(Michael van Laack) „Angesichts der immer noch zu hohen Zahlen ist es notwendig, die Maßnahmen, die Einschränkungen, zu verlängern“, so Jens Spahn gestern in einem Interview mit seinem Haussender RTL. Gaststätten – vor allem Kneipen mit Thekengeschäft – sind, so lehrt es die Erfahrung, die noch erhaltene STASI-Protokolle hergeben, Treffpunkte für alle Subversiven und Staatsfeinde. Dort wird noch das offene Wort gepflegt, dort muss man nicht wie im Netz mit Sperren rechnen, wenn man ausspricht, was man denkt.

Mit dem Rauchverbot hatte man zwar kleine Erfolge erzielt und in manchen Bundesländern Eckkneipen-Wirte zur Aufgabe zwingen können, aber noch keinen flächendeckenden Erfolg erzielt. Nun aber ist die Chance da. Corona ist das Tool, mit dem diesen Brutstätten des geistigen Austauschs über politische Ansichten der Garaus gemacht werden kann. Es sind ja ohnehin fast nur alte weiße Männer, die Kneipen und Stammtische in Gaststätten besuchen. Oder der Greta-feindliche Teil der jüngeren Erwachsenen, der sich abends in den Sport- und Musikbars trifft. Ein paar werden zwar überleben (vor allem die pachtfreien und brauereiunabhängigen Gaststätten), aber die kann man dann schon im Auge behalten.

Lockdown: Geschichte fortwährenden Scheiterns

Wir erinnern uns: Ende Oktober erklärten uns die Bundeskanzlerin und im Gefolge auch der Herr Bundesgesundheitsminister, dass jetzt noch einmal ein Opfer gebracht werden müsse. Wenn Politiker von „Opfer bringen“ sprechen, haben sie selbstverständlich nie sich selbst im Blick. „Du bist nichts, Dein Volk ist alles! Du musst Opfer bringen, damit es uns wieder gut geht und wir am Ende welcher Krise auch immer sagen können: Seht her, ohne unsere weise Regierung wäre alles noch viel schlimmer gekommen. Deshalb erwarten wir von Euch Dank und die Wiederwahl.“

Als erstes Opfer hatte man die Gastronomie auserkoren. Auch wenn es keine wissenschaftlichen Beweise gab, erklärten die Weisen aus dem Merkelland (die Ministerpräsidenten-Konferenz), dass wir wieder halbwegs normal Weihnachten feiern könnten, wenn die Gastronomie geschlossen würde. Neue Hilfen wurden in Aussicht gestellt. Novemberhilfen genannt, weil man es (aus Gründen) nicht wagen wollte,  das ganze „Gute-Gastronomie-Verordnung“ zu nennen. Heute wissen wir: Die Novemberhilfen können wegen eines Software-Fehlers (Wer‘s glaubt wird selig) erst im Februar ausgezahlt werde. Und wir wissen auch: Die Schließungen haben nichts gebracht.

Nichts wurde besser – Das nächste Opfer musste her!

Was viele Wissenschaftler – sowohl die Lockdowns verteidigende als auch kritisch argumentierende – vorausgesagt hatten, trat ein: Die Wirkung war gleich null. Alle Viren verbreiten sich in den kühlen Jahreszeiten rascher. Und zudem lag es nicht an der Gastronomie, dass die Zahlen wieder gestiegen waren. Tja… Was nun? Normale Menschen hätten gesagt: Wir können der Gastronomie nun nicht noch weiter schaden, also öffnen wir sie wieder. Schließlich hatte diese Branche die besten Hygienekonzepte von allen entwickelt. Doch weit gefehlt. Alles blieb, wie es war. Zusätzlich musste nun der Einzelhandel dran glauben.

Ab Ende der dritten – und somit vor der umsatzstärksten – Weihnachtsgeschäftswoche, wurde er fast vollständig geschlossen. Macht natürlich Sinn für eine Regierung, die es gewohnt ist, andere Opfer bringen zu lassen. Der Einzelhandel ist der Bundesregierung ohnehin ein Dorn im Auge. Menschen fahren mit Auto oder Bus und Bahn zum Shoppen. Wir klimawandelfeindlich ist das denn? Wenn immer mehr Menschen online bestellen, lässt sich auch viel besser kontrollieren, wer was kauft. Da fällt das Erstellen eines Profils leichter. Laschet tat zwar kurzzeitig so, als sei ihm der Einzelhandel wichtig, aber das wohl eher aus taktischen Gründen, um seinen großen Landesverband NRW für die Wahl bei sich zu halten.

Die Bürger tauschen sich zu intensiv miteinander aus

Wir alle wissen: Nichts kann das persönliche Gespräch ersetzen. Manches sagt sich einfacher und auch an Mimik und Gestik lässt sich die Intention des Gesagten besser ablesen als an Smileys welcher Form auch immer. Deshalb war es auch dringend erforderlich, in einer Zeit, in der die Kritik an der Bundesregierung immer lauter wurde, die Kontakte weiter einzuschränken. Würde man in Berlin wirklich darauf bedacht sein, dass sich weniger Menschen infizieren und die Nachverfolgbarkeit sich verbessert, dass weniger schwer erkranken oder gar sterben, hätte man schon frühzeitig wie in China und anderen Ländern für eine kurze Zeit einen totalen Lockdown gefahren und auch Einreisen aus anderen Ländern komplett unterbunden.

