(Michael van Laack) Sie suchen nach weiteren Argumenten für die Erklärung der AfD zum Beobachtungsfall? Sie benötigen Zitate aus dem Mund nationaler Sozialisten, um Ihre Meinung über die Partei zu bestätigen? Sie notieren sich ger namen von Personen, die zugleich Mandatsträger der AfD sind und die Nähe zu rechtsradikalen Milieus schätzen? Dann besuchen sie doch einfach den Aufstellungsparteitag der AfD Sachsen.

Tino Chrupalla wurde wie erwartet auf Platz 1 der Liste zur Bundestagswahl beim Aufstellungsparteitag der AfD Sachsen gewählt. Zu ihm und Alexander Gauland später noch ein paar Worte. Wesentlich interessanter für alle Vertreter der bürgerlichen Mitte – der wahrhaft Konservativen und Liberalen – und auch für die regierungsabhängigen Verfassungsschutzämter sind die vier nach ihm auf die Listenplätze gewählten Kandidaten für den Deutschen Bundestag. BILD-Journalist Deutschmann fasst richtig zusammen:

Platz 2: Jens Maier

Für ihn gehört „Leberhaken-Andi“ Andreas Kalbitz immer noch zur AfD, wie er in seiner Bewerbungsrede unter großem Beifall die Delegierten wissen ließ. Auch für viele andere sächsische Mandatsträger ist Kalbitz ein „Parteimitlied der Herzen“. Das sagt viel aus über die Verfasstheit dieses Landesverbandes.

Jens Maier ist Volljurist. Deshalb dürfte er sich selbst wohl eher zu den Intellektuellen als zu den Möchtegern-Intellektuellen zählen. Es darf allerdings bezweifelt werden, ob der Obmann des real immer noch existierenden Flügels wirklich ein Intellektueller im Wortsinn ist. Ein Ziel des Intellektuellen ist es, mit seinen Worten und Schriften gesellschaftliche Vorgänge zu beeinflussen. Aber kann das gelingen, und kann man das wirklich wollen, wenn man die eigene Diffamierung herbeisehnt, wenn man „Rechtsextremist“ als Ehrentitel bezeichnet?

Zumindest wird nun klar, was Maier gemeint hat, als er über den Rechtsterroristen Anders Behring Breivik – der fast 80 Menschen getötet hat – vor einigen Jahren bei Elsässer sagte, dieser sei „aus Verzweiflung heraus zum Massenmörder geworden“, weil die Einwanderung Kulturfremder für ihn unerträglich war. Wer sinnlose Gewalt verteidigt, ist sicherlich kein Intellektueller. Hinzu kommt Maiers Affinität zur NPD. Diese hat er in der Ausübung seines Richteramtes unter Verletzung des Neutralitätsgebotes und jegliche Objektivität fehlen lassend durch ein sachgrundloses Urteil verteidigt, das später aufgehoben wurde.

Platz 3 – Siegbert Droese

Ob seine AfD Leipzig zufällig 2016 im Wahlkampf Fahrzeuge mit den Kennzeichen „L-AH 1818“ und „L-GD 3345“ benutzte, wissen wir nicht. Was wir wissen, ist, dass Droese kein besonders guter Lügner ist. Denn er gab seinerzeit an, nicht gewusst zu haben, was diese Zahlen- und Buchstaben-Codes bedeuten. Als ehemaliges Mitglied der „Patriotischen Plattform“ und in der NPD-Szene gut vernetzter Politiker davon noch nie gehört zu haben… Umso erstaunlicher ist Droeses Einlassung, weil er ein Vertreter der Umvolkungstheorie ist; eine bei nationalen Sozialisten sehr beliebtes Themenfeld.

