(Michael van Laack) Der Hashtag #merkelquaeltkinder boomt gerade auf Twitter. Dabei hatte unsere geliebte Kanzlerin gestern doch ausdrücklich darauf hingewiesen, dass sie mit dem, was Kinder seit Beginn der Corona-Restriktionen erdulden und erleiden, aber aiuch mal gar nichts zu tun hat. Es müssen jetzt halt Opfer gebracht werden, weil der Lockdown wie alles, was die Kanzlerin in den vergangenen neun Jahren seit der Energiewende entschieden hat, alternativlos ist.

Nichts funktioniert! Der digitale Unterricht fällt in fast 50 % der Schulen aus, weil wir die digitale Wende seit Jahren verschlafen und nicht über ausreichende Serverkapazitäten und schnelle Leitungen verfügen. In weiteren Fällen sind Lehrer entweder logistisch nicht in der Lage oder nicht willens, den Schülern auf anderem Weg Unterrichtsmaterial zukommen zu lassen.

Doppelbelastung Home-Office und Schule

Mit dem gestrigen Beschluss und Arbeitsminister Heils Verordnung, jeden Mitarbeiter ins Home-Office zu schicken, wo dies möglich ist, entstehen neue Konfliktsituationen. Denn nur die wenigsten Haushalte verfügen über ausreichend MBit und/oder zwei PCs, an denen gleichzeitig störungsfrei online gearbeitet werden kann. Das wird zu weiteren innerfamiliären Konflikten führen, denn dem Arbeitgeber ist das egal. Er will Leistung sehen. Und die Lehrer, die Digitalunterricht anbieten, lassen auch keine Ausreden gelten.

Sozialschwache Kinder werden abgehängt

In vielen Haushalten ist kein Geld da für einen Laptop oder PC. Zudem sind viele Eltern maximal noch in der Lage, Grundschulkindern zu helfen, ihre Aufgaben zu lösen. Dort wo Sprachbarrieren vorhanden sind, geht nicht einmal das. Diese Kinder leben zumeist in Haushalten, wo „der Haussegen“ ohnehin fast immer schief hängt. Konflikte unter den Ehepartnern werden aufs Kind übertragen. Oder der Alleinerziehenden wächst alles über den Kopf. Das können die Kindern nicht einmal mehr kompensieren im Spiel mit Freunden, weil sie ja niemandem mehr treffen dürfen. Außer dem einen Freund, falls Mama oder Papa das erlauben und nicht aus Furcht vor dem Virus auch diesen letzten Kontakt zur Außenwelt kappen.

Aggressionspotential bei Jugendlichen steigt

Ältere Kinder wehren sich gegen den Druck von den Eltern hin und wieder. Dann entstehen neue Konflikte und gefährliche Situationen. Andere – ob Jugendliche oder Kinder – verfallen in Depressionen. Bei vielen gibt es auch einen Frustrationsstau. Der wird sich voll entladen, wenn der Lockdown teilweise oder ganz aufgehoben ist. Dann werden wir wieder viele Blaulicht-Schlagzeilen lesen.

Aktuell steigt auch die Zahl der gemeldeten Selbstverletzungen (Borderline) unter Jugendlichen, auch die der Selbstmordversuche und Selbstmorde. All das, weil eine Kanzlerin sich bewusst nur mit Beratern umgibt, die sagen, was sie hören möchte. All das, weil ein nahezu wirkungsloser Lockdown immer wieder verlängert wird.

Scheidungskinder ebenfalls betroffen

Offiziell dürfen drei Kinder, die bei der Mutter leben, nicht mehr gemeinsam den Vater besuchen oder mit ihm das Wochenende verbringen, weil sie nicht im gleichen Haushalt leben. Viele tun es doch. Und das ist auch gut so. Hoffentlich gibt es nicht zu viele böse Nachbarn. Denn das „Meldewesen“ in Deutschland ist mittlerweile wieder so ausgeprägt wie in der DDR.

