(Michael van Laack) Unerlöst! So lassen sich die Gesichtsausdrücke der Kanzlerin und des bayerischen Ministerpräsidenten Söder bei der Pressekonferenz gestern Abend wohl am besten beschreiben. Denn beiden war es nicht gelungen, die anderen Teilnehmer davon zu überzeugen, dass der Lockdown mindestens bis zum 14. März verlängert werden müsse und Schulen nicht vor dem 1. März geöffnet werden dürften. Dennoch ist das Beschlossene für die Bürger ein weiterer Schlag ins Kontor.

Merkel betrübt: Föderalismus schlägt Mutationsangst

Öffentlich eine Niederlage eingestehen? Das war in den 15 Jahren ihrer Kanzlerschaft nie Merkels Stil. Gestern aber musste sie einsehen: In der Frage der Schulöffnung folgen ihr die meisten Ministerpräsidenten nicht. Ihr Plan lautete: Auch wenn ich weiß, wie sehr die Familien und vor allem die Kinder unter den Schulschließungen leiden, dürfen wir die Schulen nicht vor dem 1. März teilweise öffnen, sonst führt die böse Mutation uns in die dritte Welle.

Zumindest in diesem wichtigen Punkt folgten ihr die meisten Ministerpräsidenten nicht. Denn sie bekamen in den vergangenen Wochen enormen Druck aus der Lehrer- und  Elternschaft, im Interesser unserer Kinder rasch schrittweise zur Normalität zurückzukehren. Deshalb haben Berlin und Sachsen angekündigt, schon ab dem 15. Februar Kitas und Grundschulen zu öffnen. Zumindest NRW und Hessen folgen am 22. Februar. Viele andere werden folgen. Söder hingegen ließ durchblicken, dass in Bayern vor dem 1. März keine Öffnungen vorgesehen sind. – Wann die Mittelstufe zumindest im Wechselunterricht wieder an den Start gehen kann, ließen alle allerdings Bundesländer offen.

Der neue magische Wert lautet Inzidenz 35

Da der Wert 50 schon in einer Woche in einigen Bundesländern flächendeckend unterschritten werden könnte, musste eine neue Begründung her, warum der schon seit November geschlossene Gastronomiebereich und der Einzelhandel weiter geschlossen bleiben sollte. Da kamen die über die neuen Mutationen verbreiteten Schreckensmeldungen gerade richtig. Und hier konnte die Bundeskanzlerin sich dann auch durchsetzen.

Denn erst ab einer landesweiten Inzidenz von 35 sollen Einzelhändler unter strengsten Auflagen (z. B. 20 Quadratmeter pro Kunde) wieder öffnen dürfen. Ob bei diesem Wert auch Restaurants und Hotels wieder Kunden einlassen können, ließ das verfassungsmäßig nicht legitimierte Gremium gestern offen. Merkel erinnerte nebulös an die wunderschöne Zeit vor den Sommerferien mit Inzidenzen unter 10. Da war alles „erlaubt“. Vermutlich werden deshalb Gastronomiebetriebe noch länger leiden müssen.

Nur Friseurbesuch auch über Inzidenz 35 ungefährlich

Nachdem in den vergangenen Wochen viel über die Frisuren unserer Politiker berichtet wurde, sahen sich die Ministerpräsidenten benötigt, hier eine Ausnahme von der 35er- Regel zu machen. Diese dürfen unter Vorlage eines noch strengeren Hygienekonzepts ab dem 1. März wieder ihre Pforten öffnen, müssen also „nur“ noch 17 Tage auf Einnahmen verzichten. Gleiches gilt für Museen und ähnliche Kultureinrichtungen. Da könne man durch Beschränkung auf Online-Ticketverkauf die Besucherzahlen sehr gut steuern.

Maske und Abstand bleiben noch lange erhalten

Am 3. März tritt das Merkel-Gremium wieder zusammen. Bis dahin hat man nun Zeit sich neue Verlängerungsgründe auszudenken. Sicher ist allerdings: Maskenpflicht und Mindestabstand werden uns noch bis in den Sommer begleiten. Denn die Durchimpfung klappt ja auch nicht so, wie sie soll.

Insgesamt war das gestern ein weiterer schwarzer Tag für Kinder, Familien, und viele Branchen. Aber – wie die Kanzlerin und auch Söder betonten, mit der „zarten Perspektive“, dass alles irgendwann ein Ende hat. Auch dieser Lockdown. Aber das nächste Virus kommt bestimmt, oder?

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Jahrgang 1965 – Wohnsitze in Bayern und NRW - Deutscher und US-amerikanischer Staatsbürger – Zunächst Berufsausbildung zum Industriekaufmann/Wirtschaftsassistent – Danach Diplomstudiengänge (Katholische Theologie, Philosophie, Geschichte und Erziehungswissenschaften) u.a. in Bochum und Passau. – Einige Jahre Erzieher in privaten Internaten (u.a. Schloss Neubeuern und St. Ottilien) – In kirchlichen und politischen Milieus je nach Betrachtungsweise mehr oder weniger gut vernetzt – Aktuell im politischen Betrieb als „Ghost“ Reden- und Vortragsschreiber sowie Mitautor und Korrektor. Zudem strategischer und konzeptioneller Berater bei diversen Wahlkampagnen außerhalb Deutschlands. Bis zu meinem Engagement für den Blog eher öffentlichkeitscheu. Das bin ich in gewisser Weise auch heute noch. Persönliche Kontakte pflege ich am liebsten nur beruflich oder in der Familie. Aktuelle Fotos von mir oder Fotos im Zusammenhang mit dem ein oder anderen Projekt vermeide ich, so gut es geht. Ein guter Freund nannte mich einmal einen Semi-Soziopathen. Auch wenn das ein hartes Wort ist: es beschreibt keine psychische Erkrankung, wie man vermuten dürfte und trifft deshalb sehr gut! Zwar bin ich prinzipiell sehr empathisch, doch schätze ich nicht die Nähe von Hinz und Kunz, lasse also ungern Menschen an mich heran. Ich spiele gern und hin und wieder auch erfolgreich mit Sprache, schotte meine Familie so weit es geht von der Öffentlichkeit ab und mache auch immer wieder mal – so auch hier - ein Geheimnis aus meinem vollständigen Lebenslauf. Diese Geheimniskrämerei hat schon manchen dazu verleitet, Legenden über mich zu verbreiten. Aber das ist OK. Ich habe ein sehr dickes Fell und Desinformation ist ja auch ein gern genommenes Tool im politischen Betrieb.