(Michael van Laack) Von seiner äußeren Erscheinung scheint der heilige Bischof Nikolaus für den „Weihnachtsmann“ Pate gestanden zu haben. allerdings nur, wenn man sich die Darstellungen des Heiligen ab dem Ende des ersten Drittels des 19. Jahrhunderts anschaut. Heute ist Nikolaus samt seinem Knecht Ruprecht leider entweder Teil des Weihnachtsgeschäfts für Süßwarenhersteller oder eine Kinderbelustigung auf dem Weg durch die Wartezeit auf die vom Amazon-Service „liebevoll“ verpackten Geschenke unter dem Christbaum.

Im kirchlichen Leben geht das Fest des Heiligen nicht nur in Corona-Zeiten unter. Es fällt zumeist auf Wochentage. An diesen nimmt bekanntlich dank der beständigen Verkostung mit den süßen Früchten der über 50 Jahre währenden Kaputt-Reformierung und der Schleifung des genuinen römisch-katholischen Profils ohnehin kaum mehr jemand teil. Oder das Fest fällt auf ein Wochenende, an dem die meisten Pfarrer dann die Liturgie vom Sonntag feiern müssen. Viele sind auch dankbar dafür, denn sie fremdeln wie einst Luther mit Heiligen als Vorbildern.

Christliche Erziehung? Lebenswirklichkeitsuntaugliches Gedöns!

Für den heutigen liturgischen Text habe ich zeitlich mal ein wenig tiefer gegraben als bisher, den Staub vom Buchblock geblasen und Alban Butlers Leben der Väter und Märtyrer  (Achtzehnter Band, Mainz, 1826) aus dem Regal gezogen.

WICHTIGER noch als die kurze Lebensbeschreibung des Heiligen scheint mir im Schlussteil Butlers Ausführungen zur Bedeutung der christlichen Erziehung. Denn auch derer schämen sich heute viele moderne Eltern. Kinder sollen so erzogen werden, dass sie sich ihren Wertekanon aus der Lebenswirklichkeit selbst zusammenbasteln. Richtig und Falsch aus den Bauch heraus für sich entscheiden. Ohne Anleitung und Reflexion Erfahrungen sammeln und Schlüsse daraus ziehen.

Das aber geht immer schief. In Erziehung steht nicht umsonst „ziehen“. Wer sein€ Kinder allein in den Wald schickt und sagt. „Sammle einfach die Pilze die Dir gefallen und dann brate sie mit deinen Freunden am Lagerfeuer, wird seine Sprösslinge wohl nur noch auf der Intensivstation oder dem Friedhof Besuchen können.

Genug gefaselt! Hier nun Alban Butlers Text in der Übersetzung von Andreas Räß. Den Schkußteil lege ich unseren Lesern nochmals ans Herz. Wem also der ganze Text zu lang ist… einfach bis zu „Patron der Kinder“ runterscrollen.

Ein schon früh verehrter Heiliger

Die große Verehrung die seit so vielen Jahrhunderten die Griechen und Lateiner dem heiligen Nikolaus erwiesen und die vielen unter seinem Namen erbauten Tempel sind verherrlichende Beweise seiner hohen Heiligkeit. Der Kaiser Justinian ließ ihm zu Ehren in Konstantinopel um das Jahr 430 im Stadtvierte Blaquerna ein Kirche bauen. Auch in vier weiteren Kirchen dieser Stadt wurde er als Patron verehrt.

Wegen der Ungewissheit, die in seiner Lebensgeschichte herrscht, wollen wir nur jene Tatsachen erzählen, worin die verschiedenen Verfasser seiner Akten übereinstimmen. Nach ihrer Angabe wurde er zu Patara in Lykien geboren, beobachtete von Kindheit an die von der Kirche vorgeschriebenen Fasttage am Mittwoch und Freitag, ein strenges Fasten, trat zu größerer Vervollkommnung seiner Tugend in ein Kloster bei Myra ein und zeichnete sich besonders aus durch seine Mildtätigkeit gegen die Armen. So erzählt man, dass drei Jungfrauen, in Gefahr, ihre Unschuld zu verlieren, von ihm unterstützt worden seien.