Grundsätzlich aber leiden viele Kinder darunter, dass sie mit ihren Freunden nur noch über Telefon oder Skype kommunizieren können. Das ist kein Ersatz für ein Zusammensein, für das sich necken oder gemeinsam „Abenteuer“ erleben bei jüngeren Kindern. Oder das „Kuscheln“ bei Jugendlichen. Beziehungsstörungen können und werden die Folge sein.

Merkel quält Kinderseelen

Um einen Menschen zu quälen, muss man selbst nicht vor Ort sein. Deshalb trifft der Vorwurf voll. Die Kanzlerin riskiert sehenden Auges, dass unsere Gesellschaft – und vor allem die Schwächsten in ihr – Kinder und alte Menschen – in emotionale Krisen geraten. Und Schüler zusätzlich in eine Bildungskrise. Letztere allerdings scheint mir wieder aufholbar zu sein. Erstere nicht. Fast ein Jahr mit Restriktionen wird auf vielen Seelen von Kindern und Jugendlichen Narben hinterlassen, die immer wieder schmerzen oder sich entzünden.

Das Schlimmste aber: Vielen Bürgern ist das ganz egal. Den meisten Kinderlosen sowieso. Aber auch vielen Eltern. Das zeigt, dass ihre Beziehung zu den eigenen Kindern über Jahre erkaltet ist. Was auch damit zusammenhängen mag, dass der Staat die Hoheit über die Kinderbetten erlangt hat und viele nur allzu gern die Erziehungsleistung an ihn delegiert haben. Nicht mehr die Familie, sondern die Gesellschaft erzieht die Kinder in einem Staat, in dem Erwerbstätigkeit den Vorrang vor allem hat. Deshalb können sich auch immer weniger Eltern hineinversetzen in ihre Kinder und die Frage „Na, Schatz, wie geht es Dir?“, verkommt zur Floskel wie das „Guten Tag!“ in Richtung des Nachbarn, den man ohnehin nicht mag.

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Jahrgang 1965 – Wohnsitze in Bayern und NRW - Deutscher und US-amerikanischer Staatsbürger – Zunächst Berufsausbildung zum Industriekaufmann/Wirtschaftsassistent – Danach Diplomstudiengänge (Katholische Theologie, Philosophie, Geschichte und Erziehungswissenschaften) u.a. in Bochum und Passau. – Einige Jahre Erzieher in privaten Internaten (u.a. Schloss Neubeuern und St. Ottilien) – In kirchlichen und politischen Milieus je nach Betrachtungsweise mehr oder weniger gut vernetzt – Aktuell im politischen Betrieb als „Ghost“ Reden- und Vortragsschreiber sowie Mitautor und Korrektor. Zudem strategischer und konzeptioneller Berater bei diversen Wahlkampagnen außerhalb Deutschlands. Bis zu meinem Engagement für den Blog eher öffentlichkeitscheu. Das bin ich in gewisser Weise auch heute noch. Persönliche Kontakte pflege ich am liebsten nur beruflich oder in der Familie. Aktuelle Fotos von mir oder Fotos im Zusammenhang mit dem ein oder anderen Projekt vermeide ich, so gut es geht. Ein guter Freund nannte mich einmal einen Semi-Soziopathen. Auch wenn das ein hartes Wort ist: es beschreibt keine psychische Erkrankung, wie man vermuten dürfte und trifft deshalb sehr gut! Zwar bin ich prinzipiell sehr empathisch, doch schätze ich nicht die Nähe von Hinz und Kunz, lasse also ungern Menschen an mich heran. Ich spiele gern und hin und wieder auch erfolgreich mit Sprache, schotte meine Familie so weit es geht von der Öffentlichkeit ab und mache auch immer wieder mal – so auch hier - ein Geheimnis aus meinem vollständigen Lebenslauf. Diese Geheimniskrämerei hat schon manchen dazu verleitet, Legenden über mich zu verbreiten. Aber das ist OK. Ich habe ein sehr dickes Fell und Desinformation ist ja auch ein gern genommenes Tool im politischen Betrieb.