(Michael van Laack) Wir kennen das aus Abenteuerfilmen wie den „Drei Musketieren“. Ein König oder Erzbischof stellt einen Schutzbrief aus. Und schon kann man ungefährdet durchs ganze Land reisen. Wenn so etwas klappt – dachte sich vermutlich die mittlerweile doktortitellose Familien- und Frauen-Ministerin Franziska Giffey – können wir das klitzekleine Problem mit der Genitalverstümmelung doch einfach auf die gleiche Art und Weise. Ohne viel Aufwand. Und ohne uns dem Vorwurf aussetzen zu müssen, islamophob zu sein.

Wir drucken einfach einen schönen bunten Flyer, nennen ihn „Schutzbrief“ und schon haben die Mütter und kleinen Mädchen argumentatives Rüstzeug, wie sie sich gegen die Verstümmelung ihrer Genitalien schützen können. Mehr müssen wir gar nicht tun. Der Rest läuft dann wie geschmiert.

Ein Dokument zur Bekehrung radikaler Muslime?

Die Bundesregierung stellt Frauen aber auch Männern – die zu ihren Familien in arabische Länder reisen, ein schönes buntes Papier im Reisepass-Format zur Verfügung. Das lesen sie dann ihren Angehörigen hier und im jeweiligen Heimatland während eines Urlaubaufenthaltes übersetzt vor und schon wird sich sowohl in islamischen Gesellschaften als auch in den europäischen Ghettos bei den Muslimen die Einsicht breit machen, dass Genitalverstümmelung nicht in Ordnung ist. Zumindest nicht, wenn man in Deutschland leben will.

Ein Fake? Eine Satire? Nein, die zynische Antwort der Bundesregierung auf die an sie in den vergangenen Jahren immer wieder gerichtete Forderung, harte Maßnahmen zu ergreifen (z.B. auch wirtschaftliche), die den Muslimen zu verstehen geben, dass Genitalverstümmelung mehr ist als nur eine Straftat nach deutschem Recht. Dass es hier um Menschenwürde geht, um den Schutz vor allem von Mädchen aus muslimischen Familien.

Der Flyer ist gedruckt, die islamische Welt wird nun ein Einsehen haben!

Nachdem man dann bei seinen Familienangehörigen z.B. in der Türkei oder Afghanistan mit dem Vorzeigen des bunten Frontbildes Eindruck geschunden hat und diese in Ehrfurcht erstarrend umgehend erklären, dass die Beschneidung der kleinen Sawsan für den nächsten Tag sofort abgesagt wird, geht es nur noch darum, Nachhaltigkeit zu erzeugen.

Deshalb werden die in Deutschland lebenden lupenrein demokratischen Araberinnen und Araber gebeten, ihren Familien beim Urlaubsbesuch danach argumentativ die rechtliche Sítuation in Deutschland nahezubringen und auch den im Islam hochgeschätzten Begriff der Menschenwürde noch einmal in Erinnerung zu rufen:

Dann nur noch schnell die Unterschriften der Minister und Ministerinnen vorzeigen…

Und schon wird Clanoberhaupt Yussuf Kamal Mohammed mit Tränen in den Augen versichern, dass Genitalverstümmelungen nie wieder vorkommen werden in seinem Einflussbereich. Vermutlich wird er sogar persönliche Entschuldigungsbriefe an die in den vergangenen Jahrzehnten in seiner Familie verstümmelten Mädchen und Frauen senden. Und einen Fleurop-Blumenstrauß, dem ein Scheck mit einer Entschädigungszahlung beigefügt ist.

Dann werden Yussuf Kamal Mohammed und andere Familien-Oberhäupter das Gespräch mit Imamen und Ayatollahs suchen und von ihrer wiedergewonnenen Menschenwürde-Erkenntnis berichten. Und schon bald wird sich durch den deutschen Schutzbrief in islamischen Gesellschaften weltweit das Problem Genital-Verstümmelung erledigt haben. Für diese historische Leistung sollte man dann Franziska Giffey im Nachgang die Ehrendoktorwürde der Universität von Teheran verleihen.

Zynismus auf Hochglanzpapier, sonst nichts!

So, mehr gibt es nicht zu berichten. Weitere Maßnahmen zur Bekämpfung der weiblichen Genitalverstümmelung, der auch in Deutschland bereits tausende Kinder zum Opfer gefallen sind, hält die Bundesregierung aktuell nicht für geboten. Warum auch? Ein Schutzbrief von Kardinal Richelieu hat Lady de Winter bekanntlich vor dem Tod durch den Strang bewahrt. Und die Bundesregierung ist mehr als ein Kardinal. Sie ist wie Gott bzw. Allah!

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Jahrgang 1965 – Wohnsitze in Bayern und NRW - Deutscher und US-amerikanischer Staatsbürger – Zunächst Berufsausbildung zum Industriekaufmann/Wirtschaftsassistent – Danach Diplomstudiengänge (Katholische Theologie, Philosophie, Geschichte und Erziehungswissenschaften) u.a. in Bochum und Passau. – Einige Jahre Erzieher in privaten Internaten (u.a. Schloss Neubeuern und St. Ottilien) – In kirchlichen und politischen Milieus je nach Betrachtungsweise mehr oder weniger gut vernetzt – Aktuell im politischen Betrieb als „Ghost“ Reden- und Vortragsschreiber sowie Mitautor und Korrektor. Zudem strategischer und konzeptioneller Berater bei diversen Wahlkampagnen außerhalb Deutschlands. Bis zu meinem Engagement für den Blog eher öffentlichkeitscheu. Das bin ich in gewisser Weise auch heute noch. Persönliche Kontakte pflege ich am liebsten nur beruflich oder in der Familie. Aktuelle Fotos von mir oder Fotos im Zusammenhang mit dem ein oder anderen Projekt vermeide ich, so gut es geht. Ein guter Freund nannte mich einmal einen Semi-Soziopathen. Auch wenn das ein hartes Wort ist: es beschreibt keine psychische Erkrankung, wie man vermuten dürfte und trifft deshalb sehr gut! Zwar bin ich prinzipiell sehr empathisch, doch schätze ich nicht die Nähe von Hinz und Kunz, lasse also ungern Menschen an mich heran. Ich spiele gern und hin und wieder auch erfolgreich mit Sprache, schotte meine Familie so weit es geht von der Öffentlichkeit ab und mache auch immer wieder mal – so auch hier - ein Geheimnis aus meinem vollständigen Lebenslauf. Diese Geheimniskrämerei hat schon manchen dazu verleitet, Legenden über mich zu verbreiten. Aber das ist OK. Ich habe ein sehr dickes Fell und Desinformation ist ja auch ein gern genommenes Tool im politischen Betrieb.