(Michael van Laack) Aus der Not eine Tugend machen! So begründen viele katholische Pfarrgemeinden in diesem Jahr ihre Aktion „Aschenkreuz to go“. In ein kleines Döschen wird geweihte Asche abgefüllt. Dazu noch ein Zettel mit der Gebetsformel und einem Impuls. Beides in ein Tütchen mit dem Emblem der Pfarrgemeinde oder auch gern des „Synodalen Wegs“ gepackt und im Kirchenraum für die Gläubigen zur Abholung bereitgestellt. Anonymität ist garantiert!

Zu Hause dann auspacken und sich brav gegenseitig das Aschenkreuz auf die Stirn zeichnen. Könnte man ab jetzt doch eigentlich immer so machen. Ist doch viel angenehmer im Kreis der Familie. Spart auch die Zeit eines Kirchenbesuchs. Und Zeit ist bekanntlich auch außerhalb der Pandemie Geld. Also dann: „Viel Freude“ beim gegenseitigen Spenden des Asche-Kreuzes als Zeichen der Buße!

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Schon seit einigen Jahren bieten vor allem große Stadtpfarreien Menschen die Gelegenheit, außerhalb des Aschermittwochsgottes-Dienstes oder auch noch an den Tagen vor dem ersten Fastensonntag in die Kirche zu kommen. Dort steht dann für mehrere Stunden täglich ein Priester bereit, um all denen das Aschenkreuz zu spenden, die aus beruflichen oder anderen Gründen, sonst keines hätte empfangen können. Das mag in unserer hauptsächlich auf das Erwerbsleben und den Konsum ausgerichteten Zeit ein nützliches Angebot sein.

In Corona-Zeiten wird allerdings in vielen Pfarrgemeinden das „Aschenkreuz to go“ (warum bedient man sich hier eigentlich eines Anglizismus? – Will man jugendlicher rüberkommen?) mit einer neuen Bedeutung gefüllt. Jeder möge sich und seinen Lieben (oder auch gegenseitig in der Familie) das Aschenkreuz gegenseitig spenden. Zu diesem Zweck stellen viele Pfarrgemeinde zur Abholung kleine Papierbeitel (selbstverständlich Öko-Papier) zur Verfügung, die eine kleine Dose vorgeweihte Asche und eine Segensanleitung enthalten.

Zu feige und faul, das Aschenkreuz zu spenden

Mit Maske und Handschuhen „bewaffnet“ könnten die Priester sich auch nach dem Gottesdienst – an dem Dank Merkels Großzügigkeit immerhin 30 Personen teilnehmen dürfen – für einige Stunden täglich von Mittwoch bis Samstag einschließlich in ihren Kirchen bereithalten und „Bedarfsspendungen“ vornehmen. „Aber wer weiß,“ wird sich mancher Priester denken – „am Ende stecke ich mich noch bei einem AfDler oder Querdenker an (andere Menschen verbreiten das Virus ja nicht) und komme früher in den Himmel (oder auch woanders hin), als ich es mir wünsche.“

Außerdem geht wertvolle Zeit verloren. Wer braucht heute schon noch Seelsorge-Angebote. Während der Priester in der kalten Kirche oder auch gern der beheizten Sakristei herumhockt und darauf wartet, dass vielleicht mal zehn Ewiggestrige in drei Stunden vorbeischauen, kann er sich doch lieber an den Twitter-Diskussionsforen zum „Synodalen Weg“ beteiligen oder wertvolle Verwaltungsarbeit leisten.

2022 wieder in den Aschermittwochs-Gottesdienst? Nicht nötig!

Ob die Verantwortlichen für diese Form der „Ashes to go“ sich bewusst sind, dass sie sich mit dieser Form der Spendung wieder ein Stück überflüssiger gemacht haben? Die Botschaft lautet: Es braucht keinen beauftragten Spender des Aschenkreuzes. So etwas kann jeder „tiefgläubige Christ selbst regeln. Dazu braucht er ja eigentlich nicht einmal geweihte Asche, denn an diesem Segen ist doch auch nichts gelegen, oder?

In einer Kirche, in der in Zukunft jeder Hanswurst am Altar Brot und Wein wandeln dürfen soll, wenn es nach dem ZDK, mehreren Bischöfen und den Vertretern des „Synodalen Wegs“ geht, reicht es vollkommen aus, wenn ich den Palm des vergangenen Jahres bei mir im Aschenbecher verbrenne. Anschließend murmle ich die aus dem Internet ausgedruckte Segensformel (gern auch auf Latein, das hört sich feierlicher an) und dann meiner Familie die Asche austeile.

Selbst ist der Mann, die Frau oder das Diverse!

Anschließend malt Oma mir ein Kreuz auf die Stirn, weil ich das ja doch nicht selbst machen möchte. Für die bestalimentierten hauptamtlichen Seelsorger wäre das sicherlich eine große Entlastung. Sie hätten wieder mehr Zeit gewonnen, in der sich Gedanken darüber machen könnten, wie sich die Kirche am schnellsten kaputtreformieren und überflüssig machen lässt.

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Jahrgang 1965 – Wohnsitze in Bayern und NRW - Deutscher und US-amerikanischer Staatsbürger – Zunächst Berufsausbildung zum Industriekaufmann/Wirtschaftsassistent – Danach Diplomstudiengänge (Katholische Theologie, Philosophie, Geschichte und Erziehungswissenschaften) u.a. in Bochum und Passau. – Einige Jahre Erzieher in privaten Internaten (u.a. Schloss Neubeuern und St. Ottilien) – In kirchlichen und politischen Milieus je nach Betrachtungsweise mehr oder weniger gut vernetzt – Aktuell im politischen Betrieb als „Ghost“ Reden- und Vortragsschreiber sowie Mitautor und Korrektor. Zudem strategischer und konzeptioneller Berater bei diversen Wahlkampagnen außerhalb Deutschlands. Bis zu meinem Engagement für den Blog eher öffentlichkeitscheu. Das bin ich in gewisser Weise auch heute noch. Persönliche Kontakte pflege ich am liebsten nur beruflich oder in der Familie. Aktuelle Fotos von mir oder Fotos im Zusammenhang mit dem ein oder anderen Projekt vermeide ich, so gut es geht. Ein guter Freund nannte mich einmal einen Semi-Soziopathen. Auch wenn das ein hartes Wort ist: es beschreibt keine psychische Erkrankung, wie man vermuten dürfte und trifft deshalb sehr gut! Zwar bin ich prinzipiell sehr empathisch, doch schätze ich nicht die Nähe von Hinz und Kunz, lasse also ungern Menschen an mich heran. Ich spiele gern und hin und wieder auch erfolgreich mit Sprache, schotte meine Familie so weit es geht von der Öffentlichkeit ab und mache auch immer wieder mal – so auch hier - ein Geheimnis aus meinem vollständigen Lebenslauf. Diese Geheimniskrämerei hat schon manchen dazu verleitet, Legenden über mich zu verbreiten. Aber das ist OK. Ich habe ein sehr dickes Fell und Desinformation ist ja auch ein gern genommenes Tool im politischen Betrieb.