(Michael van Laack) Von den meisten unbemerkt gab es am vergangenen Sonntagabend eine Videoschalte zwischen den Unions-Fraktionschefs aller Bundesländer. Merkel glaubte sich dort offensichtlich im geschützten Raum, umgeben von ihren verschwiegenen Genossen. Einer von denen hat allerdings geplaudert und Merkels geheimste Wünsche sowie ihre Einschätzung zur Corona-Lage der BILD geflüstert.

Wie so oft bei wirklich wichtigen Artikeln ist auch dieser hinter einer Bezahlschranke verborgen.

Reisen würde Merkel gern verbieten

„Was ist mit Deutschen, die reisen? Hundertmal habe ich die Frage in den Runden gestellt: Warum können wir die Reisen nicht verbieten? Dann bekomme ich immer die auf ehemalige DDR-Bürger gemünzte Antwort, dass wir ein freies Land sind. Man kann zwar 15 Kilometer Sperrzone einführen, aber es ist schwer, Reisen in die Welt zu verbieten.“ und „Wir müssen den Flugverkehr so ausdünnen, dass man nirgendwo mehr hinkommt. Das habe ich auch Horst Seehofer versucht zu erklären, dass er das prüft.“

Die Aussage, dass wir ein freies Land sind, ist also für die Kanzlerin nur eine auf ehemalige DDR-Bürger gemünzte Antwort. Und stellt sie augenscheinlich nicht zufrieden. Genosse Erich Honecker hat das ja auch alles ganz anders gemacht. Und es hat gut funktioniert. Gäbe es die DDR noch, hätten wir dort vermutlich wie in China kaum Probleme mit Corona. Frau Bundeskanzlerin.

Es müssen noch strengere Maßnahmen getroffen werden

Mit Blick auf die Forderung mancher Ministerpräsidenten, spätestens ab 1. Februar wieder schulen und teilweise auch den Einzelhandel zu öffnen, erklärte Merkel den Parlamentariern der Bundesländer: Wir müssen noch strenger werden, sonst sind wir in 14 Tagen wieder da, wo wir waren.“ 

Wie Merkel das durchsetzen will, nachdem sie kurz zuvor darauf aufmerksam gemacht hatte, dass „uns das Ding entglitten“ ist, ließ sie allerdings offen. Auf jeden Fall dürfe es nicht zu irgendwelchen Lockerungen kommen, bevor die Inzidenz bundesweit unter 50 läge.

Gesundheitsämter hätten nur Ausreden parat

Sie habe die Gesundheitsämter im November verpflichtet, einheitliche Software zu verwenden. Nur ein Drittel hätte das bisher getan und käme mit Ausreden wegen technischer Probleme. Die Gesundheitsämter haben keine Fähigkeit mehr zur Kontaktnachverfolgung.“

Letzteres ist ja eigentlich nichts Neues. Dass Frau Merkel und Herr Spahn die Ämter erst im November auf einheitliche Software verpflichtet haben, obwohl schon Ende Februar von manchen Experten darauf gedrungen wurde, dass dies zeitnah geschehen müsse, mach deutlich, warum die Lage der Kanzlerin entglitten ist.

„Wir brauchen ein härteres Grenzregime!“

Was die Kanzlerin in der Flüchtlingskrise als Unmöglichkeit dargestellt hatte, soll nun plötzlich nicht nur möglich sein, sondern müsse binnen weniger Tage umgesetzt werden. Das zeigt zum einen Merkels Verlogenheit, zum anderen aber auch, dass sie auf die Freiheit der eigenen Bürger keinerlei Rücksicht nimmt.

Über Weihnachten seien täglich 50.000 auf die Malediven geflogen. Das gehe so nicht mehr. Der Flugverkehr müsse ausgedünnt werden, damit man nirgendwo mehr hinkommt, erklärte Merkel weiter. Darüber würde sich zwar die Lufthansa aufregen, aber deren finanzieller Schaden sei nichts im Vergleich mit dem Schaden, den eine dritte Welle anrichten würde.

Länder lassen die Kanzlerin im Stich

Es müsse nun endlich mehr getestet werden in Altenheimen, meinte die Kanzlerin. – Wieder einmal gibt sie sich wie auch Spahn in der Öffentlichkeit als Ankündigungsweltmeisterin. Dass „Wir müssen“ ist ohnehin eine Lieblingsvokabel zahlreicher Spitzenpolitiker geworden. Vom „Wir müssen die EU-Außengrenzen besser schützen.“ über „Wir müssen die Energieversorgung dauerhaft sicherstellen bis zu den jetzigen „Wir müssen“-Appellen.

In einem hatte die Kanzlerin allerdings recht am Sonntag. Das „Ding“ ist ihr entglitten: „Ich kann nicht 14 000 Altenheime von Berlin aus persönlich anrufen, ich bitte um Mithilfe!“. Denn eine Kanzlerin, die nicht mehr tun kann. als „bitten“, ist eine zahnlose Tigerin, eine autoritätslose Autoritäre. Nicht nur in der Pandemie-Problematik!

Ja es ist gut, dass wir Föderalismus haben. Und dennoch muss es in Krisenlagen „Befehlsketten“ geben. Eigentlich gibt es die auch, aber sie funktionieren nicht mehr. Mit der Loyalität gegenüber Angele Merkel ist es also nicht mehr weit her.

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Jahrgang 1965 – Wohnsitze in Bayern und NRW - Deutscher und US-amerikanischer Staatsbürger – Zunächst Berufsausbildung zum Industriekaufmann/Wirtschaftsassistent – Danach Diplomstudiengänge (Katholische Theologie, Philosophie, Geschichte und Erziehungswissenschaften) u.a. in Bochum und Passau. – Einige Jahre Erzieher in privaten Internaten (u.a. Schloss Neubeuern und St. Ottilien) – In kirchlichen und politischen Milieus je nach Betrachtungsweise mehr oder weniger gut vernetzt – Aktuell im politischen Betrieb als „Ghost“ Reden- und Vortragsschreiber sowie Mitautor und Korrektor. Zudem strategischer und konzeptioneller Berater bei diversen Wahlkampagnen außerhalb Deutschlands. Bis zu meinem Engagement für den Blog eher öffentlichkeitscheu. Das bin ich in gewisser Weise auch heute noch. Persönliche Kontakte pflege ich am liebsten nur beruflich oder in der Familie. Aktuelle Fotos von mir oder Fotos im Zusammenhang mit dem ein oder anderen Projekt vermeide ich, so gut es geht. Ein guter Freund nannte mich einmal einen Semi-Soziopathen. Auch wenn das ein hartes Wort ist: es beschreibt keine psychische Erkrankung, wie man vermuten dürfte und trifft deshalb sehr gut! Zwar bin ich prinzipiell sehr empathisch, doch schätze ich nicht die Nähe von Hinz und Kunz, lasse also ungern Menschen an mich heran. Ich spiele gern und hin und wieder auch erfolgreich mit Sprache, schotte meine Familie so weit es geht von der Öffentlichkeit ab und mache auch immer wieder mal – so auch hier - ein Geheimnis aus meinem vollständigen Lebenslauf. Diese Geheimniskrämerei hat schon manchen dazu verleitet, Legenden über mich zu verbreiten. Aber das ist OK. Ich habe ein sehr dickes Fell und Desinformation ist ja auch ein gern genommenes Tool im politischen Betrieb.