(Michael van Laack) In diesen Tagen zeigt sich, was viele nicht erst seit dem NetzDG befürchten: Die Macht der Internetplattformen und -konzerne kann über die Zerstörung der Meinungsfreiheit zum Tod der Demokratie führen. Heute haben Amazon, Apple und Google das soziale Netzwerk Parler aus ihren Stores genommen, um – wie die „Süddeutsche Zeitung“ schrieb – den „Hort für Konservative, Trump-Anhänger und QAnon-Gläubige“ endlich auszutrocknen.

Schon die Nennung von Konservativen in einem Atemzug mit QAnon zeigt, dass es in Zukunft um weit mehr gehen wird als nur die Verhinderung von angeblichen oder tatsächlichen Aufrufen von „Rechten“ zu Gewalt. Seien es prominente Politiker oder einfache Bürger, die ja im Zuge von Trumps Sperrung bereits Opfer des Löschwahns von Twitter wurden. Wer zu konservative Ansichten vertritt, wer sich Gender oder ungehemmter Abtreibung in den Weg stellt, wer den Islam kritisiert oder kritische Fragen zur Energiepolitik stellt, wer wirtschaftlich auch in nationalen Kategorien denkt – wer also auf der Abschussliste von nach links verschobenen Parteien aus der ehemaligen Mitte der Gesellschaft steht – wird in Zukunft vermehrt gelöscht oder zumindest deutlich in seiner Reichweite beschränkt (zeitweise Sperrung, Shadow-Ban usw.).

Donald Trump: Bei der PR ein Vorbild für die Konservativen

Den Konservativen, Bürgerlichen und echten Liberalen in Westeuropa und Deutschland  fehlt bisher eine Strategie, sich gegen diese Benachteiligung zur Wehr zu setzen, auch wenn schon seit Jahren daran gearbeitet wird. Und auch in puncto Öffentlichkeitsarbeit liegen sie fast überall hinter den Linken, auch dort, wo sie Regierungsverantwortung sind. Die großen Themen geben Rote und Grüne vor und treiben die Konservativen mit dem moralischen Zeigefinger vor sich her.

Donald Trump hat das alles besser gemacht. Und nicht zuletzt deshalb wurde er zum meistgehassten Politiker für die großen Medienhäuser Europas und Nordamerikas, die ihre Mitte schon viele Jahre vor mancher Regierung nach links verschoben haben

Der bekannte Journalist, Publizist und Medienunternehmer Klaus Kelle sieht das ebenso. Vor allem aber ruft er Twitter im heute auf seinem Blog „Denken erwünscht“ erschienenen Artikel ein lautes „Schämt Euch, Twitter“ zu. Wir danken dem Autor für die freundliche Erlaubnis, den Artikel ungekürzt übernehmen zu dürfen:

Klaus Kelle: Schämt Euch, Twitter!

Der scheidende amerikanische Präsident Donald Trump hat die Öffentlichkeitsarbeit des Weißen Hauses revolutioniert. Als Medienmensch habe ich das immer bewundert, wie der Mann sich vorbei an Chefredaktionen und Verlegern und Pressekonferenzen Gehör über Twitter verschafft hat.

Seine täglichen Tweets ploppten zuletzt auf fast 90 Millionen Smartphones weltweit auf, seine persönliche Sicht der Dinge sozusagen. Und wissen Sie, was das Geniale dabei war: jeder politische Journalist auf der Welt war natürlich Follower, las, was Trump schrieb und berichtete dann über den Inhalt der Tweets in den eigenen Medien. Effektiver kann man Pressearbeit nicht betreiben.

