(Michael van Laack) Außerhalb des muslimischen Erdkreises drückt im öffentlichen Raum nichts so sehr die Verachtung für einen anderen Menschen aus, wie das Anspucken. Bei Koran-Gläubigen könnte man eventuell das Bewerfen mit Schuhen noch als Steigerungsausdruck der Verachtung verstehen, aber so schnell kam Thuram in dieser Situation wohl nicht an seinen Fuß. Zum anderen äußerte er sich während seiner bisherigen Karriere noch nie dazu – ob er überhaupt und falls ja – an welchen Gott er glaubt!

Marcus Thuram ist Stürmer bei Borussia Mönchengladbach. Und der Sohn des weltberühmten französischen Nationalspielers Lilian Thuram, der sich während seiner aktiven Zeit zu Beginn dieses Jahrtausend aktiv und mit zahlreichen Ehrungen überhäuft gegen Rassismus (Schwarzen- und Islam-Feindlichkeit) einsetzte. Zudem war er Mitglied des französischen Integrationsrats, der sich um mehr Verständnis für die Belange der Muslime große Verdienste erwarb…

Von Ericwaltr – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0

Allzuviel mit Allah hat aber auch der Papa definitiv nicht am Kopf, denn ebenso engagierte er sich vor einigen Jahren für die gleichgeschlechtliche Ehe und hatte kein Problem Damit, sich neben einem linksliberalen Kreuzträger ablichten zu lassen. Sehr skurril, diese Familie…

Alles nur ein Versehen?

Nicht nur deshalb wird er wohl gestern mit Grausen verfolgt haben, wie sein Sohn einem weißen biodeutschen Spieler der TSG 1899 Hoffenheim während des Bundesligaspiels ins Gesicht spuckte. Oder vielleicht doch nicht…?

Thuram entschuldigte sich auf Twitter wortreich, aber widersprüchlich: »Heute hat etwas stattgefunden, das nicht in meinem Charakter liegt und nie wieder vorkommen darf« »Ich habe mich gegenüber einem Gegner falsch verhalten.« »Es war ein Versehen und nicht beabsichtigt« »Ich entschuldige mich bei allen. Bei Stefan Posch, meinen Gegnern, meinen Teamkollegen, meiner Familie und allen, die meine Reaktion gesehen haben. Natürlich akzeptiere ich alle Konsequenzen meines Handelns.«

Vielleicht stecken auch Nazis dahinter!

Ein Versehen ist eine Handlung, die ich nicht absichtlich vollzogen habe. Folglich hat Thuram nur versehentlich die Nähe zum Kopf des Gegenspielers gesucht, nur versehentlich die Lippen gespitzt und Speichel gesammelt, nur versehentlich gespuckt und sich danach nur versehentlich fluchend abgewandt. OK…

Doch wer weiß, vielleicht war ja alles ganz anders. Vielleicht wird Thuram von deutschen Nazis dazu gezwungen, sich nach dem Spiel so zu äußern. Vielleicht hat man ja seine Familie bedroht, wenn er nicht die Schuld auf sich nimmt!  Vermutlich hat der Deutsche ganz böse Dinge zu Thuram gesagt wie: „Eines Tages werden nicht mehr wir niederknien, sondern ihr!“ Wie sonst sollte man sich die Spuckattacke erklären. Thuram muss rassistisch beleidigt worden sein. Sonst hätte er sich niemals nicht zu einer solchen Handlung hinreißen lassen. Er ist schwarz, er ist Muslim, er ist einfach… anständig! Punkt!

Zeit für eine andere Rassismus-Debatte

Karl-Heinz Rummenigge hat recht. Wenn der weiße Deutsche den schwarzen Franzosen angespuckt hätte, wäre gestern Abend und heute im Tagesverlauf überall die Post abgegangen. Und die üblichem Verdächtigen, die sich heute über Rummenigges Worte empören, wären die ersten gewesen, die in Tweets nach der Überprüfung von Bundeswehr und Polizei auf rassistische Gesinnung eine ebensolche für nichtmuslimische und nicht politisch korrekt pigmentierte Menschen im Bundesliga-Betrieb gefordert hätten. Ganz gewiss auch der Edel-Kommunist Kevin Kühnert.