Zudem geriert er sich als uneingeschränkter Verteidiger des russischen Präsidenten Putin und kritisierte auf Facebook die deutsche Regierung massiv für die Aufnahme des vergifteten Nawalny. „Welchen Nutzen hat Deutschland, wenn es einem umstrittenen sogenannten ‚Kreml-Kritiker‘ Asyl gewährt und ihn wie einen Staatsgast beschützt? … Die Bundesregierung fühlt sich offenbar berufen, besonders eifrig und unterwürfig alle Vorgaben aus Brüssel umzusetzen. Souverän agieren? Aber nein, das ist Sache von völkisch verbohrten Nationalisten.“ Damit ist klar, wo Droese sich selbst verortet. Nawalny hätte er lieber tot gesehen, wie das jeder(?) gute völkische Nationalist tut.

Platz 4 – Karsten Hilse

Ein ehemaliger CDU-Politiker, der auf den ersten Blick keinerlei Kontakte ins rechtsradikale Milieu hat, sehr wohl aber dem orthodoxen Teil des Flügels zugerechnet werden darf. Gern bedient er sich wie Höcke mehrdeutiger Wordings und gefällt sich in Provokationen wie „ein aus kranken Gehirnen ausgeschwitztes Weltuntergangs-Szenario“ für den Klimawandel. Auch darf man ihn guten Gewissens mit dem leider von unseren linken Gegnern pauschal für alle Kritiker des Lockdowns verwendeten Begriff des Corona-Leugners belegen.

So sagte er z.B. auf einer Corona-Demo in Bautzen: „Die Corona-Toten sind erstunken und erlogen. Jeder, der angeblich deswegen gestorben ist, wäre sowieso bald gestorben.“ Diese Aussage ist nicht nur nachweißlich falsch, sondern zudem menschenverachtend. Was würde Herr Hilse wohl antworten, wenn ihn jemand fragte: „Wollen sie schon heute sterben oder doch lieber erst in einem Jahr?“

Aktuell läuft gegen Hilse zudem ein Verfahren wegen des Verdachts der Fälschung eines Gesundheitszeugnisses. Für den Flügel wurde er allerdings zum Martyrer, als Polizisten ihn auf dem Weg zum Deutschen Bundestag vor der Abstimmung zum Bevölkerungsschutz niederrangen. Auch hier ist das Ermittlungsverfahren noch nicht abgeschlossen.

Platz 5 – Andreas Harlaß

Einer größeren Öffentlichkeit bekannt wurde Harlaß erst unmittelbar nach dem Anschlag von Halle, als er twitterte: „Nur mal zur Erinnerung. Der Psycho von Halle hat Deutsche erschossen, keine Semiten.“ Seine Nähe zur nationalsozialistischen Ideologie hat er bereits mehrfach Ausdruck verliehen. So durch das Symbol der „Schwarzen Sonne“ in seiner Wohnung. Auch zeigte er mehrfach deutlich seine Christenfeindlichkeit.

Z. B., als er den von Heinrich Himmler an ausgewählte SS-Kader verschenkten JulLeuchter zeitweise zu seinem Facebook-Titelbild machte. Himmler wollte damit christliche Weihnachtsrituale wie Weihnachtsbäume verdrängen. Laut einem Urteil des Amtsgerichts Dresden darf Harlaß als Neonazi sowie als Vertreter der NS-Rassenideologie bezeichnet werden. Auch steht das von dem Rechtsextremisten und geschichtsrevisionistischen Dietmar Munier herausgegebene Werk „Hausbuch Deutsche Weihnacht“ ganz oben auf Harlaß’ Lektüreliste

Mit diesen Leuten macht sich Chrupalla gemein

Auf die folgenden Plätze werden im Verlauf des heutigen Tages definitiv noch weitere Vertreter rechtsextremistischer Positionen gewählt. Da kann sich Tino Chrupalla noch so sehr gerieren als jemand, der auf dem Boden des Grundgesetzes steht und die Freiheit verteidigen will. Er führt nun als Platz 1 auf der Liste des Landesverbands Sachsen eine Gruppe rechtsextreme oder verschwörungstheoretische Positionen vertretende Politiker an. Dass er dazu bereit ist, lässt tief blicken. Es zeigt, dass er sich mit all dem identifiziert oder es zumindest als etwas begreift, das zum politischen Kern der AfD gehört.