Wer Trump lobt, den will ich nicht mehr lesen

Nach diesem Satz habe ich sicher mindestens 20 “Entfreundungen” und Abbestellungen meines Newsletters, denn Sie müssen wissen: Etwas Positives über Trump zu schreiben, das darf man nicht, wenn man im publizistischen Geschäft bleiben will. Also wenn ich zum Beispiel schreibe, Trump habe nach dem Frühstück den Tisch abgeräumt und Melanie eine Rose hingelegt – zack, Abonnenten weg! Und Postings über den Atomknopf, den Sturm aufs Capitol, die Frisur, die Pöbeleien, Corona und, und, und. Kann man machen, wenn man es braucht.

Sie haben gemerkt, dass ich zuletzt deutlich kritischer über Trump geschrieben habe, als noch vor einem Jahr. Weil ich nämlich versuche, die Dinge sachlich zu betrachten. Manchmal finde ich etwas gut, manchmal schlecht. Sollte der Job von Journalisten grundsätzlich sein.

Trump hat nie zu Gewalt und Rassenhass aufgerifen

Und jetzt hat Twitter das “Privatkonto” von Donald Trump gesperrt. Und das finde ich ganz schlecht, weil ich nicht will, dass irgendein Nerd in San Francisco darüber entscheidet, ob der nominal noch mächtigste Mann der Welt seine Meinung öffentlich sagen darf. Fairness vom Mainstream hat Trump seit Jahren nicht zu erwarten, und daran trägt er zumindest eine Mitschuld mit seinen öffentlichen Ausfällen zuletzt sogar gegen seinen Leib-und-Magen-Sender FOX NEWS.

Wenn jemand – egal wer – öffentlich zu Gewalt, Rassenhass der Holocaust-Leugnung aufruft – schmeiße ich ihn hier auch bei meinem Blog raus. Wie oft ist das in sieben Jahren passiert? Zwei oder drei Mal. Aber das hat Trump auch nicht gemacht,und er ist noch zehn Tage Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Den jetzt mundtot zu machen, widerspricht allen Regeln von Demokratie und Freiheit. Schämt Euch, Twitter!“

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Jahrgang 1965 – Wohnsitze in Bayern und NRW - Deutscher und US-amerikanischer Staatsbürger – Zunächst Berufsausbildung zum Industriekaufmann/Wirtschaftsassistent – Danach Diplomstudiengänge (Katholische Theologie, Philosophie, Geschichte und Erziehungswissenschaften) u.a. in Bochum und Passau. – Einige Jahre Erzieher in privaten Internaten (u.a. Schloss Neubeuern und St. Ottilien) – In kirchlichen und politischen Milieus je nach Betrachtungsweise mehr oder weniger gut vernetzt – Aktuell im politischen Betrieb als „Ghost“ Reden- und Vortragsschreiber sowie Mitautor und Korrektor. Zudem strategischer und konzeptioneller Berater bei diversen Wahlkampagnen außerhalb Deutschlands. Bis zu meinem Engagement für den Blog eher öffentlichkeitscheu. Das bin ich in gewisser Weise auch heute noch. Persönliche Kontakte pflege ich am liebsten nur beruflich oder in der Familie. Aktuelle Fotos von mir oder Fotos im Zusammenhang mit dem ein oder anderen Projekt vermeide ich, so gut es geht. Ein guter Freund nannte mich einmal einen Semi-Soziopathen. Auch wenn das ein hartes Wort ist: es beschreibt keine psychische Erkrankung, wie man vermuten dürfte und trifft deshalb sehr gut! Zwar bin ich prinzipiell sehr empathisch, doch schätze ich nicht die Nähe von Hinz und Kunz, lasse also ungern Menschen an mich heran. Ich spiele gern und hin und wieder auch erfolgreich mit Sprache, schotte meine Familie so weit es geht von der Öffentlichkeit ab und mache auch immer wieder mal – so auch hier - ein Geheimnis aus meinem vollständigen Lebenslauf. Diese Geheimniskrämerei hat schon manchen dazu verleitet, Legenden über mich zu verbreiten. Aber das ist OK. Ich habe ein sehr dickes Fell und Desinformation ist ja auch ein gern genommenes Tool im politischen Betrieb.