(Michael van Laack) Am Dienstag war die Bundeskanzlerin bei der ARD zu Gast, um unter dem milde verständnisvollen (Hinweg-)Lächeln der Moderatoren zu verkünden, dass sie nicht erkennen könne, in der Corona-Politik Fehler gemacht zu haben. Gestern Abend nun gewährte Merkel dann dem Privatsender RTL ein Interview. Auch hier kaum kritisches Hinterfragen. Transportiert wurde hauptsächlich Merkels Botschaft: Ich wäre gern viel netter, als ich aktuell sein darf!

Merkel: Meine Prophezeiung ist eingetroffen

Die Bürger würden unruhiger, die Stimmung verschlechtere sich. Dass – so Merkel – würde sie auch wahrnehmen. Dass ändere aber nichts daran, dass der Lockdown – wenn überhaupt – in den nächsten Wochen nur stufenweise zurückgefahren werden dürfe. Die begnadete Zukunftsschauende habe schon im Sommer, als alle die zweite Welle noch für einen Begriff aus der Surfer-Sprache gehalten haben, geahnt, was auf uns zukommt. Und im Herbst habe sie dann ganz deutlich und als erste das Szenarien beschrieben, dass in der Woche vor Weihnachten über uns hereingebrochen ist.

„Der Scheitelpunkt der zweiten Welle ist überschritten, aber…

…wir müssen jetzt noch ein bisschen abwarten“ und darauf vertrauen, dass die Beschlüsse des Impfgipfels rasch zur Wirklichkeit werden. Daran hat Merkel allerdings keinen Zweifel. Nur, weil bisher nichts geklappt hätte, wie es soll, bedeute das ja nicht, dass es so schlecht weitergehe. Alles werde in den nächsten Monaten wie beschlossen funktionieren.

„Ich sehe ein leichtes Licht am Ende des Tunnels, aber es ist ein unglaublich schwere Zeit“ schwächt die mit der Zukunftsschau Begnadete dann das vorher Gesagte allerdings rasch wieder ab. vermutlich war ihr das dann doch schon zu viel der guten Verkündigungen.

Aus der Sicht des Virus läuft die Mutation gut

„Ich habe wenig Illusionen geschürt…“ antwortete die Kanzlerin auf den zaghaften Hinweis von Nikolaus Blome, dass die Bürger in den vergangenen zwölf Monaten immer wieder zu hören bekommen hätten: „Jetzt noch EINE große Anstrengungen und dann wird alles besser.“

Anschließend bemühte Merkel sich, die aktuelle Situation aus der Sicht des Virus zu beschreiben. Niemand habe damit rechnen können, dass die Mutation so schnell und effizient sein würde. Zwar nannte die Kanzlerin das nicht einen Glücksfall, aber man durfte doch den Eindruck gewinnen, dass sie an der Überbringung schlechter Nachrichten mehr Freude hat, als an der Verkündigung froher Botschaften. Denn – so unsere weise Bundesführerin – nun sei nicht mehr gewiss, dass der Lockdown so schnell zurückgenommen werden könnte, wie sie es sich selbstverständlich immer gewünscht habe…

Das Maximum an Freiheit können wir uns erst bei Inzidenz 5 leisten

Schule und Wirtschaft sind abhängig von der Volksgesundheit, verkündete Merkel sodann. Im vergangenen Sommer hatten wird das „Maximum an Freiheit“ erst beim Inzidenzwert von 3, 4 oder 5. – Wir erinnern uns: Aich zu diesem Zeitpunkt galten noch die AHA-Regeln und die Maskenpflicht. Die Kanzlerin stimmt uns also darauf ein, dass zumindest diese Einschränkungen auch dann noch erhalten bleiben (und wohl noch das ganze Jahr 2021), wenn sie uns gnädig die anderen Freiheiten stufenweise zurückgeben sollte.

Merkels Langzeitstrategie heißt: Schaun mer mal!

