mitgliedern und den eklatgeilen Medien genauso erklären. Und nicht der Person oder der Gruppe innerhalb der Partei, der man mit dem Beschluss im Vorbeilaufen einen Haken in die Leber setzen wollte, die Gelegenheit geben, sich vom Ringarzt behandeln zu lassen, um dann in der nächsten Runde einen solar plexus-Schlag auszuteilen.

Taktische Fehlleistung – Keine „Fake-News“

Nun könnte man Alice Weidel vorwerfen, sie habe gestern gelogen oder Fake News verbreitet, als sie davon sprach, die AfD wolle ohne Spitzenkandidaten ins Superwahljahr gehen. Das aber wäre beides falsch. Sie hat einfach nur einen Teil der Wahrheit verschwiegen, nämlich den Plan hinter dem Plan (Ur-Wahl statt Delegierten-Entscheid).

Das konnte sie tun, weil BuVo ihr einen Ball auf den Elfmeterpunkt gelegt hat und zusätzlich den Torhüter abgzog. Weidel hat schlicht und einfach einen Fehler von Jörg Meuthen und den ihn im BuVo stützenden Mitgliedern gnadenlos ausgenutzt. Und es macht aus meiner Sicht keinen Sinn, wenn die Mitte um Meuthen das nun schönreden oder wegdiskutieren will. Sie sollte endlich aus ihren Fehlern lernen!

In den vergangenen Jahren haben schon mehrfach Kommunikationspannen und Halbherzigkeiten der Mitte dem Flügel selbige verliehen. So lange das nicht abgestellt wird, so lange wir in der Partei keine Führung sehen und kein kontinuierliches „vom Ende her denken“, wird die AfD das bleiben, was sie immer noch ist: ein gäriger Haufen und zwei Parteien in einer. Mag man sich zwar auch im nächsten Bundestag mit 10plus % etablieren können. Doch wird die AfD so niemals zu einer Partei, die an der Macht teilhaben und Verantwortung für Deutschland übernehmen kann. Sie bleibt in einem ganz eigenen selbstverordneten ewigen Lockdown.

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Jahrgang 1965 – Wohnsitze in Bayern und NRW - Deutscher und US-amerikanischer Staatsbürger – Zunächst Berufsausbildung zum Industriekaufmann/Wirtschaftsassistent – Danach Diplomstudiengänge (Katholische Theologie, Philosophie, Geschichte und Erziehungswissenschaften) u.a. in Bochum und Passau. – Einige Jahre Erzieher in privaten Internaten (u.a. Schloss Neubeuern und St. Ottilien) – In kirchlichen und politischen Milieus je nach Betrachtungsweise mehr oder weniger gut vernetzt – Aktuell im politischen Betrieb als „Ghost“ Reden- und Vortragsschreiber sowie Mitautor und Korrektor. Zudem strategischer und konzeptioneller Berater bei diversen Wahlkampagnen außerhalb Deutschlands. Bis zu meinem Engagement für den Blog eher öffentlichkeitscheu. Das bin ich in gewisser Weise auch heute noch. Persönliche Kontakte pflege ich am liebsten nur beruflich oder in der Familie. Aktuelle Fotos von mir oder Fotos im Zusammenhang mit dem ein oder anderen Projekt vermeide ich, so gut es geht. Ein guter Freund nannte mich einmal einen Semi-Soziopathen. Auch wenn das ein hartes Wort ist: es beschreibt keine psychische Erkrankung, wie man vermuten dürfte und trifft deshalb sehr gut! Zwar bin ich prinzipiell sehr empathisch, doch schätze ich nicht die Nähe von Hinz und Kunz, lasse also ungern Menschen an mich heran. Ich spiele gern und hin und wieder auch erfolgreich mit Sprache, schotte meine Familie so weit es geht von der Öffentlichkeit ab und mache auch immer wieder mal – so auch hier - ein Geheimnis aus meinem vollständigen Lebenslauf. Diese Geheimniskrämerei hat schon manchen dazu verleitet, Legenden über mich zu verbreiten. Aber das ist OK. Ich habe ein sehr dickes Fell und Desinformation ist ja auch ein gern genommenes Tool im politischen Betrieb.