Die öffentlichen Reaktionen auf dieses an und für sich belanglose Vorkommnis zeigt: Wir brauchen tatsächlich in Deutschland eine neue Rassismus-debatte. Zum einen die, in der geklärt wird, was alles unter rassistische Gesinnung und rassistische Akte fällt, um da endlich Klarheit zu haben und nicht bei jeder Gelegenheit „Rassist“ brüllen zu müssen. Und dann noch eine weitere: Ob es tatsächlich auch in Deutschlandhäufiger als bisher vermutet Rassismus gegen Weiß0e und religiösen Rassismus gegen Nicht-Muslime gibt. Thuram hat einfach Pech gehabt. Er hat zum falsche Zeitpunkt und vor den Augen der TV-Öffentlichkeit gespuckt.

Wenn nicht jetzt, wann dann?

Seine Motivation mag tatsächlich keine rassistische gewesen sein. Aber an Vorgängen wie diesen lässt sich gut die Forderung nach Debatten aufhängen. Auf der Gegenseite klappt das zumindest immer. Diese Chance sollten wir nutzen. Denn viele werden wir nicht mehr haben, um eine Debatte anzuregen, die schon vor mehr als einem Jahrzehnt hätte beginnen müssen. So aber sind wir in eine Situation hineingeschlittert, in der Weiße und Nicht-Muslime sich permanent für Akte, die sie setzen rechtfertigen und auf Buntheitstauglichkeit prüfen lassen müssen. Während der andere Teil der Gesellschaft tut und lässt, was er will, dafür in der Regel noch mit Fördergeldern und Preisen überhäuft wird und die Deutungshoheit über das an sich zu reißen trachtet, was „Rassismus“ und „rassistisch“ ist und was nicht.

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Jahrgang 1965 – Wohnsitze in Bayern und NRW - Deutscher und US-amerikanischer Staatsbürger – Zunächst Berufsausbildung zum Industriekaufmann/Wirtschaftsassistent – Danach Diplomstudiengänge (Katholische Theologie, Philosophie, Geschichte und Erziehungswissenschaften) u.a. in Bochum und Passau. – Einige Jahre Erzieher in privaten Internaten (u.a. Schloss Neubeuern und St. Ottilien) – In kirchlichen und politischen Milieus je nach Betrachtungsweise mehr oder weniger gut vernetzt – Aktuell im politischen Betrieb als „Ghost“ Reden- und Vortragsschreiber sowie Mitautor und Korrektor. Zudem strategischer und konzeptioneller Berater bei diversen Wahlkampagnen außerhalb Deutschlands. Bis zu meinem Engagement für den Blog eher öffentlichkeitscheu. Das bin ich in gewisser Weise auch heute noch. Persönliche Kontakte pflege ich am liebsten nur beruflich oder in der Familie. Aktuelle Fotos von mir oder Fotos im Zusammenhang mit dem ein oder anderen Projekt vermeide ich, so gut es geht. Ein guter Freund nannte mich einmal einen Semi-Soziopathen. Auch wenn das ein hartes Wort ist: es beschreibt keine psychische Erkrankung, wie man vermuten dürfte und trifft deshalb sehr gut! Zwar bin ich prinzipiell sehr empathisch, doch schätze ich nicht die Nähe von Hinz und Kunz, lasse also ungern Menschen an mich heran. Ich spiele gern und hin und wieder auch erfolgreich mit Sprache, schotte meine Familie so weit es geht von der Öffentlichkeit ab und mache auch immer wieder mal – so auch hier - ein Geheimnis aus meinem vollständigen Lebenslauf. Diese Geheimniskrämerei hat schon manchen dazu verleitet, Legenden über mich zu verbreiten. Aber das ist OK. Ich habe ein sehr dickes Fell und Desinformation ist ja auch ein gern genommenes Tool im politischen Betrieb.