Myra – In der frühen Zeit ein wichtiger Bischofssitz

Lykien war eine alte Provinz Asiens, wo der hl. Paulus den Namen Jesu verkündigt hatte und Myra – nicht weit vom Meer gelegen – war deren Hauptstadt. Der dort errichtete erzbischöfliche Sitz zählte in den folgenden Jahrhunderten bis zu 36 untergeordnete Bischöfe. Bei Erledigung dieses Sitzes erwählte man zum neuen Oberhirten den heiligen Nikolaus, der zu jener Zeit als Abt dem Kloster vorstand, welches er sich zur Freistätte gegen die Zerstreuungen der Welt ausersehen hatte. Die Wundergabe, die ihm Gott in einem hohen Grade verliehen, eine außerordentliche Frömmigkeit, verbunden mit glühendem und unermüdlichen Eifer, machten seinen Namen allenthalben berühmt.

Die griechischen Geschichtsschreiber seines Lebens erzählen einstimmig, dass er des Glaubens wegen in Banden gewesen, gegen Ende der diokletianischen Verfolgung den Glauben unerschrocken bekannt und dem allgemeinen Konzil von Nicäa, wo die arianische Irrlehre verdammt wurde, beigewohnt habe. Er starb zu Myra und wurde in seiner Kathedralkirche beigesetzt. Die Geschichte der Übertragung seiner Reliquien setzt seinen Tod in das Jahr 352.

Lateiner, Griechen, Russen – Alle verehren Nikolaus

Man errichtete unter Anrufung des hl. Nikolaus selbst im Abendland viele Kirchen, lange vor der Übertragung seiner Reliquien nach Bari. Nach dem Martyrologium Usuards, dass ca. 300 Jahre vor der Übertragung verfasst wurde, hatten die Lateiner die größte Verehrung für diesen Heiligen. Und wir ersehen aus der Geschichte der Übertragung seiner Gebeine nach Italien, dass kein Heiliger so allgemein wie dieser bei allen christlichen Völkern verehrt wurde. Die Russen, welche ihre Überlieferung in Betreff des heiligen Bischofs von Myra von den Griechen übernommen haben, verehren keinen Heiligen, der seit der Apostel Zeiten gelebt hat, so hoch wie den heiligen Nikolaus.

Lange Reise der Reliquien

Die Reliquien des heiligen Bischofs von Myra kamen auf folgende Art nach Italien: Kaufleute von Bari, einem Hafen des Königreichs Neapel am Busen des adriatischen Meeres, welche die Absicht hatten, sich die Gebeine des Heiligen zu beschaffen, segelten mit drei Schiffen an die lykische Küste. Nach ihrer Landung sannen sie auf Mittel, ihr Vorhaben auszuführen. Sie warteten daher den Augenblick ab, wo die Mohammedaner sich entfernen würden, um desto leichter und ohne Aufsehen in die Kirche zu kommen, wo der Leib des Heiligen lag. Diese Kirche stand an einem einsamen Ort ungefähr eine Stunde vom Meer entfernt und hatte zu ihrer Bewachung nur eine kleine Genossenschaft von Ordensmännern.

Die Kaufleute brachen schnell den marmornen Sarg auf, der die Gebeine umschloss und trugen diese auf ihre Schiffe, Indessen erhob sich Lärm, die Ortsbewohner liefen unter großem Geschrei zusammen, konnten aber die Enteilenden nicht mehr erreichen, welche, bis die Bewohner ans Ufer kamen, schon unter Segel gegangen und der Gefahr entronnen waren. Am 9. Mai 1087 langten sie zu Bari an, wo der Erzbischof die heiligen Reliquien empfing und in der Kirche zum heiligen Stephan beisetzte. Schon am ersten Tag wurden dreißig Personen durch Anrufung des heiligen Nikolaus von verschiedenen Krankheiten geheilt und die neue Ruhestätte seiner irdischen Hülle wird seither von zahlreichen Pilgern besucht.

Zwei „Diebesgruppen“ wetteifern um Nikolaus

Wir haben eine zuverlässige Geschichte dieser Übertragung von dem damaligen Erzdiakon von Bari, Johannes, der dies im Auftrag seines Bischofs schrieb. Surius hat diese Geschichte herausgegeben. Die Erzählung des Erzdiakons Johannes wird auch durch eine andere Geschichte dieser Übertragung bestätigt, welche Nicephorus von Bari im Auftrag der Stadtobrigkeit um dieselbe Zeit verfasste, Baronius hat sie als noch ungedruckt angeführt; allein nachher ist sie von Falconius herausgegeben worden.

Nach diesem Bericht erscheint es, dass eigentlich zuerst die Venezianer den Plan hatten, die Reliquien des heiligen Nikolaus wegzuführen, dass ihnen aber die Kaufleute von Bari zuvorkamen. Dem sei, wie ihm wolle: diese Hinwegnahme kann nicht anders gerechtfertigt werden als durch die Gesetze eines gerechten Krieges und aus der begründeten Furcht vor der alles Heilige schändenden Gottlosigkeit der Mohammedaner. Man erzählt, es fließe ein wohlriechendes Öl aus den Reliquien des heiligen Nikolaus zu Bari und man finde dieses Öl in reichlicher Fülle in dessen Grab bei Myra in Lykien.

