(Michael van Laack) Die Novemberhilfen für die Gastronomie können wegen Softwareproblemen nicht vor Mitte Februar ausgezahlt werden, die Hilfen für die anderen Monate kommen dann irgendwann. Täglich brechen irgendwo in Deutschland WLAN-Knoten zusammen, vor Hackern kann der Staat Unternehmen nicht wirksam schützen, weil wir keine eigenen Betriebssystemschmieden haben. Beim Löschen von Daten ist Deutschland Weltspitze, beim Bereitstellen nur Entwicklungsland.

Nun sind die Schulen geschlossen und vielerorts klappt es nicht mit digitalem Unterricht. Das überfordert nicht wenige Eltern. Nicht nur mit Kindern ab der Mittelstufe. Hinzu kommt, dass augenscheinlich manche Lehrer Aversionen gegen die einfachsten technischen Hilfsmittel haben, wie nicht nur dieser Tweet zeigt:

Lehrunwillige Pädagogen

Von anderen Schulen wird berichtet, dass die Lehrer nicht einmal versuchen, die Aufgaben der versandten Textblätter mit den Schülern am Telefon zu besprechen, weil befürchtet wird, das Telefonnetz könnte zusammenbrechen. Das liegt daran, weil die Lehrer nicht über ihre eigenen Telefonnummern angerufen werden können, sondern viele Schulen Rufumleitungen zu den im Homeoffice sitzenden Lehrern geschaltet haben. Aber statt es wenigstens zu versuchen, cancelt man diese Möglichkeit präventiv.

Auch WhatsApp stellt für manche Pädagogen keine Alternative dar. Sie brauchen erst einmal Zeit „um die vielen Funktionen, die WhatsApp biete“ [ist mir noch gar nicht aufgefallen] effektiv nutzen zu können. Mancherorts wurde sogar eine Einführung von Lehrern in die Geheimnisse von WhatsApp und ähnlichen Plattformen gefordert, damit sie effektiv arbeiten können. Die wenigen Lehrer, die sich an Schulen gut mit den Mysterien des Internets auskennen, werden von den anderen zurückgepfiffen. Denn es kann ja nicht sein, dass z. B. die 6a von einem Kollegen digital betreut wird, die 6b aber darauf warten muss, dass irgendjemand die Aufgaben in den Briefkasten steckt.

Hurra, meine Lernplattform funktioniert! Oh, schon wieder abgestürzt!

„Distanzlernen ist ein mühsames Geschäft, die Gründe dafür sind so vielfältig wie die Klagen darüber. Digitalexperte Michael Pickhardt, Leiter des Telekommunikationsunternehmens TDT, sieht sie vor allem in den Versäumnissen der Vergangenheit. „Online-Unterricht hätte schon seit einem Jahrzehnt möglich gemacht werden müssen, nicht erst jetzt für den Ausnahmezustand der Corona-Zeit“, sagt er im Gespräch mit tagesschau.de.

„Sehen, Urteilen, Handeln!“ Dieses den meisten Menschen bekannte und von ihnen auch gelebte Prinzip funktioniert in der deutschen Politik schon lange nicht mehr. Deutschland ist nur noch Ankündigungs-Weltmeister. Nicht nur was digitale Revolutionen betrifft. Immer erst dann, wenn Notlagen entstehen, wird gehandelt. Dann aber oft panisch oder aus bloßem Aktionismus, weil die Bürger ja irgendetwas erwarten.

Es fehlen Serverkapazitäten

Vielleicht kann die Bundesregierung ja mal bei Amazon nachfragen. Die müssten ja nach dem Rausschmiss von Parler einiges freihaben. Aber die meisten dieser stehen nicht in Deutschland. Deshalb lieber Finger weg! In Deutschland besitzen wir allerdings auch ausreichend Kapazitäten. Der Anbietermarkt ist groß. Aber das kostet Geld.

Zuviel Geld, meint wohl die Bundesregierung, dass für die Aufnahme und Pflege von Migranten am Ende fehlen könnte. Oder für die Rettung der nächsten systemrelevanten Bank oder eines Weltkonzerns wie Thyssen-Krupp. Dann lassen wir doch lieber die Schüler dumm sterben. Aus den meisten muss ja ohnehin nichts werden. Denn in unserer schönen neuen Welt brauchen wir möglichst viele ungebildete Hilfsarbeiter und eine ÖRR-gebildete Restmittelschicht. Und für die Auserwählten werden wir schon genug Serverkapazitäten bereitstellen.

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Jahrgang 1965 – Wohnsitze in Bayern und NRW - Deutscher und US-amerikanischer Staatsbürger – Zunächst Berufsausbildung zum Industriekaufmann/Wirtschaftsassistent – Danach Diplomstudiengänge (Katholische Theologie, Philosophie, Geschichte und Erziehungswissenschaften) u.a. in Bochum und Passau. – Einige Jahre Erzieher in privaten Internaten (u.a. Schloss Neubeuern und St. Ottilien) – In kirchlichen und politischen Milieus je nach Betrachtungsweise mehr oder weniger gut vernetzt – Aktuell im politischen Betrieb als „Ghost“ Reden- und Vortragsschreiber sowie Mitautor und Korrektor. Zudem strategischer und konzeptioneller Berater bei diversen Wahlkampagnen außerhalb Deutschlands. Bis zu meinem Engagement für den Blog eher öffentlichkeitscheu. Das bin ich in gewisser Weise auch heute noch. Persönliche Kontakte pflege ich am liebsten nur beruflich oder in der Familie. Aktuelle Fotos von mir oder Fotos im Zusammenhang mit dem ein oder anderen Projekt vermeide ich, so gut es geht. Ein guter Freund nannte mich einmal einen Semi-Soziopathen. Auch wenn das ein hartes Wort ist: es beschreibt keine psychische Erkrankung, wie man vermuten dürfte und trifft deshalb sehr gut! Zwar bin ich prinzipiell sehr empathisch, doch schätze ich nicht die Nähe von Hinz und Kunz, lasse also ungern Menschen an mich heran. Ich spiele gern und hin und wieder auch erfolgreich mit Sprache, schotte meine Familie so weit es geht von der Öffentlichkeit ab und mache auch immer wieder mal – so auch hier - ein Geheimnis aus meinem vollständigen Lebenslauf. Diese Geheimniskrämerei hat schon manchen dazu verleitet, Legenden über mich zu verbreiten. Aber das ist OK. Ich habe ein sehr dickes Fell und Desinformation ist ja auch ein gern genommenes Tool im politischen Betrieb.