(Michael van Laack) Während der immer wieder verlängerte Lockdown wirtschaftlich, soziologisch und psychologisch große Schäden verursacht und die Bundesregierung durch eine falsche Bestellpolitik selbst die nicht impfen kann, die sich impfen lassen möchten, braucht das Volk nicht nur Brot, sondern auch Spiele. Der hochverehrte Herr Bundespräsident hat sich ein neues ausgedacht.

An vorderster Front beteiligen sich selbstverständlich die beiden großen Kirchen am staatlich geforderten kollektiven Trauern. Um den Hashtag #merkelquaeltkinder möglichst schnell vergessen zu machen, soll ganz Deutschland nun um die Corona-Toten trauern und sich mit allen „Notleidenden“ solidarisch zeigen. Der Hashtag #lichtfenster wurde heute vom Bundespräsidialamt in die Welt gesandt verbunden mit der Aufforderung, jeder Bürger möge ab heute Abend ein Licht ins Fenster stellen und so seine Solidarität mit den Trauernden zum Ausdruck bringen.

Aktionismus – Mehr fällt dem Grüßaugust nicht ein!

Bis Ostern, so Steinmeiers Plan, soll von heute an jeder Haushalt abends ein Licht ins Fenster stellen (Kerze oder was auch immer). Das würde die Hinterbliebenen ungemein trösten in der Zeit bis zum christlichen Fest der Auferstehung. Er selbst werde im Schloss Bellevue selbstverständlich mit gutem Beispiel vorangehen: „Wir stellen ein Licht ins Fenster. Ein Licht der Trauer, ein Licht der Anteilnahme, ein Licht des Mitgefühls.“.

Das wird all die Kinder und Enkel ganz sicher trösten, s deren Anghörige oft wohl deshalb an Corona erkrankten, weil die Bundeskanzlerin und ihr außerhalb der Verfassung stehendes Gremium in den vergangenen elf Monaten den Schutz vulnerabler Gruppen verpasst haben. So sehen wir nach RKI-Professor Wieler (heute in der Pressekonferenz) aktuell über 900 Ausbrüche in Senioreneinrichtungen. Soll mit dem Abbrennen der Kerzen auch die Schuld der verfehlten Corona-Politik getilgt werden?

Billiges Gelaber: Wärme in dunkler Zeit

„Deutschland stellt ein Licht ins Fenster, weil jedes ‚Lichtfenster‘ uns miteinander verbindet. Unser Licht spendet Wärme, unser Licht zeigt Mitgefühl in einer dunklen Zeit“ führt Steinmeier weiter aus. Ein 20 Cent-Teelicht kann die Wärme ersetzen, die Kinder brauchen, die ältere Menschen brauchen, die wir eigentlich alle brauchen? Hellt das Licht im Fenster etwa auch die Mienen all derer auf, die um ihre wirtschaftliche Existenz bangen? Gießt es Wissen in die Köpfe der Schüler?

So billig glaubt der Herr Bundespräsident also die Kanzlerin und die Regierung davonkommen lassen und den Spalt in der Gesellschaft wieder heilen zu können, den Corona vertieft hat? Er müsste sehr naiv sein, wenn er das tatsächlich glaubte. Naiv aber ist dieser Bundespräsident ganz sicher nicht!

#lichtfenster ist eine Nebelkerze

Nach Ostern plant der Bundespräsident dann noch eine staatliche Karfreitags- und Auferstehungsfeier in einem. Und zwar in Form einer zentralen Gedenkveranstaltung für die Corona-Toten dieses Jahres, um „ein Zeichen setzen, dass wir als Gesellschaft gemeinsam trauern, dass wir die Toten und das Leid der Hinterbliebenen nicht vergessen“. Warum wir biher nicht mit ähnlichen Feiern regelmäßig der Verkehrstoten, der abgetriebenen Kinder oder auch der jährlichen Grippetoten gedacht haben, ist eine Frage, die wohl unbeantwortet bleiben wir, obwohl…

Vielleicht, weil diese Ereignisse nie durch politische Fehlentscheidungen Deutschland an den wirtschaftlichen Abgrund gebracht haben. Da musste man sich nicht bemühen, wenigstens den Schein zu erwecken, man trauere um die Toten. Die Aktion #lichtfenster ist eine Nebelkerze. Nicht mehr und nicht weniger. Sie soll über die Scheinsolidarität mit den Hinterbliebenen und anderen Mitmenschen neue Solidarität mit der Regierung generieren, die angeblich gekämpft, zweifellos gehofft und am Ende doch nur verloren hat.

***

Sie lesen gern die Debattenbeiträge und Analysen fernab des Mainstreams, die Ihnen Michael van Laack auf PP bietet? 

Dann können Sie sein Engagement hier unterstützen:

Paypal

Vorheriger ArtikelDonald Trump: Der mutigste der Anarchisten
Nächster ArtikelFettnäpfchen-Biden: Ganz Amerika lacht über diese Peinlichkeit
Jahrgang 1965 – Wohnsitze in Bayern und NRW - Deutscher und US-amerikanischer Staatsbürger – Zunächst Berufsausbildung zum Industriekaufmann/Wirtschaftsassistent – Danach Diplomstudiengänge (Katholische Theologie, Philosophie, Geschichte und Erziehungswissenschaften) u.a. in Bochum und Passau. – Einige Jahre Erzieher in privaten Internaten (u.a. Schloss Neubeuern und St. Ottilien) – In kirchlichen und politischen Milieus je nach Betrachtungsweise mehr oder weniger gut vernetzt – Aktuell im politischen Betrieb als „Ghost“ Reden- und Vortragsschreiber sowie Mitautor und Korrektor. Zudem strategischer und konzeptioneller Berater bei diversen Wahlkampagnen außerhalb Deutschlands. Bis zu meinem Engagement für den Blog eher öffentlichkeitscheu. Das bin ich in gewisser Weise auch heute noch. Persönliche Kontakte pflege ich am liebsten nur beruflich oder in der Familie. Aktuelle Fotos von mir oder Fotos im Zusammenhang mit dem ein oder anderen Projekt vermeide ich, so gut es geht. Ein guter Freund nannte mich einmal einen Semi-Soziopathen. Auch wenn das ein hartes Wort ist: es beschreibt keine psychische Erkrankung, wie man vermuten dürfte und trifft deshalb sehr gut! Zwar bin ich prinzipiell sehr empathisch, doch schätze ich nicht die Nähe von Hinz und Kunz, lasse also ungern Menschen an mich heran. Ich spiele gern und hin und wieder auch erfolgreich mit Sprache, schotte meine Familie so weit es geht von der Öffentlichkeit ab und mache auch immer wieder mal – so auch hier - ein Geheimnis aus meinem vollständigen Lebenslauf. Diese Geheimniskrämerei hat schon manchen dazu verleitet, Legenden über mich zu verbreiten. Aber das ist OK. Ich habe ein sehr dickes Fell und Desinformation ist ja auch ein gern genommenes Tool im politischen Betrieb.