(Michael van Laack) „Früher Vogel fängt den Wurm!“ So heißt es nicht ohne Grund, dachte sich wohl auch Armin Laschet, seines Zeichens Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident und Hoffnungsträger der Merkel-Legionäre innerhalb der CDU. Deshalb empfahl er heute in einer fast durchgängig sehr emotionalen Rede im NRW-Landtag, auf gar keinen Fall Weihnachtsgeschenke bei Amazon oder sonst wo online zu erwerben.

Wer jetzt noch keine Geschenke für seine Lieben hat, ist selbst schuld! Man soll – das sei ja ohnehin bei vielen schon seit langem Usus – Gutscheine ausstellen, die einzulösen der Beschenkte den Schenkenden irgendwann im nächsten Jahr bitten kann. Wann genau das möglich sein wird? Nun, darauf wollte Laschet sich selbstverständlich nicht festlegen. Ob man vielleicht auf die Gutscheine sicherheitshalber neben dem Weihnachtsmann auch schon mal einen Osterhasen kleben sollte?

Onlinebestellungen sind einzelhandelsfeindlich

Hinzu komme, dass viele Bestell-Plattformen in Deutschland keine Steuern zahlen. Die dürfe man jetzt nicht unterstützen, fordert der NRW-Ministerpräsident. Das klingt ja noch relativ vernünftig, auch wenn ich mich nicht daran erinnern kann, dass Amazon oder andere große Online-Plattformen für Herrn Laschet vor Corona auch nur das geringste Problem darstellten. Na ja, die Zeiten ändern sich und wir uns in ihnen. Das gilt selbstverständlich auch für die männliche Merkel.

Es gelte, den Einzelhandel zu stärken. Das ist natürlich auf den ersten Blick ein ehrbares Ansinnen. Blöd nur, dass schon seit vielen Jahren der Einzelhandel darüber klagt, durch Online-Plattformen hohe Umsatzverluste zu erleiden. Bisher hat das kaum jemanden gestört. Auch Herr Laschet hat bestenfalls mal in Sonntagreden im Nebensatz verlauten lassen, dass man da irgendwie mal irgendwann irgendwen stärken müsse.

Auch viele kleine Händler verkaufen über regionale Plattformen Waren

Laschets Empfehlung könnte sich deshalb als Bumerang erweisen. Ich nehme mich mal selbst als Beispiel, weil sich der Esel ja gern in den Vordergrund stellt… In den vergangenen fünf Tagen habe ich folgende Weihnachtsgeschenke bestellt: Gute Spiele für Jungs und Mädels bei auditorix.de, eine Kollektion von Trappistenbieren bei bierlinie.de, eine fränkische rote Beerenauslese bei meinwinzer.de, Eier- und Schokolikör auf Grappa-Basis bei myspirits.eu. Allesamt mittelständische Unternehmen oder Zusammenschlüsse aus solchen, die aber entweder überhaupt keine Filialen oder zumindest keine Verkaufsgeschäfte in meiner Nähe besitzen. Auch andere Einzelhändler in der Nähe führen diese Produkte nicht.

Was schlägt Laschet jemandem wie mir vor, auch wenn er nicht mein Landesvater ist? Hätte auch ich in den vergangenen Wochen nur Geschenke kaufen sollen, die sich vor Ort erwerben lassen? Oder ins Auto setzen, bis zu 150 km weit Schadstoffe in die Luft blasen, um dann das gute Gefühl haben zu können, dem Einzelhandel eine Stütze zu sein? Und was machen Menschen, die gar nicht mobil sind? – OK, es muss nicht unbedingt Amazon sein. Aber wenn ich zum Beispiel ein paar schnuckelige Käfer-Hausschuhe für Mädels kaufen wollte…

Muss ich dann warten, bis die Mader-Filiale wieder geöffnet hat? Oder ist Online-Handel OK, wenn das Unternehmen in Deutschland Steuern zahlt? Und woher weiß ich, dass es das tut? Mittlerweile sind so viele Firmen miteinander verschmolzen, dass – wenn auf dem Produktlabel Deutschland als Herkunftsland verzeichnet ist – nicht unbedingt auch die Bank in Deutschland steht, auf deren Konto ich überweise. Vor allem bei papypal- oder postdirekt-Überweisungen kann ich das oft erst ersehen, nachdem das Geschäft abgeschlossen ist.

