(Michael van Laack) Alle Politiker reden viel, wenn der Tag lang ist. Jens Spahn allerdings ist ein ganz besonderer Typos: er verspricht in regelmäßigen Abständen das eine oder andere, von dem er zu diesem Zeitpunkt schon weiß, dass er es nicht wird halten können. Die harte Realität auch beim Thema „Ab 1. März kostenlose Schnelltests für alle“ holt ihn allerdings deutlich schneller ein, als ihm lieb sein dürfte.

Ab März soll jeder, der es wünscht in Apotheken mit Schnelltests für 24 Stunden die Gewissheit bekommen, nicht mit Corona infiziert zu sein. Selbstverständlich aber kann man sich nicht alle 24 Stunden testen lassen. Apotheken und Ärzte würden bei einem Run auf die Schnelltests (und den würde es geben dank der von der Regierung erzeugten Mutanten-Verunsicherung) kaum mehr ihrer eigentlichen Beschäftigung nachgehen. Was die Schnelltests für zu Hause angeht: Die sind noch nicht einmal genehmigt und deutlich unsicher als ein Schwangerschaftstest.

Spahns Normalitäts-Illusion

Alle können den Schnelltest ab 1. März machen und werden sich dann sicherer und freier fühlen? Ganz gewiss nicht, Herr Bundesgesundheitsminister. Denn diese Tests sind nur ein Schlaglicht. Verlasse ich nach dem Test die Apotheke, kann ich mich schon durch das Niesen des in der Schlange wartenden nächsten Kunden infizieren. Zudem liegt die Testsicherheit nur bei max. 70 %

Hinzu kommt: Wie bei der „Impfung für alle“ die noch im November und Anfang Dezember angekündigt wurde, ist das so nicht leistbar. So sagte z.B. Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg, gegenüber Funke Media, es sei eine Illusion zu glauben, „ab 1. März stünden überall für alle Schnelltests in großer Zahl zur Verfügung“. Für viele Millionen Menschen gleichzeitig Test bereitzustellen sei eine nicht zu bewältigende Aufgabe. Ähnlich wie beim Impfen müsse deshalb eine Reihenfolge nach Dringlichkeit, Alter usw. aufgestellt werden.

Falsches Hoffnungssignal

Spahns mieser Trick geht so: Ihr habt es selbst in der Hand, liebe Bürger. Je früher ihr Euch alle testen lasst, um so früher können wir punktuell und regional die Schulen und den Einzelhandel wieder öffnen. So will man die Kritiker beruhigen, die nicht nachvollziehen können, warum dem Einzelhandel in vielen Regionen wohl auch das Ostergeschäft noch durch die Lappen geht und Schüler der Mittelstufen wohl kaum mehr vor Osterferienbeginn in die Schulen gelassen werden.

Später wird es dann die gleichen Taktiken und Ausreden wie bei der Impfung geben: „Wir haben genug Material. Andere sind schuld, dass unser Schnelltest-Befehl nicht in der angewiesenen Zeit durchgeführt wird.“ Oder: „Niemand konnte die Lieferengpässe voraussehen.“ Vielleicht auch: „Wie sich nicht jeder impfen lassen möchte, so möchte sich auch nicht jeder testen lassen. Die Testunwilligen sind schuld, dass Schulen und Geschäfte geschlossen bleiben müssen.“

Krise auf zwei Beinen

Es ist also wie immer. Jens Spahn weckt Erwartungen, die er nicht erfüllen kann und wird dafür von der Bunderegierung gelobt. Und kaum hat er etwas verlautbart, kommen die „Experten“ der Kanzlerin und begrüßen diesen Schritt als den einzig richtigen. In normalen Zeiten müssten Minister wie Spahn zurücktreten. Aber wir leben ja alle im Krisen-Modus. Da dürfen auch Krisen auf zwei Beinen im Amt bleiben. Nicht nur Jens Spahn!

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Jahrgang 1965 – Wohnsitze in Bayern und NRW - Deutscher und US-amerikanischer Staatsbürger – Zunächst Berufsausbildung zum Industriekaufmann/Wirtschaftsassistent – Danach Diplomstudiengänge (Katholische Theologie, Philosophie, Geschichte und Erziehungswissenschaften) u.a. in Bochum und Passau. – Einige Jahre Erzieher in privaten Internaten (u.a. Schloss Neubeuern und St. Ottilien) – In kirchlichen und politischen Milieus je nach Betrachtungsweise mehr oder weniger gut vernetzt – Aktuell im politischen Betrieb als „Ghost“ Reden- und Vortragsschreiber sowie Mitautor und Korrektor. Zudem strategischer und konzeptioneller Berater bei diversen Wahlkampagnen außerhalb Deutschlands. Bis zu meinem Engagement für den Blog eher öffentlichkeitscheu. Das bin ich in gewisser Weise auch heute noch. Persönliche Kontakte pflege ich am liebsten nur beruflich oder in der Familie. Aktuelle Fotos von mir oder Fotos im Zusammenhang mit dem ein oder anderen Projekt vermeide ich, so gut es geht. Ein guter Freund nannte mich einmal einen Semi-Soziopathen. Auch wenn das ein hartes Wort ist: es beschreibt keine psychische Erkrankung, wie man vermuten dürfte und trifft deshalb sehr gut! Zwar bin ich prinzipiell sehr empathisch, doch schätze ich nicht die Nähe von Hinz und Kunz, lasse also ungern Menschen an mich heran. Ich spiele gern und hin und wieder auch erfolgreich mit Sprache, schotte meine Familie so weit es geht von der Öffentlichkeit ab und mache auch immer wieder mal – so auch hier - ein Geheimnis aus meinem vollständigen Lebenslauf. Diese Geheimniskrämerei hat schon manchen dazu verleitet, Legenden über mich zu verbreiten. Aber das ist OK. Ich habe ein sehr dickes Fell und Desinformation ist ja auch ein gern genommenes Tool im politischen Betrieb.