Patron der Kinder

Der heilige Nikolaus wird besonders als Patron der Kinder verehrt, weil er wie man erzählt, von Jugend auf ein Muster der Unschuld und der Tugend war und es in der Folge seine liebste Beschäftigung wurde, Kinder zu unterrichten und zur Gottseligkeit zu bilden – gewiss ein seliges Geschäft, dass ihn dem Heiland ähnlich machte, der da spricht: „Lasst die Kleinen zu mir kommen.“ Ein süßes Geschäft für Jene, welche sich den Geist der Kindlichkeit, der Unschuld, der Einfalt zu eigen machten, den Jesus forderte, da er sagte: „Wenn ihr nicht werdet wie die Kleinen, könnt ihr nicht eingehen ins Reich Gottes.“

Gute Erziehung ist der Same, aus dem gute Eltern wachsen

Ein wahrhaft wichtiges Geschäft, eins der allerwichtigsten für Eltern und Lehrer, die Sprösslinge der Menschheit und des Christentums zu pflegen, zu entwickeln, fruchttragend zu machen in allen guten und segenbringend für ihr ganzes Leben und für ihre Nachkommenschaft. Groß ist es, eines einzigen Menschen geistigen und sittlichen Wert, Tugend, Rechtschaffenheit und mit diesen sein Glück zu begründen; und brächte einer sein ganzes Leben zu, dieses auch nur bei einem Einzigen zu bewirken, seine Mühe wäre hinlänglich belohnt. Um wieviel größer und herrlicher muss es also sein, den Samen des Guten und mit ihm den Grund des Glückes für eine ganze Nachkommenschaft in die jungen Herzen zu legen und vielleicht ein ganzes Geschlecht zum wahren sittlichen Wert des Menschen, des Christen empor zu heben?

Es gibt keinen verächtlicheren Unmenschen als einen Jugendverderber, darum ist auch keiner verehrungswürdiger, als dem die Bildung der Jugend am Herzen liegt. Diese Wahrheit allein mag gewissenhaften Lehrer und Erziehern ihr Amt wichtig und heilig machen, aber auch gewissenlosen ihre Verächtlichkeit und mit dieser den Fluch Gottes und der Menschen zurufen.

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Jahrgang 1965 – Wohnsitze in Bayern und NRW - Deutscher und US-amerikanischer Staatsbürger – Zunächst Berufsausbildung zum Industriekaufmann/Wirtschaftsassistent – Danach Diplomstudiengänge (Katholische Theologie, Philosophie, Geschichte und Erziehungswissenschaften) u.a. in Bochum und Passau. – Einige Jahre Erzieher in privaten Internaten (u.a. Schloss Neubeuern und St. Ottilien) – In kirchlichen und politischen Milieus je nach Betrachtungsweise mehr oder weniger gut vernetzt – Aktuell im politischen Betrieb als „Ghost“ Reden- und Vortragsschreiber sowie Mitautor und Korrektor. Zudem strategischer und konzeptioneller Berater bei diversen Wahlkampagnen außerhalb Deutschlands. Bis zu meinem Engagement für den Blog eher öffentlichkeitscheu. Das bin ich in gewisser Weise auch heute noch. Persönliche Kontakte pflege ich am liebsten nur beruflich oder in der Familie. Aktuelle Fotos von mir oder Fotos im Zusammenhang mit dem ein oder anderen Projekt vermeide ich, so gut es geht. Ein guter Freund nannte mich einmal einen Semi-Soziopathen. Auch wenn das ein hartes Wort ist: es beschreibt keine psychische Erkrankung, wie man vermuten dürfte und trifft deshalb sehr gut! Zwar bin ich prinzipiell sehr empathisch, doch schätze ich nicht die Nähe von Hinz und Kunz, lasse also ungern Menschen an mich heran. Ich spiele gern und hin und wieder auch erfolgreich mit Sprache, schotte meine Familie so weit es geht von der Öffentlichkeit ab und mache auch immer wieder mal – so auch hier - ein Geheimnis aus meinem vollständigen Lebenslauf. Diese Geheimniskrämerei hat schon manchen dazu verleitet, Legenden über mich zu verbreiten. Aber das ist OK. Ich habe ein sehr dickes Fell und Desinformation ist ja auch ein gern genommenes Tool im politischen Betrieb.