Stattdessen aber gibt es immer mehr Maßnahmen, die Grundrechte und Freiheit einschränken, aber keinerlei Erfolge. Wie denn auch? Denn Millionen fahren täglich zu ihren Arbeitsplätzen, die Lebensmittel-Geschäfte platzen aus allen Nähten, und Zehntausende suchen Erholung in Wintersportgebieten. Ganz oder gar nicht! So muss immer die Devise lauten. Nicht kalt und nicht warm. Diese Politik der Merkelianer führt Deutschland nunmehr seit fast einem Jahrzehnt immer mehr in den Abgrund. Deutlich wurde das erstmals bei der Energiewende, dann in der Migrationsfrage, und nun vollends bei Corona.

Es bessert sich nicht? Dann müssen auch die Schüler Opfer bringen!

Halb Deutschland ruht und schließt sich ein, aber es wird – wenn man lediglich die nüchternen Zahlen betrachtet – nichts besser. Der Einzelhandel und die Gastronomie stehen vor einer dramatischen Insolvenzwelle. Das ist egal, wie wir wissen, wenn nicht sogar im Sinn Berlins. Nun aber wird ein drittes Opfer dringend benötigt, denn die Zahlen wollen einfach nicht sinken. – Bereits im Frühjahr und auf den Sommer 2020 zu wurden Kitas und Schulen geschlossen bzw. Ferien verlängert. Viele – nicht nur leistungsschwache Kinder – kamen aus dem Lernrhythmus und verloren zahlreiche soziale Kontakte.

Das soll sich nach Spahns Willen nun wiederholen. Die Schulen sollen ein paar Wochen (was auch immer das bedeutet) länger geschlossen bleiben. Verharmlosend nennt man das dann Weihnachts- oder Winterferienverlängerung. Nicht nur für Alleinerziehende bleiben die Zeiten also hart. In vielen Familien schlummernde Konflikte bekommen mehr Zeit, um neu aufzubrechen oder zu eskalieren. Auch das im Sinn einer Regierung, die über eine politische Religion in die „schöne neue Welt“ will. Denn „gesunde“ Familien – also zu viele intakte Keimzellen eines Gemeinwesens, sind der Feind aller Totalitaristen. Neben Gender und FFF kann man nun auch noch Corona einsetzen, um die Familien zu spalten und Generationskonflikte zu etablieren. Großartig. Oder?

Lieber längeren Lockdown als Impfstoff-Nationalismus

Abschließend verteidigte Spahn bei RTL die geringe Zahl an Impfstoffdosen. Er habe nicht mehr versprechen als gehalten. Er habe 1,3 Millionen Dosen bestellt (um die angeblich notwendige doppelte Durchimpfung von 60 % der Bevölkerung zu erreichen, bräuchte man 100 Millionen Dosen) und von Beginn an gesagt, dass priorisiert würde. Er sei zuversichtlich, dass die erste Gruppe bis Ende Januar einmal durchgeimpft sei. Und danach müsste man halt weitersehen. Andere Staaten bräuchten ja auch das Medikament. Irgendwie würde schon alles klappen. Notfalls – das sagt er nicht so, aber es ergibt sich aus dem Subtext – muss man sich halt noch ein viertes und fünftes Opfer suchen. Denn zu früh darf die Krise nicht enden.

Wenn es zu viel Zeit zur Aufarbeitung des Krisen-Managements der Bundesregierung bis zur Bundestagswahl gibt, wäre der schwarz-grüne Regierungstraum vielleicht schon bald vorbei. Deshalb muss man die Bevölkerung noch mindestens bis Mai oder Juni in Atem halten, dann den Erfolg im Kampf gegen die Pandemie bekanntgeben, der Bevölkerung für die Opferbereitschaft danken und vor allem betonen, dass es diese Regierung war, die mit ihren unendlich weisen Entscheidungen Deutschland so gut durch die Krise geführt habe. – Mit anderen Worten, liebe Bürger: Macht Euch keine Sorgen: Es läuft alles nach Plan!

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Jahrgang 1965 – Wohnsitze in Bayern und NRW - Deutscher und US-amerikanischer Staatsbürger – Zunächst Berufsausbildung zum Industriekaufmann/Wirtschaftsassistent – Danach Diplomstudiengänge (Katholische Theologie, Philosophie, Geschichte und Erziehungswissenschaften) u.a. in Bochum und Passau. – Einige Jahre Erzieher in privaten Internaten (u.a. Schloss Neubeuern und St. Ottilien) – In kirchlichen und politischen Milieus je nach Betrachtungsweise mehr oder weniger gut vernetzt – Aktuell im politischen Betrieb als „Ghost“ Reden- und Vortragsschreiber sowie Mitautor und Korrektor. Zudem strategischer und konzeptioneller Berater bei diversen Wahlkampagnen außerhalb Deutschlands. Bis zu meinem Engagement für den Blog eher öffentlichkeitscheu. Das bin ich in gewisser Weise auch heute noch. Persönliche Kontakte pflege ich am liebsten nur beruflich oder in der Familie. Aktuelle Fotos von mir oder Fotos im Zusammenhang mit dem ein oder anderen Projekt vermeide ich, so gut es geht. Ein guter Freund nannte mich einmal einen Semi-Soziopathen. Auch wenn das ein hartes Wort ist: es beschreibt keine psychische Erkrankung, wie man vermuten dürfte und trifft deshalb sehr gut! Zwar bin ich prinzipiell sehr empathisch, doch schätze ich nicht die Nähe von Hinz und Kunz, lasse also ungern Menschen an mich heran. Ich spiele gern und hin und wieder auch erfolgreich mit Sprache, schotte meine Familie so weit es geht von der Öffentlichkeit ab und mache auch immer wieder mal – so auch hier - ein Geheimnis aus meinem vollständigen Lebenslauf. Diese Geheimniskrämerei hat schon manchen dazu verleitet, Legenden über mich zu verbreiten. Aber das ist OK. Ich habe ein sehr dickes Fell und Desinformation ist ja auch ein gern genommenes Tool im politischen Betrieb.