(Michael van Laack) Angeregt hatte der „Hochwürdigste Herr Bundespräsident“ das schon vor einigen Wochen. Anlässlich des Projekts „Lichtfenster“ brachte er einen Gedenktag für die Opfer der Pandemie in Spiel. Nun steht der Termin fest. Aber nicht nur das. Steinmeiers Aussagen lassen tief blicken und zeigen: Die Bundesregierung plant augenscheinlich mit Abstandsregeln und Kontaktbeschränkungen über diesen Termin hinaus.

Handverlesene Hinterbliebene sollen in Berlin trauern

„Neben Hinterbliebenen wird an diesem Sonntag [18. April] auch die Staatsspitze teilnehmen“ erklärt Steinmeier heute in der „Rheinischen Post“. Allerdings nur in einer sehr begrenzten Zahl, denn wegen der Pandemie seien ja auch zu diesem Zeitpunkt noch keine größeren Veranstaltungen möglich, führte der Bundespräsident weiter aus. Woher weiß er denn heute schon, wie sich die Lage am 18. April darstellt? Nachtigall, ick hör Dir trapsen!

Ein Showveranstaltung – live im TV übertragen. Ein weiteres: „Seht her, wir fühlen mit Euch, liebe Bürger. Wir denken an Euch. Wir trauern mit Euch.“ Damit glaubt offensichtlich auch der erste Mann im Staat alles wieder gut machen zu können, was Merkel und die Ministerpräsidenten jenen Bürgern angetan hat, die ihre sterbenden Angehörigen nicht einmal im Krankenhaus besuchen und auch danach nicht Abschied nehmen können. Ein zentraler Akt wie für die Toten eines Krieges. Und dann ist alles wieder gut?

Öffentlich „in Würde Abschied nehmen“? Lächerlich!

„Wir planen für den 18. April eine zentrale Gedenkfeier, die live übertragen wird. Neben Hinterbliebenen wird an diesem Sonntag auch die Staatsspitze teilnehmen. Wegen Corona kann leider nur eine begrenzte Anzahl von Teilnehmern dabei sein, und viele Planungen bleiben unsicher. Aber das Ziel der Gedenkfeier ist klar: als Gesellschaft innehalten, den Hinterbliebenen eine Stimme geben, in Würde Abschied nehmen von den Toten.“

Was? Den Hinterbliebenen eine Stimme geben? Was erwartet der Bundespräsident denn, das die selbstverständlich handverlesenen Hinterbliebenen an diesem Tag in der Livesendung sagen sollen? Vielleicht: „Meine Mutter ist einsam auf einer Intensivstation gestorben. Vier Tage dauerte ihr Todeskampf. Aber es ist gar nicht schlimm. Dieses Opfer habe ich gern gebracht. Denn ich wollte mich ja keiner Ansteckungsgefahr aussetzen und dann das Virus an andere Unschuldige weitergeben!“

Auf Befehl mit dem Taschentuch vor dem Fernseher?

Was erwartet das Staatsoberhaupt von uns allen? Ok, von den anderen Hinterbliebenen der an oder mit Covid Verstorbenen vermutlich, dass sie in dieser Trauerfeier das Abschiednehmen von ihren geliebten Angehörigen gewissermaßen nachholen. Und von den anderen fast 80 Millionen? Dass sie andächtig vor dem Bildschirm sitzen und mitweinen? Warum sollten sie? Ich will nicht herzlos klingen, aber beweinen wir jedes Jahr auch öffentlich die Opfer von Krankenhauskeimen, Grippewellen, Abtreibungen usw.?

Nein! Deshalb steckt hinter dem kollektiven Gedenken eine andere Strategie. So, wie wir jährlich an die Toten der Weltkriege erinnern und dabei von kollektiver Schuld der Deutschen zwar nicht unbedingt reden, aber sie doch im Hinterkopf behalten, so soll dieser Gedenktag uns sagen: Wir alle sind Täter. Deshalb haben wir die Pflicht, den Opfern zu gedenken und die Angehörigen zu trösten. Vor allem aber haben wir die Aufgabe, dem Staats immer folgsamer zu werden und uns bei zukünftigen Krisen strengstens und so lange der Staat verlangt, an seine Vorgaben zu halten. Ohne Murren, ohne Kritik.

Gilt der Gedenktag auch den Depressionstoten?

Immer mehr Kinder, Jugendliche und Senioren bekommen durch Merkels Ein-Freund-Politik Depressionen und andere psychische Krankheiten. Die Zahl der Selbstmörder steigt stark an während des Lockdowns. Viele Menschen werden langfristig beziehungsgestört bleiben. Dazu kommen die Hundertausende die Zukunftsängste haben. Werden auch die auf der Gedenkfeier unseres obersten Grüßaugusts eine Stimme bekommen.

Wird man auch derer gedenken? Und wird es bei dem einen Tag des kollektiven Bestürzt-Seins bleiben, oder werden alle die Traumatisierten so lange begleitet, bis es ihnen wieder besser geht? Vermutlich nicht! Vor allem werden sie nicht an Steinmeiers Hand durchs Leben geführt. Denn der ist dann schon wieder weitergereist, um im Auftrag der Bundesrepublik Deutschland in fremden Ländern fremde Hände zu schütteln und zu halten und vor allem „würdige Worte“ in die Mikrophone zu faseln. Ein Trauerspiel wird dieser 18. April wahrhaftig. Aber ganz gewiss nicht im Sinn unseres Hochverehrten Herrn Bundespräsidenten.

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Jahrgang 1965 – Wohnsitze in Bayern und NRW - Deutscher und US-amerikanischer Staatsbürger – Zunächst Berufsausbildung zum Industriekaufmann/Wirtschaftsassistent – Danach Diplomstudiengänge (Katholische Theologie, Philosophie, Geschichte und Erziehungswissenschaften) u.a. in Bochum und Passau. – Einige Jahre Erzieher in privaten Internaten (u.a. Schloss Neubeuern und St. Ottilien) – In kirchlichen und politischen Milieus je nach Betrachtungsweise mehr oder weniger gut vernetzt – Aktuell im politischen Betrieb als „Ghost“ Reden- und Vortragsschreiber sowie Mitautor und Korrektor. Zudem strategischer und konzeptioneller Berater bei diversen Wahlkampagnen außerhalb Deutschlands. Bis zu meinem Engagement für den Blog eher öffentlichkeitscheu. Das bin ich in gewisser Weise auch heute noch. Persönliche Kontakte pflege ich am liebsten nur beruflich oder in der Familie. Aktuelle Fotos von mir oder Fotos im Zusammenhang mit dem ein oder anderen Projekt vermeide ich, so gut es geht. Ein guter Freund nannte mich einmal einen Semi-Soziopathen. Auch wenn das ein hartes Wort ist: es beschreibt keine psychische Erkrankung, wie man vermuten dürfte und trifft deshalb sehr gut! Zwar bin ich prinzipiell sehr empathisch, doch schätze ich nicht die Nähe von Hinz und Kunz, lasse also ungern Menschen an mich heran. Ich spiele gern und hin und wieder auch erfolgreich mit Sprache, schotte meine Familie so weit es geht von der Öffentlichkeit ab und mache auch immer wieder mal – so auch hier - ein Geheimnis aus meinem vollständigen Lebenslauf. Diese Geheimniskrämerei hat schon manchen dazu verleitet, Legenden über mich zu verbreiten. Aber das ist OK. Ich habe ein sehr dickes Fell und Desinformation ist ja auch ein gern genommenes Tool im politischen Betrieb.