Kindern Gutscheine schenken? Jetzt hackts wohl!

Leuchtende Kinderaugen richten sich unter dem Weihnachtsbaum auf ein paar Briefumschläge mit Gutscheinen? Auch daran sieht man, dass viele Spitzenpolitiker mittlerweile den Bezug zur Wirklichkeit komplett verloren haben. „Das Weihnachtsfest wird anders sein müssen als alle anderen Weihnachtsfeste, die wir vielleicht in unserer Generation erlebt haben.“ sagte Laschet auch noch.

Ja, das ist so. Und das ist nicht schön. Aber Kinder müssen ein Weihnachten erleben dürfen, dass so normal wie möglich gefeiert wird. Mit Fröhlichkeit, mit dem Staunen über Lichterglanz und Wunderkerzen, festlichem Essen und Süßigkeiten. Aber auch mit Geschenken, die das Christkind oder der Weihnachtsmann gebracht hat. Die sie unter dem Baum vor den Augen der Familie erwartungsvoll öffnen und gleich danach in Beschlag nehmen können. Und die muss man eben dann auch bei Amazon bestellen dürfen, ohne sich von einem Ministerpräsidenten ein schlechtes Gewissen machen zu lassen. Fürs schlechte Gewissen reichen mir in diesen Monaten schon Spahn, Lauterbach, Thunberg und Neubauer.

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Jahrgang 1965 – Wohnsitze in Bayern und NRW - Deutscher und US-amerikanischer Staatsbürger – Zunächst Berufsausbildung zum Industriekaufmann/Wirtschaftsassistent – Danach Diplomstudiengänge (Katholische Theologie, Philosophie, Geschichte und Erziehungswissenschaften) u.a. in Bochum und Passau. – Einige Jahre Erzieher in privaten Internaten (u.a. Schloss Neubeuern und St. Ottilien) – In kirchlichen und politischen Milieus je nach Betrachtungsweise mehr oder weniger gut vernetzt – Aktuell im politischen Betrieb als „Ghost“ Reden- und Vortragsschreiber sowie Mitautor und Korrektor. Zudem strategischer und konzeptioneller Berater bei diversen Wahlkampagnen außerhalb Deutschlands. Bis zu meinem Engagement für den Blog eher öffentlichkeitscheu. Das bin ich in gewisser Weise auch heute noch. Persönliche Kontakte pflege ich am liebsten nur beruflich oder in der Familie. Aktuelle Fotos von mir oder Fotos im Zusammenhang mit dem ein oder anderen Projekt vermeide ich, so gut es geht. Ein guter Freund nannte mich einmal einen Semi-Soziopathen. Auch wenn das ein hartes Wort ist: es beschreibt keine psychische Erkrankung, wie man vermuten dürfte und trifft deshalb sehr gut! Zwar bin ich prinzipiell sehr empathisch, doch schätze ich nicht die Nähe von Hinz und Kunz, lasse also ungern Menschen an mich heran. Ich spiele gern und hin und wieder auch erfolgreich mit Sprache, schotte meine Familie so weit es geht von der Öffentlichkeit ab und mache auch immer wieder mal – so auch hier - ein Geheimnis aus meinem vollständigen Lebenslauf. Diese Geheimniskrämerei hat schon manchen dazu verleitet, Legenden über mich zu verbreiten. Aber das ist OK. Ich habe ein sehr dickes Fell und Desinformation ist ja auch ein gern genommenes Tool im politischen Betrieb.