Sein „Ziehvater“ Alexander Gauland hat das gestern auf dem Parteitag einmal mehr auch so gesagt. Nach Auffassung des Ehrenvorsitzenden gehören zur AfD Nationalkonservative und Liberalkonservative genauso wie Nationalliberale und Sozialpatrioten. Wen er mit Letzteren meint, ist klar. Jene Gruppe, die den Sturz der AfD in die Bedeutungslosigkeit billigend in Kauf nimmt. Jene, die in der NPD weit besser aufgehoben wären. Jene, die den Verfassungsschutz abschaffen möchten (das haben sie mit den Linksradikalen gemein).

Bewusst in den Abgrund?

Vor allem aber jene, die es mittlerweile als eine Art Auszeichnung verstehen, als Rechtsextremisten bezeichnet zu werden. Sie liefern das Futter für Hetzreden gegen die überwiegende Mehrheit der bürgerlich-konservativen Mitglieder der AfD-Fraktionen in Bund und Land. Sie liefern ein Puzzleteil nach dem anderen, das zum Beobachtungs- und vielleicht gar zum Verbotsverfahren führen wird. Vor allem aber machen sie die AfD für viele Bürger 2021 unwählbar.

Die Leute verschwinden lieber wieder politisch frustrierter als vor 2017 im Nichtwählerblock, als dass sie der Alternative für Deutschland ihre Stimme geben werden. All das nehmen Chrupalla und Gauland billigend in Kauf. Der Vorsitzende der Bundestagsfraktion vermutlich aus Altersstarrsinn, der Bundessprecher allerdings sehenden Auges. Lieber will er die AfD tot sehen als dem Nationalistischen, dem Völkischen, dem sogenannten Sozialpatriotischen das „Heimatrecht“ in der AfD verweigern. Suizidal!

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Jahrgang 1965 – Wohnsitze in Bayern und NRW - Deutscher und US-amerikanischer Staatsbürger – Zunächst Berufsausbildung zum Industriekaufmann/Wirtschaftsassistent – Danach Diplomstudiengänge (Katholische Theologie, Philosophie, Geschichte und Erziehungswissenschaften) u.a. in Bochum und Passau. – Einige Jahre Erzieher in privaten Internaten (u.a. Schloss Neubeuern und St. Ottilien) – In kirchlichen und politischen Milieus je nach Betrachtungsweise mehr oder weniger gut vernetzt – Aktuell im politischen Betrieb als „Ghost“ Reden- und Vortragsschreiber sowie Mitautor und Korrektor. Zudem strategischer und konzeptioneller Berater bei diversen Wahlkampagnen außerhalb Deutschlands. Bis zu meinem Engagement für den Blog eher öffentlichkeitscheu. Das bin ich in gewisser Weise auch heute noch. Persönliche Kontakte pflege ich am liebsten nur beruflich oder in der Familie. Aktuelle Fotos von mir oder Fotos im Zusammenhang mit dem ein oder anderen Projekt vermeide ich, so gut es geht. Ein guter Freund nannte mich einmal einen Semi-Soziopathen. Auch wenn das ein hartes Wort ist: es beschreibt keine psychische Erkrankung, wie man vermuten dürfte und trifft deshalb sehr gut! Zwar bin ich prinzipiell sehr empathisch, doch schätze ich nicht die Nähe von Hinz und Kunz, lasse also ungern Menschen an mich heran. Ich spiele gern und hin und wieder auch erfolgreich mit Sprache, schotte meine Familie so weit es geht von der Öffentlichkeit ab und mache auch immer wieder mal – so auch hier - ein Geheimnis aus meinem vollständigen Lebenslauf. Diese Geheimniskrämerei hat schon manchen dazu verleitet, Legenden über mich zu verbreiten. Aber das ist OK. Ich habe ein sehr dickes Fell und Desinformation ist ja auch ein gern genommenes Tool im politischen Betrieb.