Schulen, Gastronomie, Veranstalter – alle hätten sich Mühe gegeben, aber trotzdem seien die Zahlen weiter gestiegen. Erst als all das geschlossen wurde und bis heute blieb, seien die Zahlen gesunken. Deshalb dürfe man jetzt nicht so schnell wieder öffnen, nur weil immer mehr Geimpfte durchs Land wanderten und die Inzidenz auf den Wert 50 zuliefe. Deshalb heiße Merkels Langzeitstrategie „Flexibilität“, betonte sie vor den andächtig lauschenden RTL-Journalisten. Wir entscheiden von Tag zu Tag und Fall zu Fall. Wie lange noch? Auch diese Frage wurde nicht direkt gestellt.

Kanzlerin vermisst das Bad in der Menge! – Wie bitte?

Auch gab Merkel die verständnisvolle. Sie kenne die Angst der von Arbeitslosigkeit bedrohten und den psychosozialen Stress in Familien sehr gut! Niemand fragte: Woher denn, Frau Bundeskanzlerin? Stattdessen auch hier wohlwollendes Schweigen der Interviewer.

Sie bedauere das auch alles sehr, aber es sei eben notwendig. Ohne Opfer kein Sieg über das Virus! Und außerdem gäbe es ja auch (mehr) Geld für Bedürftige. Geld heilt bekanntlich viele Wunden und nimmt Ängste hinweg. Dennoch: Auch sie selbst vermisse gutes essen im Restaurant und – wie viele Schauspieler, Musiker und Politiker – das Bad in der Menge

Handzahme Journalisten und die immer gleichen Phrasen

Spätestens an diesem Punkt hätte ich Widerspruch und Nachhaken der Moderatoren erwartet, denn die Kanzlerin ist bekanntlich die Letzte, die öffentliche Auftritte liebt. Aber auch da kam nichts. Ebenso wenig im dann noch fast 10 Minuten weiterlaufenden Interview, in dem Merkel nur das wiederholte, was sie in der ARD und den Pressekonferenzen bereits gesagt hatte.

Fazit: Wieder nix, außer neuen lustigen Zitaten, die für einen Blog-Schreiberling immer sehr dankbar sind. Mehr Verlässlichkeit, Gewissheit und präzise Informationen jedenfalls transportierte das Interview nicht an die zuschauenden Bürger. Aber genau das dürfen wir eigentlich von einer Bundeskanzlerin erwarten. Nicht nur aber doch vor allem in Krisenzeiten! Tja…

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Jahrgang 1965 – Wohnsitze in Bayern und NRW - Deutscher und US-amerikanischer Staatsbürger – Zunächst Berufsausbildung zum Industriekaufmann/Wirtschaftsassistent – Danach Diplomstudiengänge (Katholische Theologie, Philosophie, Geschichte und Erziehungswissenschaften) u.a. in Bochum und Passau. – Einige Jahre Erzieher in privaten Internaten (u.a. Schloss Neubeuern und St. Ottilien) – In kirchlichen und politischen Milieus je nach Betrachtungsweise mehr oder weniger gut vernetzt – Aktuell im politischen Betrieb als „Ghost“ Reden- und Vortragsschreiber sowie Mitautor und Korrektor. Zudem strategischer und konzeptioneller Berater bei diversen Wahlkampagnen außerhalb Deutschlands. Bis zu meinem Engagement für den Blog eher öffentlichkeitscheu. Das bin ich in gewisser Weise auch heute noch. Persönliche Kontakte pflege ich am liebsten nur beruflich oder in der Familie. Aktuelle Fotos von mir oder Fotos im Zusammenhang mit dem ein oder anderen Projekt vermeide ich, so gut es geht. Ein guter Freund nannte mich einmal einen Semi-Soziopathen. Auch wenn das ein hartes Wort ist: es beschreibt keine psychische Erkrankung, wie man vermuten dürfte und trifft deshalb sehr gut! Zwar bin ich prinzipiell sehr empathisch, doch schätze ich nicht die Nähe von Hinz und Kunz, lasse also ungern Menschen an mich heran. Ich spiele gern und hin und wieder auch erfolgreich mit Sprache, schotte meine Familie so weit es geht von der Öffentlichkeit ab und mache auch immer wieder mal – so auch hier - ein Geheimnis aus meinem vollständigen Lebenslauf. Diese Geheimniskrämerei hat schon manchen dazu verleitet, Legenden über mich zu verbreiten. Aber das ist OK. Ich habe ein sehr dickes Fell und Desinformation ist ja auch ein gern genommenes Tool im politischen Betrieb.